Myanmars Diplomaten fordern neue Untersuchung

KOH TAO: Nächtliche Ausgangssperren gegen ausländische Leiharbeiter im Inselarchipel Koh Samuis und sogar ein totales Abschaffen der weltweit beliebten Vollmond – und Beachpartys – Thailands Regierung erwägt drastische Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit seiner Touristen.

Dies steht im krassen Widerspruch zu Reaktionen des Nachbarlandes Myanmar und der Weltöffentlichkeit. Dort wird die Untersuchung des Mordfalles vom 15. September 2014 am Sairee Beach von Koh Tao weiter hart kritisiert und mit völligem Unverständnis auf die Reaktionen der Royal Thai Police reagiert. Nun hat offiziell die Ausländische Vertretung von Myanmar in Thailand eine Neuuntersuchung des Mordfalles von unabhängiger Stelle gefordert, wie die Bangkok Post berichtet.

Demzufolge hat der Anwalt der beiden Tatverdächtigen Zaw Lin und Win Zaw Htun das einflussreiche Medium ‚Voice of Burma‘ darüber in Kenntnis gesetzt, dass das thailändische Justizministerium am Montag von der burmesischen Botschaft wegen der Foltervorwürfe kontaktiert worden sei. Die Forderung einer Neuauflage der Mordermittlungen und Prüfung der Spuren von unabhängigen Stellen deckt sich mit Einlassungen der thailändischen Menschenrechtsorganisation ‚National Human Rights Commission‘ (NHRC), die schon länger darauf drängt, den Fall an die DSI-Spezialeinheit der Polizei, das ‚Department of Special Investigation‘ abzugeben.

Dass Thailands Polizeiführung bereits viermal gerichtliche Vorladungen durch die Menschenrechtsorganisation zur Stellungnahme zu den Foltervorwürfen der verhafteten Zaw Lin und Win Zaw Htun ignoriert hat, wird von Rechtsexperten mit Bestürzung kommentiert. Die Reaktion, stattdessen die Rechte ausländischer Leiharbeiter weiter zu beschneiden und ihnen nächtlichen Ausgang zu verbieten, sei unverhältnismäßig und nicht hilfreich, heißt es von Seiten des NHCR.

In Großbritannien, dem Heimatland der auf Koh Tao ermordeten Touristen Hannah Witheridge (23) und David Miller (24), steht der Fall weiter ganz oben auf den Titelseiten der Zeitungen. Eine Abordnung der britischen Polizei Scotland Yard ist erst jüngst von Tatortbegehungen aus Thailand zurückgekehrt. Scotland Yard und das britische Außenministerium nahmen keine Stellung zu offiziellen thailändischen Verlautbarungen, dass die Briten ‚zufrieden mit den Mordermittlungen auf Koh Tao‘ seien. Wie der FARANG aus gut informierter Quelle erfuhr, wird erst Anfang Januar offiziell ein Ergebnis der Scotland Yard-Untersuchungen  bekanntgegeben.

Es soll aber sicher sein, dass Scotland Yard bei den Mordopfern Hannah Witheridge und David Miller nach der Rückführung der Leichen nach Großbritannien eigenständig forensische Spuren sicherstellen konnte. Diese könnten – so hoffen viele Kritiker – mit den verhafteten Burmesen abgeglichen werden und damit vielleicht endgültig Licht ins Dunkel eines finsteren Mordfalles bringen.

Archivbild: The Nation
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