Mit der blauen „8“ zum neuen Visum

Mit der blauen „8“ zum neuen Visum

Ein Leser schildert den Vorgang seiner Visumsverlängerung mit einem neuen Reisepass:

Vor einigen Tagen hatte ich mir zum Ziel gesetzt, am 21. April 2020 mein Jahresvisum zu erneuern. Heute Morgen (21. April 2020, 05.30 Uhr) klingelt mein Wecker! „Aha!“, dachte ich mir. „Nun ist es soweit!“ Ich stehe auf und kurz darauf bin ich auch schon auf dem Weg zur Immigration in Hua Hin.

08.15 Uhr: Ankunft im Hof der Immigration. Anstehen zur Überprüfung auf COVID-19. Ich erhalte einen grünen Klebepunkt für „clean“!

08.25 Uhr: Anstehen für die Registrierung und Überprüfung meines Visa-Antrags. „Oh, ein neuer Reisepass!“, stellt die Angestellte der Immigration fest. „Haben sie das ausgefüllte Transferformular der deutschen Botschaft dabei?“, fragt mich die junge Beamtin. Ich schaue ziemlich verwundert und entgegne: „Nein!“. Daraufhin holt sie einen Vordruck hervor und klärt mich auf, dass dieser Vordruck mit allen Angaben über den alten und neuen Reisepass sowie einer Begründung von mir ausgefüllt werden muss. Sie führt fort, dass außerdem Kopien aller relevanten Seiten des alten Reisepasses und eine Beglaubigung der deutschen Botschaft benötigt werden. „Hmm“, denke ich und lasse mir den Vordruck aushändigen.

08.40 Uhr: Anstehen bei der Kopierstelle, ich nutze die Wartezeit, um den Vordruck auszufüllen. Beim Kopieren aller relevanten Seite werde ich auch von der Dame am Kopierer belehrt, dass ich jetzt zur deutschen Botschaft müsse. „Hmm“, denke ich erneut, bezahle die Kopien und verlasse den Copy Shop. 

09.00 Uhr: Wieder Anstehen bei der Registrierung, wo mich die junge Dame mit erstaunten Augen ansieht. Sie fängt an, auf Thailändisch mit mir zu sprechen. Ich nehme ihr die blaue Karte mit der Nummer „9“ aus der Hand und setzte mich in den Wartebereich. Sie folgt mir und teilt mir – jetzt wieder auf Englisch – mit, dass ich doch noch den Vordruck von der deutschen Botschaft beglaubigen lassen muss und ich ihr doch bitte die blaue „9“ zurückgeben soll. Ich entgegne ihr, dass meine Unterschrift auf dem Vordruck diesen zu einer Urkunde macht. Sie kann mit dieser Aussage (natürlich) nichts anfangen und reagiert etwas überfordert, woraufhin sich eine zweite Dame mit einer blauen „8“ dazugesellt. Es beginnt ein thailändisches Zwiegespräch zwischen den beiden Damen. Ich bedanke mich bei der ersten Dame für ihre Unterstützung und ihre Belehrung und gebe ihr die blaue „9“ zurück. Bei der zweiten Dame bedanke ich mich ebenfalls – jedoch für das Mitbringen und die Übergabe der blauen „8“. Nun schauen mich beide Damen sehr ungläubig an.

09.20 Uhr: Aufruf der blauen „7“ und „8“. Die beiden Damen diskutieren noch immer. Ich bedanke mich nochmals bei ihnen und gehe in den Warteraum für die Antragstellung des Visums. Die Dame der Registrierung (die nebenbei erwähnt, vergessen hat, meinen Antrag zu überprüfen) geht (mit dem Blick auf mich gerichtet) an mir vorbei ins Büro der Immigration und kommt Sekunden später (mich keines Blickes würdigend) wieder aus dem Büro heraus und geht zum Registrierungsschalter zurück.

09.40 Uhr: Aufruf der blauen „8“. Ich gehe zum Schalter und überreiche dem Beamten mit einem „sawasdee khrap!“ meine „Urkunde“ zusammen mit den Kopien des alten Reisepasses, sowie meinen (nicht geprüften) Visumsantrag. Der junge Mann hinter dem Schalter lächelt und erwidert meine Begrüßung. Nach einer kurzen Weile stellt er mir 500 Baht für den „Transfer des alten Reisepasses“ und 1.900 Baht für die Vergabe des Visums in Rechnung.

10.00 Uhr: Empfang des alten und neuen (mit Visum und 90 Tage Stempel) Reisepasses. Ich verlasse das Immigration Office unter Nichtbeachtung durch die Dame an der Regis­trierung.

10.05 Uhr: Rückfahrt nach Prachuap Khiri Khan und dem Glücksgefühl im Bauch, ein weiteres.

Jürgen Kesselheim, Prachuap Khiri Khan


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Norbert Schettler 14.05.20 11:48
@Jürgen Kesselheim
Aus Ihrer Schilderung geht leider nicht hervor, wo Sie den neuen Reisepass bekommen haben. In Deutschland oder hier von der Botschaft? Wenn man ihn als Resident hier bei der Botschaft machen lässt wird man automatisch gefragt ob man diese Bestätigung für die Immi haben möchte. Kostet extra, kann man aber mit leben. Bei mir kam auch der Hinweis von der Frau Noklek, dass nicht jede Immi die Bestätigung sehen möchte (das kennt man ja), habe mir das Papier aber geben lassen. Und die Beamten in Ubon haben dieses dann in meinen Ordner mit abgeheftet, alles kein Problem. Die 500 Baht für die Überschreibung habe ich hier auch bezahlt.
Dieter Kowalski 14.05.20 10:57
Das gleiche Thema hatte ich vor ca. 4 Jahren. Zuvor bei der Immigration gefragt, as ich denn tun sollte, wenn ich bei der Wiedereinreise nach Thailand einen neuen Reisepass hätte.
Kein Problem, war die Antwort. Einfach beide Pässe (alt+neu) mitführen. Bei der Einreise am Flughafen Bangkok, wurde dann im alten Pass das Re-Entry Permit abgestempelt,und im neuen Pass der Einreisestempel gesetzt.
Wegen der Visumsverlängerung, bei der Immigration, dann wiederum x-Zettel zusammen mit meiner Gattin unterzeichnet. 1900 Baht bezahlt, und das war es. Im neuen Pass gibt es nur einen Stempel mit dem handschriftlichen Hinweis auf die alte Passnummer.
Hat man da nun wieder das Prozedere geändert, oder waren die beiden Damen in Hua Hin überfordert ?
Auf jeden Fall wäre es ein schlechter Scherz, Menschen wegen einem Stempel hunderte Kilometer herumfahren zu lassen, obwohl ein neuer Pass zusammen mit dem Alten, wohl keinerlei Zweifel über dessen Echtheit zuläßt. Läßt sich ja auch ganz einfach mit einem Lesegerät überprüfen.
Jedenfalls wird es Zeit, die Papier gebundene Verwaltung endlich zu digitalisieren. Das würde sinnlose Fahrten, von Thais und Ausländern, kreuz und quer durch das Land signifikant verringern.