Oppositionschef Guaidó wieder in Venezuela

Foto: epa/Miguel Gutierrez
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CARACAS (dpa) - In Europa und den USA haben sie ihm den Rücken gestärkt, jetzt beginnt zu Hause die Kärrnerarbeit. Um Maduro aus dem Amt zu jagen, muss Guaidó die Reihen der Regierungsgegner geschlossen halten. Bei seiner Rückkehr schwört er seine Anhänger auf Einigkeit ein.

Nach einer rund dreiwöchigen Reise zu seinen Verbündeten im Ausland ist der Oppositionsführer und selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó nach Venezuela zurückgekehrt. Abgeordnete der Opposition nahmen ihn am Dienstag am Flughafen Maiquetía nahe der Hauptstadt Caracas in Empfang. Zuvor kam es in dem Airport zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Guaidó und Unterstützern der sozialistischen Regierung von Staatschef Nicolás Maduro.

«An alle politischen Kräfte, alle Sektoren des zivilen Lebens, die Familie des Militärs: Die Diktatur hat noch nie so alleine dagestanden», schrieb Guaidó nach seiner Rückkehr auf Twitter. «Mehr als je zuvor brauchen wir nun Einigkeit, Vertrauen und politische Disziplin. Wir sind wieder da.» Zuletzt war es Präsident Maduro gelungen, die Opposition zu spalten und einige Abgeordnete für sich einzuspannen.

Guaidó hatte seine Heimat im Januar trotz eines Ausreiseverbotes verlassen, um im Ausland um weitere Unterstützung im Machtkampf mit Staatschef Maduro zu werben. Nach einem Besuch im Nachbarland Kolumbien traf er in Europa unter anderem den britischen Premierminister Boris Johnson, den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

In der vergangenen Woche empfing US-Präsident Donald Trump ihn im Weißen Haus und sagte ihm weitere Hilfe zu. «Überall habe ich mich für euch, euren Kampf und die Venezolaner, die sich niemals beugen, eingesetzt», sagte Guaidó vor seinen Anhängern in der Oppositionshochburg Chacao.

Seine Anhänger hatten zunächst befürchtet, dass der selbst ernannte Interimspräsident wegen des Verstoßes gegen das Reiseverbot und laufende Ermittlungsverfahren bei seiner Rückkehr verhaftet werden könnte. Allerdings ließen ihn die Behörden problemlos einreisen. «Unser Präsident hat Venezuela betreten, wo Präsidenten das Land betreten: am internationalen Flughafen von Maiquetía», schrieb seine Ehefrau Fabiana Rosales auf Twitter.

Parlamentschef Guaidó hatte sich vor gut einem Jahr zum Interimspräsidenten erklärt und Maduro damit offen herausgefordert. Rund 60 Länder haben ihn mittlerweile als legitimen Übergangsstaatschef anerkannt, allerdings kann er sich in Venezuela bislang nicht durchsetzen. Maduro hingegen ist zwar international weitgehend isoliert, hält sich aber mit Hilfe des Militärs weiter an der Macht. Die humanitäre Lage in dem einst reichen Land mit den weltgrößten Erdölreserven ist katastrophal. 4,5 Millionen der gut 30 Millionen Venezolaner haben das Land bereits verlassen.

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Ingo Kerp 12.02.20 15:10
Um Guaidó nicht zum Märtyrer zu machen, hat Maduro ihn wieder ins Land gelassen. Dort ist die polit. Ausrichtung immer noch so, wie beim Verlassen Venezuelas von Guaidó, zu seiner Reise zu den moralischen Unterstützern.