Migranten gehen in Italien von Bord des Rettungsschiffs «Open Arms»

Foto: epa/Elio Desiderio
Foto: epa/Elio Desiderio

ROM (dpa) - Sie lachen und recken die Fäuste in die Höhe: In der Nacht zu Mittwoch endet für die Migranten und Helfer auf dem Schiff «Open Arms» eine zermürbende, fast dreiwöchige Hängepartie. In Lampedusa können sie von Bord gehen.

Nach knapp dreiwöchiger Blockade auf dem Mittelmeer hat das Rettungsschiff «Open Arms» mit mehr als 80 Migranten an Bord nun doch in Italien anlegen dürfen. Aktivisten bejubelten in der Nacht zu Mittwoch die Ankunft im Hafen der Insel Lampedusa. Nach 19 Tagen «in Gefangenschaft auf dem Deck eines Schiffes» dürften nun alle Migranten an Bord an Land, twitterte die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms und zeigte in einem Video, wie sich die Menschen freuten, Fäuste in die Luft reckten, in den Armen lagen und ausgelassen «Bella Ciao» sangen.

Allerdings gab es bei der Ankunft auch Missklänge. Eine kleine Gruppe von Menschen, unter anderem die Senatorin Angela Maraventano von der rechten Lega, protestierte gegen die Migranten und behauptete, diese würden «dem Image der Insel schaden», wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Zuvor hatte die sizilianische Staatsanwaltschaft nach dem verzweifelten Sprung mehrerer Migranten ins Meer die Anlandung angeordnet. Das Schiff sollte danach beschlagnahmt werden. Der Staatsanwalt von Agrigent, Luigi Patronaggio, habe die vorläufige Beschlagnahme und die Anlandung nach einem Besuch auf dem Schiff angeordnet, berichteten italienische Nachrichtenagenturen. Grund seien auch die hygienischen Zustände an Bord und der Zustand der Menschen. «Endlich, der Alptraum hat ein Ende, und die 83 Menschen an Bord bekommen sofortige Hilfe an Land», teilte Proactiva mit.

Eigentlich hatte die spanische Regierung am Dienstag nach tagelangem Hin und Her angekündigt, ein Marineschiff nach Lampedusa zu schicken. Die «Audaz» sollte die «Open Arms» von dort bis nach Palma de Mallorca begleiten. Allerdings hätte die Fahrt zuerst von Spanien nach Italien und dann wieder zurück mindestens sechs Tage gedauert.

Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini hatte die Einfahrt des Schiffes blockiert, obwohl sich mehrere EU-Staaten - darunter auch Deutschland - zur Aufnahme der Migranten bereit erklärt hatten. Er selbst hatte am Dienstag in einem Facebookvideo gesagt, die Staatsanwaltschaft werde gegen unbekannt wegen Amtsmissbrauchs ermitteln - das könne nur er sein.

Das Schiff lag seit Tagen vor Lampedusa. Mehr als ein Dutzend Migranten waren am Dienstag über Bord gegangen und mussten aus den Fluten gerettet werden. Sie hatten versucht, die einige Hundert Meter entfernt liegende Insel Lampedusa schwimmend zu erreichen. Auf der «Open Arms» sei die Lage «außer Kontrolle», hatte die Organisation zuvor mitgeteilt. Bereits am Wochenende hatten sich mehrere Migranten ins Meer gestürzt, sie waren aber von Helfern zurück aufs Schiff gebracht worden. Am Dienstag wurden zudem zwei weitere Menschen mit gesundheitlichen Problemen von Bord gebracht, wie Medien berichteten.

«18 Tage in einer Eisenkiste eingesperrt, Wasser und Lebensmittel rationiert... Die Situation ähnelt der eines libyschen Lagers, aber in italienischen Hoheitsgewässern», hatte Proactiva-Gründer Oscar Camps getwittert.

Zeitweise hatten sich rund 160 Migranten an Bord befunden, jedoch waren mehrmals Menschen in prekärem Gesundheitszustand an Land nach Italien oder Malta gebracht worden. Mehrere Frauen hatten zuvor Panikattacken und Weinkrämpfe erlitten.

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Jürgen Franke 23.08.19 10:13
Wieder eine messerscharfe Analyse
Herr Swisshai. Ich kann mich noch an die Nachrichtensendung erinnern, in der die Außenministerin Clinton hocherfreut über den Tod von Gaddafi berichtete. Durchschnittlich bekommt eine Frau in Afrika 9 Kinder, da Empfängnisverhütung tabu ist. Wir können ausrechnen, was da noch auf Europa zu kommt.
TheO Swisshai 23.08.19 06:59
@Rene Born / Wieso nach Berlin ?
Deutschland hat sich schließlich nicht aktiv am Sturz des Gaddafi-Regimes beteiligt. Gaddafi hatte bis dahin dafür gesorgt, dass kein Flüchtling von/via Libyen nach Europa gelangen konnte. Jetzt stechen 95% aller Afrikanischen Migranten von dort in See, werden vor der Küste aufgegabelt und.dann nach Italien, Malta und Spanien verfrachtet. Ein Schelm wer denkt, dass das von den USA so geplant war um Europa zu schwächen. Die Flüchtlingskrise, sowie der Brexit waren dann ja auch die Folgen. Aber das wäre wirklich eine völlig absurde und abwegige Verschwörungstheorie.
Rene Born 23.08.19 00:45
Um alle glücklich zu machen soll Herr Salvini im Hafen ein paar Buse zur Verfügung stellen, und alle nach Berlin for dem Bundestag abladen!
Ingo Kerp 22.08.19 19:52
Tja, Italien ist mal wieder der Dumme. Tagelang liegt das Schiff vor Lampedusa, obwohl die Spanier ein Anlegen genehmigt hätten. Warum fuhr das Schiff nicht dahin? Kein Wunder, das die Italiener die Nase voll haben. Jetzt kommen die Migranten/Wirtschaftsflüchtlinge/Asylanträger oder was auch immer sie sind in ein Lager auf Lampedusa. Erwarten sie sich wirklich ein Leben in Luxus und Überfluß in Europa?
Roman Müller 21.08.19 15:00
Laut gedacht...
die lachen sich kaputt. So lange sich die Mittelmeeranreiner immer wieder ERPRESSEN lassen wird es immer so weiter gehen. Was für ein Trauerspiel. Einfach unglaublich. Da lassen sich Wirtschaftsflüchtlinge für viel Geld ein paar Kilometer vor die Küste Afrikas bringen, da warten dann schon die "Hilfsorganisationen" um die angeblich Schiffbrüchigen nach Europa zu transportieren. Wären sie nicht sicher dass der Weitertransport organisiert ist würden sie das sicherlich nicht machen. Kein Mensch springt ohne Fallschirm aus dem Flieger. Schiffbrüchige müssen gerettet werden keine Frage nur der Schiffbrüchige kann nicht darauf bestehen da abgesetzt zu werden wo er möchte. Innert 2-3 Stunden könnte man diese Pseudo-Schiffbrüchigen dahin zurück bringen wo sie hergekommen sind. Mit jeder solchen gewonnen Aktion mehren sich die ausreisewilligen ins vermeintliche "Paradies". Wie lange will man dieses Spiel noch mitspielen?