Update - Millionenraub am Flughafen von Tirana 

​Passagiere im Jet guckten zu

Archivfoto: epa/Harald Schneider
Archivfoto: epa/Harald Schneider

TIRANA (dpa) - Touristen bot sich eine Szene wie im Action-Film: Sicherheitsleute verstauen Geldsäcke im Laderaum einer startklaren Maschine. Plötzlich tauchen maskierte Männer vor dem Jet auf und zücken ihre Waffen.

Vor den Augen von Flugreisenden im startbereiten Jet der Austrian Airlines hat es auf dem Flughafen von Tirana einen Millionenraub mit tödlichem Ausgang gegeben. Ein Geldtransport wurde am Dienstag gerade in den Jet verladen, der nach Wien abfliegen sollte. Einige Passagiere beobachteten den spektakulären Überfall in der albanischen Hauptstadt von ihren Sitzen aus. Einen der Täter, der auf der Flucht erschossen wurde, identifizierten die albanischen Behörden am Mittwoch als gesuchten Bankräuber, berichtete die Webseite oranews.tv. Seine Komplizen entkamen zunächst.

Die maskierten, schwer bewaffneten Männer waren mit einem Kleinbus durch eine Feuerwehrzufahrt auf das Vorfeld gefahren. Sie hielten unmittelbar vor dem Airbus A 320 der österreichischen Fluggesellschaft an. Auf dem Fahrzeug prangte die Aufschrift «Steuerfahndung». Mit vorgehaltener Waffe zwangen die Täter die Begleiter des Geldtransporters, ihnen die Säcke mit Geld auszuhändigen. Zum Teil mussten diese sie aus dem Laderaum des Flugzeugs herausholen.

Anschließend fuhren die Gangster davon. In etwa 800 Meter Entfernung wollte ein Kontingent der Flughafen-Polizei sie stoppen. In dem Feuergefecht kam der eine Angreifer ums Leben. Die anderen warfen seine Leiche aus dem Wagen und entkamen. Die Polizei leitete eine umfassende Fahndung ein, bei der auch ein Helikopter eingesetzt wurde.

Zunächst war nicht klar, wieviel Geld die Räuber erbeuteten. In Medienberichten war von mindestens zwei Millionen Euro die Rede. Unweit des Tatortes fand die Polizei das zurückgelassene und ausgebrannte Tatfahrzeug. Die Täter hatten es offensichtlich in Brand gesetzt, um Spuren zu verwischen.

Am Mittwoch gaben die Behörden die Identität des bei der wilden Flucht erschossenen Mannes an. Der unter dem Namen Admir Murataj bekannte Täter war wegen mehrfachen Bankraubes gesucht. 2013 soll er aus einem Gefängnis in Griechenland ausgebrochen sein. Nach Darstellung albanischer Medien soll dies aber nicht sein richtiger Name gewesen sein. Der Mann soll insgesamt 13 Aliasnamen benutzt haben.

Für die Passagiere im Jet bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr, hieß es in den Berichten. Einige Fluggäste sagten nach Angeben des Fernsehsenders TV Klan, dass sie die Angreifer wegen ihrer schwarzen Kampfmontur und den kugelsicheren Westen für Teilnehmer einer Polizeiübung gehalten hätten. Das Flugzeug landete mit zweieinhalb Stunden Verspätung in Wien.

Die organisierte Kriminalität stellt in Albanien ein großes Problem dar. Die Banden organisieren sich oft entlang von Clan-Strukturen, die für die Strafverfolgungsbehörden schwer zu durchdringen sind. Zuletzt war vor drei Jahren ein Geldtransporter auf ähnliche Weise auf dem Flughafen von Tirana ausgeraubt worden. Weitere Geldfuhren wurden immer wieder auf dem Weg zum Flughafen überfallen.

Eine Sprecherin der AUA sagte in Wien, dass die Luftfahrtgesellschaft vorläufig keine Werttransporte aus Tirana mehr übernehmen wird. Am Mittwoch kamen Sicherheitsexperten der AUA zusammen, um über mögliche zusätzliche Maßnahmen zu beraten.

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