Nachrichten aus der Wirtschaft am Dienstag

Jahres-Pressekonferenz der Uniper SE. Foto: epa/Friedemann Vogel
Jahres-Pressekonferenz der Uniper SE. Foto: epa/Friedemann Vogel

Uniper legt Halbjahreszahlen vor

DÜSSELDORF: Deutschlands größter Gasimporteur Uniper legt am Mittwoch (7.30 Uhr) seine Halbjahreszahlen vor. Der Energiekonzern spielt wegen der seit Wochen stark verminderten Gaslieferungen aus Russland eine zentrale Rolle in der aktuellen Gaskrise.

Das Unternehmen muss wegen der Drosselung der Lieferungen teureres Gas auf dem Markt einkaufen, um Verträge zu erfüllen. Das führte zu Liquiditätsproblemen, weil Uniper die Preissteigerungen bislang nicht weitergeben konnte. Uniper beliefert mehr als 100 Stadtwerke und Industriefirmen.

Um Uniper zu stützen, wurde ein milliardenschweres Rettungspaket geschnürt. Es sieht unter anderem vor, dass der Bund mit 30 Prozent bei dem Düsseldorfer Unternehmen einsteigt. Auch die ab Oktober geplante Gasumlage kommt vor allem Uniper zugute. Mit der von allen Gaskunden bezahlten Umlage können Gasimporteure unter bestimmten Bedingungen 90 Prozent ihrer Ersatzbeschaffungskosten erstattet bekommen.


Scholz will schnelle Klärung mit EU-Kommission zur Gasumlage

BERLIN: Die Bundesregierung will schnell mit der EU-Kommission nach Alternativen zu der rechtlich nicht möglichen Streichung der Mehrwertsteuer auf die geplante Gasumlage reden. Man wolle mit der Kommission darüber reden, «wie wir das Geld den Bürgern wieder zurückkommen lassen können», sagte Kanzler Olaf Scholz (SPD) am Dienstag in Berlin. «Diesen Weg werden wir jetzt ganz schnell mit der Kommission besprechen, dann ist er auch rechtssicher und kann umgesetzt werden, noch bevor die Umlage erhoben wird.»

Mit der Umlage sollen erhöhte Beschaffungskosten von Großimporteuren von Gas ausgeglichen werden, um diese vor der Pleite und das deutsche Energiesystem vor dem Kollaps zu bewahren. Alle Gaskunden sollen dafür zusätzlich 2,419 Cent pro Kilowattstunde bezahlen, Privathaushalte ebenso wie Firmen. Hinzu käme dann die Mehrwertsteuer, die bei Gas normalerweise 19 Prozent beträgt. Das wären dann also noch einmal 0,46 Cent. Damit würden die Kosten für den Verbraucher insgesamt also 2,88 Cent pro Kilowattstunde betragen.

Die Bundesregierung würde die Mehrwertsteuer eigentlich am liebsten streichen, weil sie dem Staat keine zusätzlichen Einnahmen auf Kosten der Verbraucher verschaffen will. Die EU-Kommission hatte am Dienstag allerdings erklärt, dass das rechtlich nicht möglich ist.


Eurokurs gefallen - EZB-Referenzkurs: 1,0131

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Dienstag gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0131 (Montag: 1,0195) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9871 (0,9809) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84218 (0,84375) britische Pfund, 136,11 (135,61) japanische Yen und 0,9625 (0,9631) Schweizer Franken fest.


Dax bleibt im Plus trotz trüber Wirtschaftsstimmung

FRANKFURT/MAIN: Der Dax hat sich ungeachtet aller konjunkturellen und geopolitischen Risiken nah an die Marke von 14.000 Punkten herangewagt. Schwache Konjunktursignale ließen die Gewinne aber etwas abschmelzen, und so stand der Dax am Nachmittag noch 0,44 Prozent höher auf 13.877,54 Punkten. Der MDax stieg um ein Prozent auf 28.186,07 Zähler.


Computerspielbranche wächst deutlich langsamer

BERLIN: Nach dem Boom der ersten Corona-Jahre hat sich das Wachstum der Video- und Computerspielbranche deutlich verlangsamt. Das geht aus Zahlen des Branchenverbands Game und den Marktforschern GfK und Data.ai hervor. Im ersten Halbjahr setzten die Unternehmen der Branche in Deutschland demnach rund 4,55 Milliarden Euro um, etwa 2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.


Rhein-Schifffahrt: Pegel bei Kaub bei 32 Zentimetern

KAUB: Der für die Schifffahrt auf dem Rhein wichtige Pegelstand bei Kaub zwischen Mainz und Koblenz bleibt auf niedrigem Niveau. Er lag der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes zufolge am Dienstagmittag bei 32 Zentimetern und damit einen Zentimeter höher als zum gleichen Zeitpunkt des Vortags.


ADAC: Diesel in Bayern 17 Cent teurer als in Hamburg

MÜNCHEN: Autofahrer in Bayern müssen laut ADAC an den Tankstellen zurzeit die höchsten Preise zahlen. Wie der Verein mitteilte, kostete Super E10 am Dienstagvormittag im Freistaat durchschnittlich 1,779 Euro und damit fast 16 Cent mehr als in Berlin. Diesel war mit 1,991 Euro über 17 Cent teurer als in Hamburg.


Gastransporteur OGE könnte weitere Pipeline in Wilhelmshaven bauen

WILHELMSHAVEN: Das Gas-Transportunternehmen Open Grid Europe bereitet sich auf die Anbindung eines weiteren LNG-Terminals in Wilhelmshaven vor. Über dieses zweite Terminal für die Anlandung von Flüssigerdgas werde derzeit diskutiert, sagte OGE-Chef Jörg Bergmann.


EU-Kommission: Keine Ausnahme bei Mehrwertsteuer für Gas-Umlage

BRÜSSEL: Für die Verbraucher in Deutschland wird es keine Ausnahme bei der Mehrwertsteuer auf die Gasumlage geben. Die EU-Kommission bekräftigte, dass eine Streichung anders als von der Bundesregierung erhofft nicht möglich ist. Die Kommission arbeitet nach eigenen Angaben aber mit Berlin an einer Lösung bezüglich der Mehrwertsteuer zusammen.


Walmart erhöht Umsatz deutlich - Jahresausblick wieder etwas besser

BENTONVILLE: Der größte US-Einzelhändler Walmart hat die Erlöse im jüngsten Quartal trotz hoher Inflation und gestörter Lieferketten deutlich gesteigert. In den drei Monaten bis Ende Juli legte der Umsatz im Jahresvergleich um gut 8 Prozent auf 152,9 Milliarden Dollar (150,98 Mrd Euro) zu, wie Walmart am Dienstag mitteilte. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Allerdings sank der Betriebsgewinn um knapp 7 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar. Die Aktie reagierte vorbörslich mit einem Kurssprung von 4 Prozent.

Der US-Shopping-Riese hatte im Juli seine Jahresgewinnziele gesenkt und gewarnt, dass die steigenden Preise bei dringend benötigten Gütern wie Lebensmitteln und Benzin die Ausgabebereitschaft der Kunden bei anderen Produkten dämpften. Um insbesondere bei Kleidung die Lagerbestände weiter abzubauen, seien stärkere Rabatte nötig. Zum Quartalsende lagen die Vorräte insgesamt noch rund ein Viertel über dem Vorjahreswert. Dennoch rechnet Walmart inzwischen mit einem nicht mehr ganz so starken Gewinnrückgang im laufenden Geschäftsjahr.


Habeck treibt Planungen für deutsche LNG-Terminals voran

BERLIN: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck treibt die Planungen für die ersten Flüssigerdgas-Terminals in Deutschland voran. In Wilhelmshaven und in Brunsbüttel sollen zum Jahreswechsel schwimmende LNG-Terminals mit einer Leitungsanbindung in Betrieb gehen, um die Kapazitäten ins Netz zu bringen.


ZEW-Konjunkturerwartungen trüben sich erneut ein

MANNHEIM: Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich vor allem wegen der Inflation verschlechtert. Das Stimmungsbarometer des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW fiel im August gegenüber dem Vormonat um 1,5 Punkte auf minus 55,3 Zähler. Dies ist der niedrigste Stand seit Oktober 2008.


Scholz setzt auf schnellen Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands

OSLO: Bundeskanzler Olaf Scholz setzt darauf, dass die Nato-Erweiterung um Schweden und Finnland bald abgeschlossen werden kann. «Meine Zuversicht ist groß, dass es jetzt sehr schnell gehen wird», sagte Scholz am Dienstag nach einem Treffen mit der schwedischen Ministerpräsidentin Magdalena Andersson in Stockholm. Auf Daten wolle er sich nicht festlegen. Aber er sei zuversichtlich dass die sieben der insgesamt 30 Nato-Staaten, die den Beitritt noch nicht ratifiziert haben, dies bald tun würden. Ausdrücklich erwähnte er dabei die Türkei, die den Beitritt lange Zeit blockiert hatte.

Kurz vor dem Nato-Gipfel im Juni hatten sich Schweden und Finnland aber mit Ankara geeinigt. Die drei Länder unterschrieben ein Memorandum, in dem die Nordeuropäer der Türkei unter anderem Unterstützung gegen Bedrohungen ihrer nationalen Sicherheit aussprachen. Auch Abschiebungen sollen erleichtert werden. Nach der Einigung forderte die Türkei jedoch erneut die Auslieferung von Terrorverdächtigen.

Andersson betonte in Stockholm, Schweden werde sich an das Abkommen halten, das ihr Land mit der Türkei geschlossen habe. Die Sozialdemokratin bedankte sich bei Scholz für die Unterstützung des schwedischen Nato-Antrags: «Deutschland ist in diesem ganzen Prozess an unserer Seite gewesen und war eins der ersten Länder, das unsere Bewerbung ratifiziert hat.»

Scholz hatte am Montag bereits in der norwegischen Hauptstadt Oslo an einem Gipfeltreffen der fünf nordeuropäischen Staaten Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark und Island teilgenommen. Mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre vereinbarte er dort eine noch engere Zusammenarbeit im Energiesektor. Zum Abschluss seiner zweitägigen Skandinavien-Reise wollte Scholz am Dienstag mit Andersson noch den Lastwagenhersteller Scania besuchen, der gemeinsam mit Volkswagen an Konzepten zur Elektrifizierung des Lastverkehrs arbeitet.


Handelsdefizit der Eurozone weitet sich überraschend aus

LUXEMBURG: Das Handelsdefizit der Eurozone hat sich im Juni überraschend ausgeweitet. Das saisonbereinigte Defizit sei im Vergleich zum Mai um 3,6 Milliarden auf 30,8 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg mit. Volkswirte hatten mit einem Rückgang gerechnet. Im April war mit 32,3 Milliarden Euro das mit Abstand höchste Defizit im Außenhandel seit Bestehen des Währungsraums verzeichnet worden.

Deutlich steigende Importe und schwächelnde Exporte belasten die Handelsbilanz. So fielen im Juni die Ausfuhren um bereinigte 0,1 Prozent. Die Einfuhren legten hingegen um 1,3 Prozent zu. Zuletzt waren die Energieimporte besonders stark gestiegen, eine Folge der wegen des Ukraine-Kriegs stark gestiegenen Energiepreise. Zudem werden die Ausfuhren durch die harte Corona-Politik in China und die schwächelnde Weltwirtschaft belastet.

Der Saldo der Handelsbilanz ergibt sich aus der Differenz zwischen Exporten und Importen. In der Vergangenheit verzeichnet die Eurozone meist einen Überschuss im Außenhandel.


Rohstoffkonzern BHP dank hoher Preise mit Rekordgewinn

MELBOURNE: Der australische Rohstoffkonzern BHP hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021/22 (Ende Juni) dank Rekordpreisen für Rohstoffe so viel verdient wie noch nie zuvor. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn stieg im Jahresvergleich um fast 40 Prozent auf 23,8 Milliarden US-Dollar (23,3 Mrd Euro), wie BHP mit Sitz in Melbourne am Dienstag mitteilte. Im Vorjahr hatte das Unternehmen hier 17,1 Milliarden Dollar ausgewiesen.

Aufgrund besserer Geschäftsaussichten in China will das Unternehmen sein Wachstum vorantreiben. So will der Rohstoffkonzern die Ausweitung seiner ertragsstärksten Eisenerzsparte auf eine Jahresproduktion von 330 Millionen Tonnen und eine mögliche Steigerung des Volumens bei Kupfer und Nickel prüfen. Die Inbetriebnahme einer neuen Kalimine in Kanada ist für 2026 geplant.

Trotz der jüngst schwachen Daten aus China rechnet Unternehmenschef Mike Henry mit Rückenwind für die Weltwirtschaft. Das asiatische Land dürfte in den nächsten sechs bis zwölf Monaten für eine gewisse Stabilität des globalen Wachstums sorgen, sagte er laut Mitteilung. Das Chinageschäft trägt in der Regel mehr als 60 Prozent zum Konzernumsatz von BHP bei.

Allerdings warnte der Manager vor einer konjunkturellen Verlangsamung der fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund der Zinswende, einer anhaltenden geopolitischen Unsicherheit und dem Inflationsdruck. Die Auswirkungen der Energiekrise in Europa gäben besonderen Anlass zur Sorge.


Eurokurs vor ZEW-Konjunkturumfrage kaum verändert

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat sich nach seinen jüngsten Kursverlusten etwas stabilisiert. Die Gemeinschaftswährung notierte am Dienstagmorgen bei 1,0160 US-Dollar und damit in etwa auf dem Niveau vom Vorabend. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zum Wochenstart auf 1,0195 (Freitag: 1,0285) Dollar festgesetzt.

Schwache Konjunkturdaten aus China hatten am Devisenmarkt zuletzt für eine hohe Dollar-Nachfrage gesorgt. Der Dollar ist in wirtschaftlich unsicheren Zeiten oft als Hort der Stabilität gefragt.

Am Dienstag könnten Konjunkturdaten dem Euro neue Impulse verleihen. Dabei stehen am späten Vormittag insbesondere die Ergebnisse der ZEW-Umfrage unter Finanzmarktexperten zu den Konjunkturerwartungen im Blick.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.