Nachlese

Ende April, endlich ist die Zeit der nicht enden wollenden Feiertage vorbei, das normale Leben kann wieder Einzug halten, aber was ist schon normal in einer Stadt wie Pattaya, die sich wacker bemüht, ihren "Ruf" weiter zu festigen.

Tut mir leid, aber es hat sich wiederum weitgehend erwiesen, die definitiv beste Zeit, um nicht in Pattaya zu sein, ist das echte Thai-Neujahrsfest, Songkran. Es kann ja ganz amüsant sein, wenn man diese Art von Unterhaltung wertschätzen kann, aber es ist auch eine unwiderlegbare Tatsache, dass der Großteil der Expats, der langfristig hier wohnhaften Ausländer, sich an Songkran an einen sichereren Ort begibt, sei es als Urlaub in einem ruhigen Resort oder als Besuch bei der Familie der Partnerin/des Partners, irgendwo in den Provinzen, wo das Neujahrsfest entsprechend traditioneller und weniger als Kampfsport ausgetragen wird.

Ursprünglich wurde das Datum für das Songkran-Fest, wie auch für das Loy Krathong-Fest, astrologisch festgelegt. Heute ist das Datum jedoch amtlich fixiert auf die Tage vom 13. April bis zum 15. April.

Sonderzone Pattaya

Immer mehr zeigt sich, dass Pattaya jedoch eine Sonderzone ist, wie man auch beim Rauchverbot oder den Öffnungszeiten von Unterhaltungsbetrieben oder dergleichen feststellen kann, und deshalb wird das Neujahr hier für beinahe 2 Wochen gefeiert, und man scheut sich nicht, sämtliche westlichen Feste auch vorbehaltlos als Party zu übernehmen.

April markiert gleichzeitig die temperaturmäßig heißeste Periode des Jahres sowie das Ende der trockenen Jahreszeit. Landesweit wird dieses Jahr sehr gehofft, dass die nächsten Wochen Regen bringen werden, da in verschiedenen Landesteilen schon beängstigende Anzeichen von Dürreschäden sichtbar sind.

Das hat die Einheimischen und vor allem auch speziell zum Neujahrsfest angereiste Touristen nicht davon abgehalten, mit dem Wasser wenig haushälterisch umzugehen.Da kommt mir ein weiteres klassisches Thai-Idiom, Redewendung, in den Sinn, nämlich กินน้ำไม่เพื่อแล้ง,, "gin nam mai phuea laeng" = "trinke das Wasser heute, denke nicht an die Trockenperiode", was wiederum auf die Thai-Gesellschaft übertragen, eine für uns Westler gut nachvollziehbare Bedeutung hat, schon fast eine Form von Selbstironie, eine Einstellung, die es jedoch des Gesichtsverlusts wegen in Thailand nicht gibt. Aber es gibt ja hier ohnehin nicht so viele Gründe, sich über das Morgen Sorgen zu machen, wie das bei uns im oft kalten Westen Gewohnheit ist. Schließlich wird es morgen wieder warm sein, die Sonne wird scheinen, und alle haben zu essen.

Traditionell war das Songkran-Fest Anlass, Eltern und erweiterte Familie zu besuchen, und um im lokalen Wat, dem Tempel, die Buddha-Statuen zu reinigen, damit man schon  mal Pluspunkte gesammelt hat für das kommende Jahr. Das gelobte Wasser der Buddha-Reinigung wurde sodann, wohlgemerkt als Ehrerweisung, auf die Schultern einer bestimmten Person geträufelt. Mittlerweile hat sich das Ganze allerdings zu einem Wasserkrieg entwickelt.

Den bei uns im Westen üblichen Aprilscherz haben Sie hier wohl vermisst. Kürzlich haben wir in einer Werbe-Revue mit Erstaunen lesen können, "nicht nur sind die Thais sehr gastfreundlich und warmherzig, sondern sie sind auch bekannt für ihren unglaublichen Sinn für Humor und ihre unbekümmerte Lebenseinstellung" (unquote). Letzteres können wir mit gutem Gewissen bejahen, aber sonst hat da wohl jemand "Humor" und "Komik" miteinander verwechselt. Siehe all die TV-Sendungen mit überzogener Situationskomik.

Strandspaziergang

Seien Sie bitte vorsichtig, wenn Sie noch jenseits von Mitternacht an der Beach Road, auf der Strandseite, joggen gehen oder zwecks Völkerverständigung tiefschürfende Gespräche führen mit einheimischen Personen, die auf kulturelle Erleuchtungen warten. Es haben in den vergangenen Wochen wieder einige gravierende Über- und Angriffe stattgefunden. Da sich hauptsächlich Touristen aus dem indischen Subkontinent ihre Partner zum Plaudern am Strand suchen, vorzugsweise Personen des dritten Geschlechts, werden die Inder zu den leichten Opfern, und es haben laut Polizeiberichten zum Teil unprogrammierte Handwechsel von erheblichen Summen stattgefunden. In den meisten Fällen wurden die Opfer im Hotelzimmer betäubt, in einem kürzlichen Fall war das Betäubungsmittel auf ein Stück Schokolade geladen. Aber auch die thailändischen "Streckenabschnitt-Kontrolleure" am Strand können gehörig Schaden anrichten, wie ein Amerikaner berichten kann, der mit einer Metallstange direkt gegenüber der Polizeistation an der Soi 9 von einem Muay Thai-Boxer spitalreif geschlagen wurde.

Euro und Pfund

Beides unsäglich traurige Geschichten, für Touristen, Expats und die Geschäfte hier. Gegenüber dem Idealwert von 50 Baht per Euro hat die gemeinsame Währung nun 16% verloren, das Pfund ist so tief gefallen, dass man sich gar nicht mehr mit der Wahrheit vertraut machen will. Für viele hier Ansässige muss das ernsthafte Konsequenzen haben, und wir glauben auch, dass der Siegeszug des "Draught Beer", des Biers im Offenausschank, eng mit dem Verfall der europäischen Währungen verbunden ist. Schließlich gibt es an der Walking Street und anderswo das Glas Bier von 50 bis 80 Baht, wesentlich günstiger als Flaschenbiere oder Drinks.

Wenn dann das Geld der Rente oder sonstige Einkommen bis Ende Monat nicht mehr reicht, der Gürtel enger geschnallt werden muss, so heisst das:

ชักหน้าไม่ถึงหลัง = Chak hna mai thueng hlang, "du kannst das Gesicht verziehen wie du willst, es reicht nicht bis nach hinten" oder eben, wie du es auch machst, das Geld reicht nicht bis Ende des Monat. Wir werden uns aber auf eine verlängerte Periode des schwachen Euro einrichten müssen. Die Staatsschulden sind immer noch im Aufbau begriffen. Die Wende wird erst eintreten, wenn unerwarteterweise eine stramme Verbesserung der Euro-Wirtschaft stattfinden würde, oder wenn der Fokus des Marktes sich auf die fiskalischen Probleme der USA einschießt. Aber das wiederum wird zusammenfallen mit der (kommenden) Krise der Staatsanleihen, die niemand mehr zeichnen will.

Phop gan mhai. Bis bald.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.

Leserkommentare

Für unabhängige Themen senden Sie einen Leserbrief an die Redaktion. Allgem. Kommentardiskussion

Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.