MV Werften und Lloyd-Werft Bremerhaven beantragen Insolvenz

Mitarbeiter von externen Firmen verlassen das Gelände der MV Werft. Die Werften-Gruppe reichte beim Amtsgericht Schwerin den Insolvenzantrag ein. Foto: Jens Büttner/dpa
Mitarbeiter von externen Firmen verlassen das Gelände der MV Werft. Die Werften-Gruppe reichte beim Amtsgericht Schwerin den Insolvenzantrag ein. Foto: Jens Büttner/dpa

WISMAR: Lange vor der Pandemie stieg der Hongkonger Konzern Genting bei den MV Werften ein und investierte viel Geld. Doch dass das Unternehmen auf Kreuzfahrtschiffe setzte, rächt sich in der Corona-Krise. Die Gewerkschaft spricht angesichts der Insolvenz von einem «schwarzen Tag».

Schlechte Nachrichten für den deutschen Schiffbau: Die MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern und die Bremerhavener Lloyd-Werft haben Insolvenz angemeldet. Beide Unternehmen gehören zum Hongkonger Mischkonzern Genting, der in Schwierigkeiten steckt. Der Handel mit Aktien an der Börse in Hongkong war am Freitag ausgesetzt worden und wurde seither nicht wieder aufgenommen. Gentings Kreuzfahrtsparte ist wegen der Pandemie in Schieflage geraten.

Bei den MV Werften geht es um rund 1900 Beschäftigte und beim Bremerhavener Schiffbaubetrieb um etwa 300 Arbeitsplätze. Für die Lloyd-Werft wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter der Hamburger Rechtsanwalt Per Hendrik Heerma eingesetzt. Er hatte diese Funktion auch bei der Elsflether Werft übernommen, die 2019 mit der Sanierung des Marineschulschiffs «Gorch Fock» scheiterte. Für die MV Werften sei noch kein Insolvenzverwalter benannt, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Schwerin.

Den MV Werften war es nicht gelungen, die Finanzierung des zu 75 Prozent fertigen und rund 1,5 Milliarden Euro teuren Neubaus des Kreuzfahrtschiffes «Global Dream» für bis zu 10.000 Passagiere zu sichern. Verhandlungen von Genting und der Werft mit Bund und Land scheiterten. Die Schuld daran weisen Landes- und Bundespolitiker Genting zu: Der Konzern sei nicht bereit gewesen, einen Anteil von 60 Millionen Euro am Rettungspaket zu tragen, heißt es seit Tagen.

Der Bund war demnach bereit, zu bereits gewährten 300 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds weitere 300 Millionen Euro zu geben. Vom Land Mecklenburg-Vorpommern standen weitere 78 Millionen Euro bereit - unter der Bedingung, dass sich Genting und der Bund einigen und es eine Fortführungsperspektive gibt. An einer Neuausrichtung weg von Kreuzfahrtschiffen hatte der Konzern jedoch kein Interesse gezeigt. Genting habe die Werften 2016 ausschließlich mit dem Ziel übernommen, Kreuzfahrtschiffe zu bauen, hatte der Genting-Präsident Colin Au am Wochenende gesagt. Mehr als zwei Milliarden Euro seien investiert worden.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Als Bundesregierung haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Insolvenz der MV Werften zu vermeiden und so die Arbeitsplätze zu retten. Allerdings haben die Eigentümer unser Hilfsangebot ausgeschlagen; die Anmeldung der Insolvenz ist die Folge.»

Die IG Metall sprach von einem «schwarzen Tag» für den Schiffbau in Deutschland. Bezirksleiter Daniel Friedrich betonte: «Wir sind entsetzt, dass es soweit kommen musste.» Dass die Verhandlungen zu keiner Lösung geführt hätten, sei ernüchternd. «Das Vertrauen auf allen Seiten scheint endgültig aufgebraucht.»

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sagte, sie hoffe auf die schnelle Einsetzung eines Insolvenzverwalters. Zunächst solle der Bau des zu 75 Prozent fertiggestellten Kreuzfahrtschiffs in Wismar vollendet werden. Dies sichere Arbeit. Im zweiten Schritt müssten Perspektiven für die Standorte Wismar, Rostock und Stralsund entwickelt werden.

Die IG Metall fordert den Fertigbau der «Global Dream» in der Insolvenz. Auch sei es wichtig, schnell auf mögliche Investoren zuzugehen und die Werften neu auszurichten. In Bremerhaven und Stralsund habe es bereits vor der Insolvenz Interessenten gegeben.

Die Gewerkschaft sieht dabei die Politik weiter gefordert. «In dieser schwierigen Situation muss es gelingen, die hoch qualifizierten Beschäftigten mit ihren guten, tarifvertraglichen Arbeitsbedingungen an den Standorten zu halten», sagte Friedrich. Nur mit den Menschen ließen sich die Werften als industrielle Kerne für die jeweiligen Regionen sichern. Der Schiffbau gilt als industrielles Rückgrat Mecklenburg-Vorpommerns.

Auch für den Verband für Schiffbau und Meerestechnik ist jetzt entscheidend, den Erhalt der vier Standorte an der Ostsee und in Bremerhaven im Rahmen eines Eigentümerwechsels zu ermöglichen. Die deutsche Schiffbauindustrie könne sich einen weiteren Substanzverlust in dieser Größenordnung nicht leisten. Die maritime Industrie stehe vor einem Umbruch. Die gesamte Flotte müsse auf Klimaneutralität umgestellt werden. Ferner müssten die Offshore-Industrie und die Infrastruktur für nachhaltige Kraftstoffe stark ausgebaut werden. «Dafür werden in den kommenden Jahren umfangreiche Produktionskapazitäten in der maritimen Industrie benötigt», erklärte der Verband. Vor diesem Hintergrund könne sich die Insolvenz auch als Chance erweisen.

Genting-Konzern hatte die Werften 2016 übernommen, um dort für eigene Reedereien Kreuzfahrtschiffe bauen zu lassen. Nach dem coronabedingten Zusammenbruch des Kreuzfahrtmarktes Anfang 2020 geriet Genting aber in finanzielle Schieflage. Die für 2021 erwartete Trendwende blieb aus.

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Peter Spranz 11.01.22 16:52
Herr Kerp
Wer den sonst bekommt es ab , wir das D Volk muss daran glauben .
Das D Volk muss den Kopf wie immer hinstrecken , das kommt davon da wir uns immer mehr abhängig machen lassen von China..
Peter Spranz 11.01.22 16:52
Involvenz
Und wieder ist ein großer alt eingesessener Betrieb den Bach heruntergangen .
Ole Bayern 11.01.22 16:50
Es läuft so wie es immer läuft ....
... in solchen Fällen . Warum soll denn eine Werft übernehmommen , welche wohlmöglich in Zahlungsschwierigkeiten ist , welche im Dock ein zu 75 % feriggestelltes Schiff liegen hat ( derzeitiger Wert ca. 1. Mrd. € ) , welches man nach der Insolvenz vom Konkursverwalter sicherlich für die Hälfte samt ganzer dazugehöriger Werft kaufen kann .
So etwas wird doch gerade von den neuen Investoren bzw. Hedge Fonds herbeigesehnt .
Diese werden ein Schiff bekommen .... fertiggestellt für die Hälfte des Ursprungspreises und die Werft gratis dazu . Das Schiff wird dann an eine Reederei verkauft mit 25 % Aufschlag , die Werft filetiert oder auch im Ganzen weiterveräußert ?
Wer hat noch die Tragödie mit der Bremer Vulkan Werft und dem Konkurs im Kopf 1996 ?
Dort war es genauso wie es nun mit der MV - Werft weitergeht ... nehme ich zumindest an.
Das sind die echten Verlierer der Corona - Krise ! Kein Mensch braucht momentan ein neues Kreuzfahrtsschiff für 1,5 Mrd € . Carnival Cruises oder Norwegien Cruises lassen es erahnen derzeit . Akienkurse bei beiden 70 % im Minus zu 2019/2020 . Verluste bei ca. 15 Mrd.€ ( Carnival ) und 8 Mrd € ( Norwegian ) in 2 Jahren 2020 und 2021. Dafür muß eine alte Frau viel Socken stricken. 55555
Das Schiff wird fertiggebaut , da bin ich mir zu 100 % sicher , nur von wem und zu welchen Preis ist hier die Frage .
Schade für den Standort und die Belegschaft.

VG und Glück Auf Ole
Rüdiger Huber 11.01.22 16:40
altes Spiel
Es ist immer das Gleiche. Ein " Investor " übernimmt eine Firma zu kleinem Geld. Zerlegt die Firma in Einzelteile und schlachtet diese aus. Danach wird die Firma platt gemacht. Vorteil für den " Investor " er hat sein Konkurent ausgeschaltet und dessen Patente , Rechte, Wissen und Kunden billig übernommen ( ausgeschlachtet ) . Ein altbekanntes " Spiel " .
Oliver Manz 11.01.22 14:30
Zurück Kaufen sonst werden die,Schiffe in Zukunft in Cina gebaut !!!
Ingo Kerp 11.01.22 12:10
Jetzt wird es spannend. Das groeßte und teuerste Kreuzfahrtschiff ist zu 75 % fertig und die Werft ist pleite. Die "Hilfsgelder " des Bundes und die angebl. Millionen Investitionen von Genting sind auch erst mal weg. Wer wird da jetzt eine Loesung finden? Hoffentlich ist es im schlimmsten Fall nicht der Steuerzahler, der jetzt ein dickes Schiff aufgebrummt bekommt.