«Herzensangelegenheit»

Migranten-Pater zu Papst auf Zypern 

Papst Franziskus hält während eines ökumenischen Gebets mit Migranten in der Pfarrkirche des Heiligen Kreuzes eine Rede. Franziskus befindet sich auf einer fünftägigen Reise nach Zypern und Griechenland. Foto: Alessandra Tarantino/Ap/dpa
Papst Franziskus hält während eines ökumenischen Gebets mit Migranten in der Pfarrkirche des Heiligen Kreuzes eine Rede. Franziskus befindet sich auf einer fünftägigen Reise nach Zypern und Griechenland. Foto: Alessandra Tarantino/Ap/dpa

NIKOSIA: Papst Franziskus hat mit seiner Reise nach Zypern und den harschen Worten zur Migrationskrise den deutschen Pater Nikodemus Schnabel beeindruckt. Der Benediktinermönch ist in Jerusalem als Patriarchalvikar unter anderem für Migranten in Zypern zuständig. Er betreut etwa ausländische Arbeiterinnen, aber auch Flüchtlinge.

Dass der Papst dort so eindringlich für einen menschlicheren Umgang mit Geflüchteten warb und den Umzug von 50 Migranten nach Italien vorantreibt, imponiert dem Mönch. «Das zeigt, dass er auch der Hirte ist, der nicht nur für 1,3 Milliarden Katholiken auf der Welt abstrakt zuständig ist, sondern wenn es etwas zur Chefsache macht und eben diese Menschen mitnimmt, dann bleibt er auch dran», sagte er.

Die Aktion und das stetige Mahnen von Franziskus in der Sache zeigen, dass es ihm nicht um Effekthascherei gehe, «sondern das ist eine ganz tiefe Herzensangelegenheit», meinte Pater Nikodemus. Der Papst hatte am Freitag die Auswüchse der Migration als «Sklaverei» kritisiert und dem Westen vorgeworfen, bei Krisen wegzuschauen. Oft passiere dies aus politischem Kalkül, hatte der Papst zuletzt schon gegeißelt.

Dem kann der Benediktinermönch nur zustimmen. «Wenn ein Mensch am Verhungern ist, wenn ein Mensch am Ertrinken ist, wenn ein Mensch wirklich auf Messers Schneide von Leben und Tod steht, dann gibt es überhaupt keine Diskussion, da gibt es auch keine Grautöne.»

Den Glaubensbruder freute, dass der Pontifex Zypern als Ziel gewählt hatte. «Papst Franziskus hat ja von Anfang an gesagt, er will an die Ränder gehen, vielleicht auch an die Ränder dessen, wo wir nicht hingucken», sagte er. «Auch jeder, der nicht an Gott glaubt, sollten diesen Besuch verfolgen, weil er spannender ist als man denkt.»

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.