Mahathir wird ältester Premier der Welt

​Mit 92 wieder an die Macht

Mahathir Mohamad. Foto: epa/Ahmad Yusni
Mahathir Mohamad. Foto: epa/Ahmad Yusni

KUALA LUMPUR (dpa) - Selbst Kanzler Adenauer war um einiges jünger: Mit 92 Jahren wird Mahathir Mohammad in Malaysia noch einmal Premierminister - jetzt allerdings für die Opposition. Durch seinen Wahlerfolg wird «Dr. M» zum ältesten Regierungschef der Welt.

Bei seinem Rücktritt als Malaysias Premierminister war Mahathir Mohamad 78. Ein Alter, in dem man auch in der internationalen Politik normalerweise längst aus dem Geschäft ist. Das war im Oktober 2003. Jetzt, anderthalb Jahrzehnte danach, feiert Mahathir sein großes Comeback. Mit 92 Jahren wird «Dr. M», wie er zuhause von allen genannt wird, noch einmal Premierminister - und damit zum ältesten Regierungschef der Welt.

Die Rückkehr ins alte Amt ist durch einen Wahlerfolg möglich, den bis vor einer Weile kaum jemand für denkbar gehalten hätte. Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit 1957 gewann in dem 31-Millionen-Einwohner-Land die Opposition eine Parlamentswahl. Obwohl der als korrupt verschrieene bisherige Premier Najib Razak mit den verschiedensten Tricks versucht hatte, das zu verhindern.

Mit jedem anderen Kandidaten wäre ein Sieg der Oppositions-Allianz Pakatan Harapan (PH, Pakt der Hoffung) deshalb wohl ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Mahathir, der schon einmal 22 Jahre im Amt war, gelang es. Auf den Straßen der Hauptstadt Kuala Lumpur wurde der Wahlsieg bis tief in die Nacht gefeiert.

Viele Ältere erinnerten sich, dass der ausgebildete Arzt - ähnlich wie der verstorbene Lee Kuan Yew im Nachbarland Singapur - Malaysia wirtschaftlich enorm voranbrachte. Für die Jüngeren ließ er sich in Wahlkampf-Clips als «Großvater der Nation» inszenieren. Eigentlich ist der Vater von sieben Kindern schon Urgroßvater.

Dass Mahathir sein Land früher mit harter Hand regierte, spielte keine große Rolle. Auch die Tatsache, dass er Najib (heute 64) selbst zum Nachfolger aufgebaut hatte, geriet in Vergessenheit. Allerdings war der Bruch auch spektakulär. Grund dafür war eine Korruptionsaffäre: Najib soll mehr als 3,7 Milliarden Euro aus einem Staatsfonds zweckentfremdet haben. Mehr als eine halbe Milliarde landeten auf einem Konto, das ihm selbst gehört.

Deshalb verließ Mahathir nach einem halben Jahrhundert seine politische Heimat, die Regierungspartei Unmo, und schloss sich der Opposition an. Als deren Spitzenkandidat beschimpfte er seinen Ex-Zögling Najib als «Dieb», «Gangster» und «Bandit». Manchmal musste er dabei gestützt werden. Aber eigentlich ist er noch ziemlich rüstig. «Alles eine Frage der Disziplin», sagt er. «Wenn man älter wird, will man manchmal länger schlafen. Dem muss man widerstehen.»

Dass die zweite Zeit als Premierminister nur von begrenzter Dauer sein wird, ist allen klar. Im Juli wird «Dr. M» 93. Für die Übergabe gibt es noch keinen Termin, aber zumindest einen Plan. Nachfolger soll der eigentliche PH-Vorsitzende Anwar Ibrahim werden, ehemals sein Vize, mit dem er sich vor der jetzigen Wahl wieder zusammentat.

Die Geschichte ist nicht ohne Brisanz. Als Premierminister hatte Mahathir ihn nach einem Zerwürfnis ins Gefängnis bringen lassen. Vorwurf damals: homosexuelle Handlungen, was in Malaysia strafbar ist. Wegen «widernatürlicher Unzucht» ist der eigentliche PH-Chef heute wieder in Haft. Inzwischen haben sich die beiden Gegner von einst jedoch ausgesöhnt.

Plan ist nun, Anwar hochoffiziell begnadigen zu lassen. Damit könnte er wieder zurück in die Politik und später auch Premierminister werden. Wie alt Mahathir beim nächsten Rücktritt dann sein wird, weiß heute noch niemand. Sein potenzieller Nachfolger ist allerdings auch schon 70.

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Leserkommentare

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Zil Zelini 11.05.18 09:36
Korruption
Najib Razak hat nicht nur Korruptionsgeschichten im Nacken, sondern noch einige andere Leichen im Keller. Der berühmteste Fall ist wohl die Ermordung der Mongolin Altantuya Shaariibuu durch Leibwächter von Najib Razak, deren Einreisedaten dann auch plötzlich verschwunden waren. (asiasentinel-ten-years-mongolian-beauty-murder-remains-unexplained-malaysia)