Myanmar trägt immer mehr Corona-Tote zu Grabe

Kaum noch Sauerstoff

Menschen in Myanmar warten in der Nähe von Sauerstoffflaschen, die vor einer Sauerstofffabrik in Yangon zum Nachfüllen aufgereiht sind. Foto: epa/Stringer
Menschen in Myanmar warten in der Nähe von Sauerstoffflaschen, die vor einer Sauerstofffabrik in Yangon zum Nachfüllen aufgereiht sind. Foto: epa/Stringer

YANGON: Knapp sechs Monate nach dem Militärputsch in Myanmar sterben in dem Krisenland immer mehr Menschen an den Folgen von Covid-19. In den vergangenen Tagen seien allein in der größten Stadt Yangon mehr als 1000 Tote auf drei großen Friedhöfen beerdigt worden, berichteten lokale Medien und Bestattungsunternehmen. Die Lage bleibt aber unübersichtlich. Die wahre Zahl der Kranken und Toten soll laut Ärzten und Beobachtern viel höher sein als die offizielle Statistik der Junta.

«Viele Leute sterben, weil es nicht genug Sauerstoff gibt», sagte Shwe Shwe, die als freiwillige Helferin im Einsatz ist, um Sauerstoff für Kranke zu besorgen. «Wir versuchen alles, aber es ist sehr schwer, weil es unter der Junta keinerlei Krisenmanagement gibt», erzählte sie der Deutschen Presse-Agentur. Der private Verkauf von Sauerstoff war zuletzt stark beschränkt worden - dieser solle nur «unter Aufsicht» verwendet werden, hatten die Generäle angekündigt.

Das Gesundheitsministerium teilte am Sonntag mit, dass innerhalb von 24 Stunden rund 5200 Neuinfektionen bestätigt worden seien. Im gleichen Zeitraum seien 231 Menschen in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Insgesamt bezifferte die Junta die bisherige Zahl der Corona-Toten in dem südostasiatischen Land auf 5000.

«Die offiziellen Zahlen basieren auf Tests, die sie gemacht haben», sagte der Arzt Phyo Min. «Aber die meisten Menschen gehen nicht in die Krankenhäuser, oder sie haben bereits Covid und sterben.»

Eines der größten Probleme ist das Misstrauen der Menschen in das staatliche Gesundheitssystem, das jetzt von der Junta geführt wird. Viele Mediziner und Pfleger weigern sich, in staatlichen Krankenhäusern zu arbeiten. Gleichzeitig werden viele Ärzte auch verfolgt, weil sie im Widerstand aktiv sind. Die meisten Privatkliniken sind überfüllt.

Myanmar versinkt seit dem Umsturz von Anfang Februar in Gewalt und Chaos. Die Armee unterdrückt jeden Protest brutal. Tausende Gegner wurden bereits festgenommen.

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