Nachrichten aus der Wirtschaft am Dienstag

Logo der Deutschen Bahn (DB) in Frankfurt am Main. Foto: epa/Armando Babani
Logo der Deutschen Bahn (DB) in Frankfurt am Main. Foto: epa/Armando Babani

Wissing: Deutsche Bahn hilft bei Getreideausfuhren aus der Ukraine

BERLIN: Zur Unterstützung von Getreideausfuhren aus der Ukraine haben nach Angaben von Bundesverkehrsminister Volker Wissing Transporte auf der Schiene mit Hilfe der Deutschen Bahn begonnen. Die Gütertochter DB Cargo sei dabei, eine «Schienenbrücke» dahingehend zu befähigen, künftig große Mengen an Agrarprodukten zu Häfen an der Nordsee und der Adria zu transportieren, sagte der FDP-Politiker am Dienstag in Berlin. Die Hilfe habe begonnen, DB Cargo fahre bereits im Auftrag privater Getreideexporteure aus der Ukraine. Bahnchef Richard Lutz sprach von zwei bis drei Zügen pro Tag aus der Ukraine heraus über Polen und entsprechende Terminals nach Westeuropa.

Hintergrund ist, dass der Export von Getreide über die Seehäfen der Ukraine wegen des russischen Krieges gegen das Land zum Erliegen gekommen ist. Dies bedroht Lieferungen vor allem nach Nordafrika und Asien, befürchtet werden Probleme bei der Lebensmittelversorgung. Wie EU-Verkehrskommissarin Adina Valean kürzlich erläuterte, müssten 20 Millionen Tonnen Getreide dringend die Ukraine verlassen. Die Kommission hatte einen Aktionsplan vorgelegt, um Exporte auch über sogenannte «Solidaritätsspuren» auf dem Landweg herauszubringen.

Wissing sprach mit Valean in Berlin und sagte Unterstützung für den Aktionsplan zu - unter anderem für geplante temporäre Abkommen mit der Ukraine und dem Nachbarland Moldau für einen erleichterten Zugang von Gütertransporteuren zum EU-Markt. An dem Treffen im Berliner Hauptbahnhof nahm auch US-Verkehrsminister Pete Buttigieg teil.

Bahnchef Lutz sagte, die Unterstützung der Kommission sei wichtig, damit die europäischen Bahnen knappe Kapazitäten vor Ort optimal ausnutzen könnten. Wenn bisher 90 Prozent des Getreides über die Seehäfen exportiert worden seien, werde man an Kapazitätsgrenzen auf der Schiene kommen. «Aber trotz allem müssen wir versuchen, so viel wie möglich aus der Ukraine herauszutransportieren.»


Uniper bezahlt russisches Gas in Euro über Konto bei Gazprombank

DÜSSELDORF: Deutschlands größter Importeur von russischem Erdgas, Uniper, geht davon aus, Ende Mai fällige Rechnungen für russisches Erdgas im Einklang mit den EU-Sanktionen begleichen zu können. Uniper erhalte die Rechnung in Euro, sagte ein Sprecher des Energiekonzerns am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Und wir bezahlen in Euro auf ein Konto der Gazprombank im Einklang mit dem neuen Zahlungsmechanismus. Auf diese Weise ist eine fristgerechte Vertragserfüllung unsererseits gewährleistet.» Zu diesem Vorgehen stehe man im engen Austausch mit der Bundesregierung.

Der Uniper-Vorstandsvorsitzende Klaus-Dieter Maubach hatte Ende April der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) gesagt, dass sich das Unternehmen grundsätzlich darauf vorbereitet, über die «Zwei-Konten-Lösung» zu bezahlen. «Das heißt, wir zahlen weiterhin in Euro und es findet, orchestriert über die Gazprombank, eine unmittelbare Konvertierung in Rubel statt. Dass die Russen dann sagen, wir hätten in Rubel bezahlt, damit müssten wir dann leben.»

Ende März hatte Kremlchef Wladimir Putin gefordert, dass mit Wirkung zum 1. April westliche Staaten Konten bei der Gazprombank in Russland eröffnen müssen, um russisches Gas zu bezahlen. Andernfalls würden die Lieferungen für die «unfreundlichen» Länder eingestellt. Nach einem von Putin unterzeichneten Dekret können die Zahlungen weiter in Euro oder Dollar auf das russische Konto eingezahlt werden. Die Gazprombank konvertiert das Geld in Rubel und überweist den Betrag in der russischen Währung an Gazprom. Bei einem Ausbleiben der Zahlungen würden die Lieferungen eingestellt, hatte Putin gedroht. Russland hatte Gas-Lieferungen nach Polen und Bulgarien gestoppt, nachdem die beiden Länder sich nicht auf das neue Zahlungssystem eingelassen hatten.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, äußerte sich in einem Dienstag veröffentlichten «FAZ»-Interview abwartend zu der Frage, wie die Gazprom-Rechnungen jetzt beglichen werden. «Wir werden sehen, ob die Zahlungen funktionieren.» Deutschland sei mit dem Modell der sogenannten K-Konten einverstanden, auch die EU halte sie für sanktionskonform. «Das Verfahren ermöglicht es, die russischen Bedingungen und die Sanktionen gleichermaßen zu erfüllen. Nach meinem Verständnis gäbe es also einen gangbaren Weg, russisches Gas zu bezahlen, solange wir uns noch nicht unabhängig davon gemacht haben.»


Entwöhnung von Russland: EU-Kommission legt Energie-Paket vor

BRÜSSEL: Die EU-Kommission legt am Mittwoch (gegen Mittag) ihre Strategie vor, wie die Europäische Union unabhängig von fossilen Brennstoffen aus Russland werden kann. Dafür will die Behörde einem Entwurf zufolge ehrgeizigere Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien sowie beim Energiesparen setzen.

Insgesamt geht es demnach um Investitionen von 195 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren, zusätzlich zu den Initiativen, die unter dem Klimapaket «Fit for 55» vorgesehen sind.

Laut dem Entwurf sollen 45 Prozent der Energie in der EU bis 2030 aus erneuerbaren Quellen kommen, statt wie bisher geplant 40 Prozent. Gleichzeitig dürfte vorgeschlagen werden, den Energieverbrauch bis Ende des Jahrzehnts um mindestens 13 Prozent zu senken, statt wie bisher vorgesehen um 9 Prozent.

Unter anderem soll sich die Anzahl der Solarstromanlagen den Entwürfen zufolge bis 2028 mehr als verdoppeln, auf eine Leistung von 300 Gigawatt. Die Kommission will etwa, dass alle industriellen Gebäude mit Solarzellen bestückt werden, Neubauten sollen folgen. Zudem wird sie voraussichtlich eine Gesetzesinitiative für kürzere Genehmigungsverfahren von bis zu einem Jahr für bestimmte Anlagen vorstellen.


US-Regierung: US-Ausfuhren nach Russland erheblich zurückgegangen

WASHINGTON: Exporte aus den USA nach Russland sind nach Angaben der US-Regierung seit Beginn des Krieges in der Ukraine um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. Entscheidend sei der Rückgang bei US-Ausfuhren, die neuen Ausfuhrlizenzen unterlägen, sagte US-Handelsministerin Gina Raimondo am Dienstag. «Wir haben also im Wesentlichen aufgehört, Hochtechnologie nach Russland zu liefern, die das Land für sein Militär braucht», sagte Raimondo.

Die Ministerin betonte außerdem, dass die US-Regierung keine «systematischen Bemühungen» Chinas sehe, die Exportkontrollen zu umgehen. Selbst Chinas Exporte nach Russland im Technologiebereich seien zurückgegangen - das gelte etwa für die Lieferung von Laptops oder Smartphones. US-Präsident Joe Biden hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping vor einer Unterstützung Russlands beim Krieg gegen die Ukraine gewarnt.

Die USA haben seit Beginn des Kriegs in der Ukraine in Abstimmung mit anderen westlichen Partnern harte Sanktionen gegen Russland verhängt. Zu den Strafmaßnahmen gehören strikte Exportkontrollen unter anderem für Hightech-Produkte wie Halbleiter, Software und für Teile der Luftfahrtindustrie.


Serie von mysteriösen Bombendrohungen in Belgrad

BELGRAD: Eine Serie von anonymen Bombendrohungen sorgt für Beunruhigung in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Am Dienstag wurden fünf Einkaufszentren in verschiedenen Teilen der Stadt bedroht, teilte die Polizei mit. Auch eine große Sportanlage und ein Studentenheim waren betroffen. Die Polizei veranlasste die Evakuierung der Gebäude und Anlagen. Die Bombendrohungen erfolgten über anonyme Mails, deren Herkunft nicht nachverfolgbar war.

Bereits am Montag hatten anonyme Bombendrohungen dazu geführt, dass 173 Schulen in ganz Belgrad evakuiert werden mussten. Bei anschließenden Durchsuchungen wurden jedoch keine Sprengkörper gefunden. Experten rätseln über die Urheber der Drohungen.

Seit März dieses Jahres gab es außerdem immer wieder Bombendrohungen gegen Flugzeuge der serbischen Fluggesellschaft Air Serbia, die sich auf dem Weg nach Russland befanden. Einmal musste auch der Flughafen Belgrad geräumt werden. In den Wochen danach wurden Einkaufszentren, Schulen und der Belgrader Zoo bedroht. In keinem Fall wurden Sprengkörper gefunden.

Bei den Drohungen am Montag und Dienstag handelte es sich jedoch um die bisher massivste Welle. Ähnliche Drohungen wurden in letzter Zeit auch aus anderen Ländern der Region gemeldet - so etwa aus Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Ob Zusammenhänge zwischen den Vorfällen in den einzelnen Ländern bestehen, ist unklar.


Scholz und Habeck reisen zu Windenergie-Gipfel nach Dänemark

ESBJERG: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wollen am Mittwoch in Dänemark an einem Gipfel zum Ausbau der Windenergie in der Nordsee teilnehmen. Auf Einladung der dänischen Regierung treffen sich die Regierungschefs von Dänemark, Deutschland, Belgien und den Niederlanden in der Hafenstadt Esbjerg, wo sie gemeinsame Vorhaben für den Ausbau der Offshore-Windenergie und der dazugehörigen Infrastruktur festlegen wollen. Auch EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen wird an der dänischen Küste erwartet. Im Hafen von Esbjerg ist unter anderem eine gemeinsame Pressekonferenz geplant.

Bei dem Treffen soll ein Fokus auf die zentrale Rolle gelegt werden, die der Offshore-Wind bei den Plänen der EU spielen soll, sich frei von fossilen Brennstoffen zu machen. Europa müsse so schnell wie möglich unabhängig von russischem Gas werden, betonte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen im Rahmen ihrer Einladung. Dänemark wolle dabei vorangehen und den Weg dafür bahnen, dass die Nordsee zu «einem grünen Kraftwerk für ganz Europa» werde.


Allianz schließt nach AGI-Fonds-Debakel Milliardenvergleich in USA

WASHINGTON: Die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) hat nach Klagen von Investoren wegen hoher Verluste einen milliardenschweren Vergleich mit US-Behörden akzeptiert. Das Justizministerium machte am Dienstag eine Anklage wegen Betrugs gegen das Unternehmen und drei führende Investmentmanager öffentlich.

Zugleich gab die US-Börsenaufsicht SEC bekannt, den zum Münchner Versicherunger Allianz gehörenden Vermögensvewalter und die drei beschuldigten Manager wegen eines «massiven Betrugskomplotts» zur Verantwortung zu ziehen. Das Unternehmen habe ein Schuldgeständnis wegen Verstößen gegen US-Wertpapiergesetze abgegeben.

Große US-Investoren hatten AGI 2020 verklagt, weil der Vermögensverwalter während des Börsenbebens zu Beginn der Corona-Pandemie bei bestimmten Fonds von der vereinbarten Strategie abgewichen sei, was zu milliardenschweren Verlusten geführt habe. Das Unternehmen hatte die Anschuldigungen zunächst zurückgewiesen. Doch die US-Behörden stuften das Fonds-Debakel als Kriminalfall ein.

Insgesamt zahlt die Allianz bei den nun vereinbarten US-Vergleichen mehr als fünf Milliarden Dollar. Die Summe ist dem Unternehmen zufolge jedoch komplett durch Rückstellungen gedeckt. Die Allianz betonte in einer Pressemitteilung, dass das kriminelle Fehlverhalten auf einige wenige Personen beschränkt gewesen sei. Dies sei auch vom US-Justizministerium so eingeschätzt worden.


Eurokurs gestiegen - EZB-Referenzkurs: 1,0541

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Dienstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0541 (Montag: 1,0422) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9487 (0,9595) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84400 (0,85045) britische Pfund, 136,32 (135,01) japanische Yen und 1,0457 (1,0479) Schweizer Franken fest.


Dax steigt bis auf 14.200 Punkte

FRANKFURT/MAIN: Der Dax hat am Dienstag mit viel Schwung die 14.000-Punkte-Marke klar hinter sich gelassen. Nach einem Anstieg bis auf rund 14.200 Punkte behauptete der deutsche Leitindex zuletzt ein Plus von 1,51 Prozent auf 14.175,01 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 1,71 Prozent auf 29.427,89 Punkte nach oben. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 1,46 Prozent auf 3739,05 Zähler. Vor allem positive Vorgaben der Übersee-Börsen gaben Rückenwind. Der Euro legte deutlich zu und kostete zuletzt 1,0544 US-Dollar. Die Umlaufrendite stieg von 0,83 Prozent am Vortag auf 0,84 Prozent.


Rekordquartal für Dax-Konzerne - Bestmarken bei Umsatz und Gewinn

FRANKFURT/MAIN: Deutschlands Börsenschwergewichte haben zu Jahresbeginn Lieferengpässen und ersten wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges getrotzt. Die Dax-Konzerne erzielten in der Summe Bestmarken bei Umsatz und Gewinn in einem ersten Quartal, wie aus einer Auswertung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervorgeht. Demnach stieg der Umsatz der Dax-Konzerne ohne Banken gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf den Rekordwert von 444,7 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) verbesserte sich um 21 Prozent auf insgesamt 52,4 Milliarden Euro.


Studie: Corona-Pandemie treibt Abschied von Brief und Fax voran

BERLIN: Die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft hat sich im zweiten Jahr der Corona-Pandemie weiter beschleunigt. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter Firmen ab 20 Beschäftigten, die am Dienstag vorgestellt wurde. Aus den Ergebnissen lässt sich ablesen, dass in den Unternehmen die Kommunikation immer seltener per Brief und Fax stattfindet. Erstmals nutzt weniger als die Hälfte der Unternehmen (48 Prozent) häufig oder sehr häufig die Briefpost. Im ersten Corona-Jahr 2020 lag dieser Wert noch bei 56 Prozent, 2018 sogar bei 71 Prozent. Auch das Fax wird zum Auslaufmodell: Nur noch 40 Prozent faxen häufig Dokumente.


Autohersteller fordern verbindliche Ziele für Ladeinfrastruktur

BRÜSSEL: Große Autohersteller und Unternehmen anderer Branchen haben die EU in einem offenen Brief aufgefordert, nationale Ziele für die Ladeinfrastruktur für Elektroautos festzulegen. Ein Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, dass ab 2035 EU-weit nur noch emissionsfreie Neuwagen zugelassen werden dürfen. «Die politischen Entscheidungsträger der EU müssen auch verbindliche nationale Ziele für eine nahtlose elektrische Ladeinfrastruktur festlegen, die der wachsenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen gerecht wird», sagte Stuart Rowley, Chef von Ford Europa.


Behörde: Bei Gasnotlage werden geschützte Kunden vorrangig versorgt

BONN: Haushalte dürfen nach Angaben der Bundesnetzagentur auch im Fall eines russischen Gaslieferstopps darauf vertrauen, weiter mit Gas versorgt zu werden. Dies geht aus dem Plan der Behörde für die sogenannte Abschaltreihenfolge bei einer Gasnotlage hervor, der der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» vorliegt. Zu den sogenannten geschützten Kunden würden neben Feuerwehr, Krankenhäusern, der Polizei, Schulen, Kitas, Gefängnissen oder der Bundeswehr auch alle Privathaushalte gehören, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, der Zeitung. Ebenfalls geschützt seien alle Gewerbebetriebe mit bis zu 1,5 Millionen Kilowattstunden Gasverbrauch im Jahr, darunter Bäckereien oder Supermärkte.


Habeck will Austauschprogramm für Öl- und Gasheizungen

ETTERSBURG: Private Haushalte sollen nach dem Willen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck künftig einen finanziellen Anreiz bekommen, wenn sie ihre Öl- oder Gasheizung auf erneuerbare Energien umstellen. Das könnte beispielsweise für den Umstieg auf Wärmepumpen gelten, sagte Habeck am Dienstag nach einem Treffen mit der Thüringer Landesregierung in Ettersburg bei Weimar. Wie hoch die Förderung bei dem Austauschprogramm ausfalle und wann es starte, werde nach geklärt. «Wir sind an den Details dran», sagte Habeck.


Verfassungsklagen gegen Bettensteuern bleiben erfolglos

KARLSRUHE: Städte und Gemeinden dürfen von Übernachtungsgästen eine sogenannte Bettensteuer verlangen. Die örtlichen Abgaben seien mit dem Grundgesetz vereinbar, teilte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe am Dienstag mit. Die Richter des Ersten Senats wiesen Verfassungsbeschwerden von Hoteliers aus Hamburg, Bremen und Freiburg zurück. Die Bettensteuern werden auch in Dutzenden anderen Kommunen erhoben. Offiziell heißen sie zum Beispiel Tourismusförderabgabe, Citytax, Beherbergungs- oder Übernachtungssteuer. Meist wird pro Person und Nacht ein bestimmter Anteil des Übernachtungspreises fällig, in der Regel um die fünf Prozent.


US-Finanzministerin Yellen fordert Tempo bei globaler Mindeststeuer

BRÜSSEL: US-Finanzministerin Janet Yellen hat Fortschritte bei der angestrebten internationalen Mindeststeuer für große Unternehmen angemahnt. «Die EU und die USA müssen Führung zeigen, indem sie die globale Mindeststeuer zügig in ihren nationalen Gesetzgebungen umsetzen», sagte Yellen am Dienstag bei einem Besuch in Brüssel mit Blick auf die festgefahrenen Verhandlungen. «Dieses Abkommen wird einen jahrzehntelangen Wettlauf nach unten bei der Unternehmensbesteuerung rund um die Welt beenden.» In der EU blockierte zuletzt vor allem Polen die Verhandlungen zur Umsetzung der Mindeststeuer.

Die EU und die USA hatten sich im vergangenen Jahr zusammen mit rund 130 anderen Ländern auf die ehrgeizige internationale Steuerreform geeinigt. Ziel ist es, die Verlagerung von Unternehmensgewinnen in Steueroasen zu verhindern. Internationale Firmen mit mindestens 750 Millionen Euro Umsatz pro Jahr sollen künftig unabhängig von ihrem Sitz mindestens 15 Prozent Steuern zahlen.

Ein weiterer Teil der globalen Steuerreform soll sicherstellen, dass internationale Digitalkonzerne wie Facebook nicht nur im Heimatland besteuert werden, sondern auch dort, wo sie tatsächlich Geschäfte betreiben. Polen fordert, beide Teile der Reform gleichzeitig umzusetzen - obwohl es beim zweiten Teil noch internationalen Klärungsbedarf gibt. Yellen sagte, man müsse die offenen Punkte lösen, damit ein entsprechender Vertrag unterschrieben werden könne.

Die US-Finanzministerin forderte zudem zusätzliche Hilfe für die Ukraine im Krieg gegen Russland. «Es ist klar, dass die bisher angekündigte bilaterale und multilaterale Unterstützung nicht ausreichen wird, um die Bedürfnisse der Ukraine zu decken, auch nicht kurzfristig», sagte die US-Politikerin. «Letztendlich wird die Ukraine massive Unterstützung und private Investitionen für den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Erholung brauchen, ähnlich wie beim Wiederaufbau Europas nach 1945», sagte Yellen. Die EU hat der Ukraine bereits mehrere Milliarden Euro an humanitärer und militärischer Hilfe zugesagt.


Walmart verdient weniger - hohe Kosten belasten

BENTONVILLE: Der größte US-Einzelhändler Walmart ächzt angesichts von Inflationsdruck und Lieferkettenproblemen unter hohen Kosten. Nach einem deutlichen Gewinnrückgang im Auftaktquartal kürzte der Shopping-Riese am Dienstag seine Jahresziele. In den drei Monaten bis Ende April verdiente Walmart unterm Strich 2,1 Milliarden Dollar (2,0 Mrd Euro) und damit knapp ein Viertel weniger als vor einem Jahr. Das hohe US-Inflationsniveau belaste das Geschäft, erklärte Konzernchef Doug McMillon. Steigende Ausgaben, etwa für Kraftstoff und Löhne, trieben die Betriebskosten stärker als erwartet nach oben.

Bei Anlegern kam der Geschäftsbericht nicht gut an: Die Aktie reagierte vorbörslich zunächst mit einem Kursverlust von mehr als sieben Prozent. Dabei steigerte Walmart den Umsatz im vergangenen Quartal um gut zwei Prozent auf 141,6 Milliarden Dollar und übertraf die Erwartungen damit leicht. Doch beim Gewinn und Geschäftausblick hatten Analysten mehr erwartet. Während der Pandemie brummte der US-Konsum auch dank hoher Staatshilfen, doch nun droht sich das Blatt angesichts der hohen Inflation und einer schwächeren Konjunktur zu wenden. Auch Walmarts großer Rivale Amazon schwächelte zuletzt.


G7-Finanzminister sprechen über Milliarden-Hilfen für Ukraine

BERLIN/KÖNIGSWINTER: Die führenden westlichen Industrienationen (G7) beraten über milliardenschwere Zuschüsse für die Ukraine. Beim Treffen der G7-Finanzminister in dieser Woche auf dem Petersberg bei Bonn wollen sie Budgethilfen für das vom russischen Krieg gebeutelte Land auf den Weg bringen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Umfeld des Finanzministeriums erfuhr.

Demnach hat die Ukraine für drei Monate um Hilfen in einer Größenordnung von rund fünf Milliarden Euro pro Monat gebeten. Insgesamt geht es also zunächst um rund 15 Milliarden Euro. Nach Ablauf der drei Monate könnte allerdings weitere Unterstützung nötig sein.

Die USA hätten bereits angekündigt, kurzfristig 7,5 Milliarden Dollar zu mobilisieren, hieß es im Finanzministerium. Jetzt bemühten sich auch andere G7-Staaten, Zusagen zu machen. Welche Summe insgesamt erreicht werden könne, sei aber noch offen und ein «Kraftakt».

Die Ukraine braucht das Geld, um etwa Renten und Staatsbedienstete zu bezahlen. Umstritten ist auch, ob die gesamte Summe als Zuschuss oder ein Teil als Darlehen gewährt wird, die Ukraine also etwas zurückzahlen muss. Zu den G7 zählen neben Deutschland die USA, Großbritannien, Japan, Frankreich, Italien und Kanada.


Wirtschaft im Euroraum wächst etwas stärker als erwartet

LUXEMBURG: Die Wirtschaft der Eurozone ist im Winter etwas stärker gewachsen als erwartet. Im ersten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg laut einer zweiten Schätzung mitteilte. In einer ersten Schätzung war nur ein Wachstum von 0,2 Prozent ermittelt worden. Volkswirte hatten im Schnitt mit einer Bestätigung gerechnet. Im Schlussquartal 2021 hatte das Wachstum ebenfalls bei 0,3 Prozent gelegen.

Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum wuchs die Wirtschaft der 19 Eurostaaten um 5,1 Prozent. Hier war zunächst ein Wachstum von 5,0 Prozent festgestellt worden.

Die wirtschaftliche Erholung verläuft jedoch weiter nur verhalten. Der Ukraine-Krieg dämpft die wirtschaftliche Entwicklung. Er führt zu steigenden Energie- und Rohstoffpreisen und zu Störungen der Lieferketten. Zudem bewirkt auch die harte Corona-Politik in China eine Verschärfung der Lieferkettenprobleme und belastet die Weltwirtschaft. Der Dienstleistungssektor der Eurozone profitiert hingegen von der Lockerung der Corona-Maßnahmen.


Johnson: Probleme in Nordirland Folge von Brexit-Vertrag

BELFAST: Der britische Premierminister Boris Johnson hat eingeräumt, dass die von ihm unterzeichnete Brexit-Vereinbarung mit der EU Schuld an den politischen Problemen in Nordirland ist. Dabei handele es sich um eine direkte Folge des sogenannten Nordirland-Protokolls, sagte der konservative Regierungschef am Montagabend in der BBC. Zugleich machte Johnson die EU für eine mangelnde Umsetzung verantwortlich. Er habe das Protokoll «in guter Absicht» unterzeichnet und nicht damit gerechnet, dass die EU es so «drakonisch» interpretiere.

Dem Sender Channel 4 sagte Johnson: «Ich habe gehofft und geglaubt, dass unsere Freunde das Protokoll nicht unbedingt in der Weise anwenden wollten wie sie es dann getan haben.» Das Protokoll soll Kontrollen an der Grenze des britischen Landesteils Nordirland zum EU-Mitglied Republik Irland vermeiden. Damit soll verhindert werden, dass der gewaltsame Konflikt zwischen Befürwortern und Gegnern der irischen Einheit wieder aufflammt. Stattdessen entstand nun aber eine Zollgrenze zwischen Nordirland und Großbritannien.

Die britische Außenministerin Liz Truss wollte am Dienstagnachmittag das Parlament über mögliche weitere Schritte informieren. Dabei könnte sie auch eine Gesetzgebung vorstellen, mit der London die Vereinbarung einseitig aufkündigen könnte. Für diesen Fall droht die EU damit, den gesamten Brexit-Handelsvertrag aufzulösen.


Finanzdienstleister Home Credit zieht sich aus Russland zurück

PRAG: Der zur tschechischen PPF-Gruppe gehörende Finanzdienstleister Home Credit verlässt den russischen Markt. Mit einer Gruppe privater Investoren um einen früheren Moskauer Börsenchef sei ein Vertrag über den Verkauf der Niederlassung HCFB und ihrer Tochtergesellschaften unterzeichnet worden, teilte die PPF-Gruppe am Dienstag in Prag mit. Die Niederlassung in Kasachstan werde davon getrennt an eigene Manager und Aktionäre verkauft. Ziel beider Transaktionen sei es, die Kontinuität für Mitarbeiter und Kunden in beiden Ländern zu wahren. Zum Verkaufspreis wurden keine Angaben gemacht.

Die Home-Credit-Gruppe wurde von dem tschechischen Unternehmer Petr Kellner gegründet. Seit seinem Tod bei einem Hubschrauberabsturz in Alaska im März 2021 führt seine Witwe Renata Kellnerova die Geschäfte weiter. Sie gilt als reichste Tschechin. Home Credit hat sich auf Verbraucherkredite spezialisiert. Seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar ziehen sich immer mehr westliche Firmen aus Russland zurück.


Ceconomy: Komplettübernahme von Media-Saturn Anfang Juni

DÜSSELDORF: Der Elektronikhändler Ceconomy bringt die Komplettübernahme der Tochter Media-Saturn-Holding (MSH) früher als gedacht unter Dach und Fach. Der Vollzug der Convergenta-Transaktion, mit der die Gesellschafterstruktur vereinfacht werden soll, werde für Anfang Juni erwartet, teilte das Unternehmen am Dienstag in Düsseldorf mit. Mit dem Vollzug wird Ceconomy alleiniger Gesellschafter der größten deutschen Elektronikmarktkette MediaMarktSaturn. Im Gegenzug wird der bisherige MediaMarktSaturn-Minderheitsaktionär Convergenta ein Ankeraktionär von Ceconomy. Hierfür soll voraussichtlich Ende Mai die Umwandlung der Vorzugsaktien in Stammaktien wirksam werden.

«Das ist ein wichtiger Schritt für unser Unternehmen, und wir freuen uns, dass es jetzt schnell geht», sagte Ceconomy-Chef Karsten Wildberger der Mitteilung zufolge. Nach langen Reibereien hatte die Hauptversammlung im April den Weg für die Transaktion freigemacht, Ceconomy hatte den Vollzug daraufhin «bis spätestens Ende September» anvisiert. Durch die künftige Gesellschafterstruktur kann der Konzern nach eigenen Angaben unter anderem Verwaltungskosten reduzieren und steuerliche Verlustvorträge nutzen. Somit wirke sich die Transaktion bereits ab diesem Jahr positiv auf das Nettoergebnis aus, hieß es weiter. Für die Folgejahre prognostiziert der Konzern einen weiteren Anstieg der Steuersynergien.


Bank-of-England-Chef warnt vor «apokalyptischen» Lebensmittelpreisen

LONDON: Angesichts des russischen Kriegs gegen das wichtige Agrarland Ukraine hat der britische Zentralbankchef Andrew Bailey vor «apokalyptischen» Preissteigerungen bei Lebensmitteln gewarnt. Die Ukraine habe zwar ausreichend Vorräte, aber könne die Waren nicht exportieren, sagte Bailey einem Parlamentsausschuss in London. «Es ist eine große Sorge für dieses Land und eine große Sorge für die Entwicklungsländer», sagte der Chef der Bank of England britischen Medien vom Dienstag zufolge. «Tut mir leid, dass ich apokalyptisch bin, aber das ist ein großes Problem.»


Ölpreise geben leicht nach

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Dienstag im frühen Handel leicht nachgegeben. Starke Impulse gab es zunächst nicht. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 113,83 US-Dollar. Das waren 41 Cent weniger als Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 53 Cent auf 113,67 Dollar.

Für etwas Hoffnung sorgte am Ölmarkt die Aussicht auf weniger Corona-Beschränkungen in China. In der Wirtschaftsmetropole Shanghai wurden den dritten Tag in Folge keine Neuinfektionen gemeldet, was als Bedingung für eine Milderung der scharfen Virus-Maßnahmen gilt. Seit Wochen geht die politische Führung mit strengen Ausgangssperren gegen die Verbreitung des Virus vor, was für die Wirtschaft eine schwere Belastung darstellt. China ist einer der größten Ölverbraucher der Welt.

Nach wie vor befinden sich die Ölpreise auf sehr hohem Niveau. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat an den Rohstoffmärkten zu hoher Verunsicherung und einem deutlich geringeren Angebot an Rohöl geführt. Hintergrund sind zahlreiche Sanktionen vornehmlich westlicher Länder gegen Russland, das eines der größten Ölförderländer der Welt ist.


Euro deutlich über 1,04 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Dienstag im frühen Handel deutlich über der Marke von 1,04 US-Dollar notiert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,0445 Dollar und damit etwas mehr als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,0422 Dollar festgesetzt.

Der Euro hat sich seit Wochenbeginn etwas von seinen herben Verlusten in den vergangenen Wochen erholt. Vor wenigen Tagen hatte die Gemeinschaftswährung zum US-Dollar einen fünfjährigen Tiefstand erreicht, der etwa einen Cent unter dem aktuellen Niveau liegt. Der Dollar profitiert seit längerem von der Aussicht auf deutlich steigende Leitzinsen.

Am Dienstag dürften Anleger vor allem Umsatzzahlen aus dem US-Einzelhandel unter die Lupe nehmen. Die Zahlen gelten als Richtschnur für die Stärke des privaten Verbrauchs, der für die US-Wirtschaft eine wichtige Rolle spielt. Daneben äußern sich einige hochrangige Vertreter aus den großen Notenbanken.


Britische Fish-and-Chips-Branche ächzt unter Ukraine-Krise

LEEDS: Nationalgericht in Gefahr? Die britischen Fish-and-Chips-Shops leiden nach Angaben eines Branchenverbands unter massiven Schwierigkeiten wegen des Kriegs in der Ukraine. Wie die National Federation of Fish Friers (NFFF) der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mitteilte, könnten viele der Imbisse bald vor dem Aus stehen.

Hintergrund ist, dass die Verfügbarkeit der vier Zutaten für das britische Nationalgericht durch den russischen Angriff und dessen Folgen gelitten hat. So bezogen die Fish-and-Chips-Shops bisher die Hälfte ihres Sonnenblumenöls aus Russland oder der Ukraine. Auch Mehl für die Panade wurde bislang zu einem großen Teil aus der Ukraine eingeführt. Die Preise für beides zogen seit Kriegsbeginn kräftig an.

Nun fürchten die Imbissbesitzer, dass sie auch durch die Sanktionen gegen Russland weitere Einbußen hinnehmen müssen. Etwa 40 Prozent der Fische, die auf britischen Tellern oder in Pappschachteln landen, werden von russischen Trawlern gefangen. Strafzölle, die demnächst in Kraft treten sollen, werden auch hier bald die Preise in die Höhe schießen lassen. Und durch eine massive Verteuerung russischer Düngemittel dürfte auch der Preis für Kartoffeln nach oben gehen, fürchten die Imbissbetreiber.

Das alles komme zu dem massiven Anstieg der Energiepreise hinzu, sagte Verbandschef Andrew Crook im dpa-Gespräch. Er fordert daher von der Regierung, den Mehrwertsteuersatz für die Gastronomie wie während der Pandemie wieder zu senken. Derzeit werden für zubereitete Speisen in Großbritannien wieder 20 Prozent Mehrwertsteuer fällig. «Ohne Veränderungen werden viele gute Arbeitgeber ums Überleben kämpfen müssen», so Crook, der selbst einen Fish-and-Chips-Shop betreibt. Derzeit mache er keinerlei Gewinn, sagte der Unternehmer.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.