Bundesregierung will EU-Aufsicht stärken

Boeing nach Flugzeugabstürzen von Aktionären in USA verklagt

Foto: epa/Andy Rain
Foto: epa/Andy Rain

BERLIN / CHICAGO (dpa) - Nach dem Absturz von zwei Boeing 737 Max will die Bundesregierung die europäische Luftfahrtaufsicht EASA stärken. Dies geht aus einer Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage der Linke-Fraktion im Bundestag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch vorlag.

Die Linke hatte gefragt, ob die Bundesregierung befürworte, dass die EASA Boeing-Flugzeuge künftig stärker selbst prüfe, statt die Freigabe durch die US-Luftfahrtbehörde FAA anzuerkennen. Verkehrs-Staatssekretär Steffen Bilger schrieb, die Bundesregierung befürworte, dass die EASA ihre Kompetenzen «entsprechend den strengen Maßgaben» der europäischen Flugsicherheit wahrnehme. «Dies kann eine umfangreiche Überprüfung der Nachweise umfassen, die ein Hersteller zur Erlangung einer Musterzulassung gegenüber einer Luftfahrtbehörde eines Drittstaates vorgelegt hat.»

Linken-Fraktionsvize Fabio De Masi zeigte sich mit der Antwort zufrieden. Die Unterstützung der Bundesregierung für die EASA sei gut. «Die Sicherheitsrisiken von Boeing verdeutlichen die Probleme von Handelsabkommen wie TTIP, wenn Handelspartner geringere Standards ansetzen», sagte er.

Die FAA hatte die Boeing 737 Max als spritsparende Neuauflage des Boeing-Mittelstreckenjets 737 zugelassen. Zwei Maschinen des Typs waren innerhalb weniger Monate abgestürzt, vermutlich aus ähnlichen Gründen. Dabei waren insgesamt 346 Menschen getötet worden. Bis zur weiteren Klärung der Unfallursachen und Problemen mit einer Steuerungssoftware ist unklar, wie es mit den Fliegern weitergeht.

Boeing nach Flugzeugabstürzen von Aktionären in USA verklagt

Nach den Flugzeugabstürzen in Indonesien und Äthiopien haben Aktionäre den US-Luftfahrtriesen Boeing wegen angeblicher Vertuschung von Sicherheitsmängeln verklagt. Der Konzern habe Anlegern entscheidende Fakten hinsichtlich der Unglücksflieger der Baureihe 737 Max verheimlicht, teilte die US-Großkanzlei Hagens Berman am Mittwoch mit. Boeings Börsenwert war nach dem jüngsten Absturz am 10. März zeitweise massiv eingebrochen.

Laut der Klageschrift wird Boeing etwa vorgeworfen, verschwiegen zu haben, dass wichtige Sicherheitsfunktionen der Flugzeuge als kostenpflichtige Zusatzoptionen angeboten wurden, die die meisten Fluggesellschaften gar nicht gekauft hätten. Zudem habe Boeing nicht offengelegt, wesentliche Teile der 737-Max-Sicherheitsprüfung selbst von der US-Luftfahrtaufsicht FAA übernommen zu haben.

Dies sei ein klarer Interessenkonflikt gewesen, denn Boeing habe die neuen Modelle im Wettkampf mit dem Erzrivalen Airbus rasch auf den Markt bringen wollen. «Tödliche Risiken» seien absichtlich vor den Aktionären vertuscht worden, so Anwalt Reed Kathrein. «Boeing hat Profit und Wachstumsstreben der Flugsicherheit übergeordnet». Das Unternehmen äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht.

Hinter der Klage steht die bekannte US-Anwaltsfirma Hagens Berman, die schon Volkswagen in der «Dieselgate»-Affäre oder General Motors im Skandal um defekte Zündschlösser zu schaffen machte. Boeing droht nach den Abstürzen weiterer rechtlicher Ärger. Angehörige der 346 Todesopfer klagen auf Schadenersatz. Zudem muss der Konzern wegen des Verdachts, bei der 737-Max-Zulassung wichtige Informationen unterschlagen zu haben, staatliche Strafverfolgung fürchten.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.