Merkel und die Museumsrepublik Deutschland

 Foto: Orlando Bellini / Fotolia.com
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Vor einigen Tagen wurde die deutsche Bundeskanzlerin in Harvard mit der juristischen Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Sie schwingt große Reden und lässt sich feiern. Es sei ihr vergönnt. Aber wie sieht es mit Deutschland aus nach ca. 15 Jahren Merkel? Bleibt das Land ein Hochtechnologieland oder mutiert es zur Museumsrepublik mit schönen Radwegen und gutem Tourismusangebot?

Wohin entwickelt sich Deutschland?

Zunächst ist festzustellen, Frau Merkel hat kein Erkenntnisproblem. Wer im Jahre 2019 ihre Reden auf der Münchner Sicherheitskonferenz oder einige Tage später in Berlin vor der Expertenkommission Forschung und Innovation gehört hat, kann nur zustimmen: Bildung, Forschung und Innovation sind zentrale Voraussetzungen, um den Wohlstand in Deutschland langfristig zu erhalten. Außenpolitisch wäre Deutschland und ganz Europa gut beraten, sich zu finden und endlich klare eigene Positionen in der Welt zu vertreten. Europas Interessen sind nämlich weder mit den Interessen der USA noch mit den Interessen Chinas identisch. Vorschläge des französischen Präsidenten werden seit zwei Jahren ignoriert, Frau Merkel verweist ihn müde an ihre Nachfolgerin als Parteivorsitzende der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK), für die das Thema offensichtlich eine Nummer zu groß ist. Viele Beobachter fragen sich, weshalb Merkel nicht wenigstens in ihrer letzten Amtszeit beherzt Politik macht und etwas bewegt, anstatt nur zu verwalten. Die Antwort ist so banal wie verhängnisvoll: Sie möchte sich nicht auf den letzten Metern absägen lassen, denn sie weiß natürlich, dass Merz & Co nicht zögern würden, sie aus dem Amt zu putschen, wenn die Möglichkeit dazu bestünde. Für das Land ist dies verhängnisvoll, da es in einer sich rasant verändernden Welt Stillstand bedeutet und mittelbar Politik auch wenig attraktiv macht. CDU und SPD sind gleichermaßen als Beispiel geeignet, um die Schwierigkeiten bei der Nachfolge von Führungspersonal zu illustrieren. Bei der CDU lässt AKK kein Fettnäpfchen aus und fällt auch durch politische Instinktlosigkeit auf, wie beispielsweise mit der Forderung nach Regulierung des Internets nach der Europawahl. Abgesehen vom völlig falschen Zeitpunkt Ihres Vorstoßes, ist es tragisch, dass sie das einzige Argument für Regulierung nicht findet und benennen kann. Es geht nämlich nicht um Beschneidung der Meinungsfreiheit, sondern um die Frage, welche Regeln für Blogger (etc.) gelten, die Millionen von Lesern oder Followern haben. Aber dies nur am Rande. Bei der SPD ist die Lage noch dramatischer. Nach mehrfachem Wechsel an der Spitze im Jahrestakt hat sich die Partei nun für eine Dreierspitze entschieden. Einer der Vorsitzenden ist Thorsten Schäfer-Gümbel, der nach drei verlorenen Wahlen vor kurzem seinen Abschied aus der Politik bekannt gab. Welches Signal will die SPD mit seiner Wahl senden? Auch bei der SPD eine Bemerkung am Rande: Die Partei ist ein warnendes Beispiel dafür, was passiert, wenn der Markenkern einer Organisation zerstört wird. So sehr die Partei auch versucht zurückzurudern, es bringt nichts. Im Ergebnis sind bundespolitisch von diesen beiden Parteien in den nächsten Jahren keine Impulse zu erwarten.

Wie sieht es auf Landesebene aus? Zumindest ein ermutigendes Signal ist die Zusammenarbeit von Bayern, Baden Württemberg und Nieder­sachsen in Sachen Unterstützung der Automobil­industrie. Hier scheint sich allmählich etwas zu tun, wenn man einer gemeinsamen (!) Pressekonferenz der jeweiligen Minis­terpräsidenten dieser Länder glauben schenken darf. Die Aktivität kommt spät, aber besser spät als nie.

Fazit: Der Zeitgeist ist grün. Jungwähler zwingen die etablierten Parteien zu Kurskorrekturen. Nach Atomausstieg und dem Ausstieg aus der Kohle ist jetzt die deutsche Leitindustrie dran, die Automobilindustrie. Möge es gelingen. In jedem Fall empfiehlt es sich auch als Deutschland-AG das Schicksal der SPD im Auge zu behalten. Denn ist der Markenkern erst ruiniert, gibt es fast keinen Weg zurück. Bleibt Deutschland also Hochtechnologieland? Wollen wir es hoffen, die Weichenstellungen scheinen allerdings eher in Richtung Museumsrepublik zu führen.


Über den Autor

Christian Rasp ist Rechtsanwalt und seit 1992 in Thailand, Hongkong und China tätig. Er leitet ein spezialisiertes Consulting-Haus, lebt und arbeitet in Hua Hin, Bangkok und Hongkong. Die Kolumne Nachgefragt“ beschäftigt sich vorwiegend mit aktuellen ökonomischen Fragestellungen, die es verdienen, etwas genauer unter die Lupe genommen zu werden.

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Norbert Kurt Leupi 26.06.19 10:46
Meine Definition von Kultur ...,
Herr Obermeier , heisst : Kultur ist seit längerem nur noch der Versuch , den Niedergang der Kultur aufzuhalten !
Norbert Kurt Leupi 25.06.19 00:49
Kulturkreis / Herr Obermeier
Aber doch schon , wir haben schon innerhalb der Schweiz 4 verschiedene Kulturen und Sprachen und seit anfangs der 90 - iger Jahren leider die Multi-Kulti - Kultur ! Fehlt nur noch dass der Islam auch noch zur Schweiz gehört , wie in Deutschland !
Norbert Kurt Leupi 24.06.19 23:50
Anderer Kulturkreis / Herr Mike Dong
Wenn Sie mir ans " Bein pinkeln wollten " , kann ich Ihnen gerne verraten , meine beiden Thai-Frauen waren auch Weiss , aber keine " Drachen , aber trotzdem hat`s nicht gehalten und waren * Liebschaften * auf Zeit " ! " Es war halt von mir nicht so vom Herzen gekommen , was auf Herzen wirken sollte !
Jürgen Franke 24.06.19 20:03
Herr Swisshai, mit den unterschiedlichen
Kulturkreisen waren in erster Linie selbstverständlich die verschiedenen Religionszugehörigkeiten gemeint. Menschen haben aufgrund ihrer Erziehung. gewisse Schwierigkeiten, sich einzugliedern. Sorry, für meine Formulierung, die offensichtlich zu Missverständnissen geführt hat. Zum besseren Verständnis ein Beispiel aus Deutschland: Die Brüder türkischer Eltern haben die Aufgabe bekommen, der Schwester nachzuspionieren, um zu prüfen, dass die Kontakte der Schwester nicht schon unsittlich sind. Bei aller Toleranz werden wir leider feststellen müssen, dass nicht alle Religionen kompatibel sind.
Thomas Knauer 24.06.19 20:00
Lebe ja immer noch zu großem Teil in Deutschland. Sicher hat der Autor in vielem Recht.
Was die Automobilindustrie betrifft jedoch irrt er, die Zukunft verschlafen hat diese selbst. Satt und selbstgefällig hat man hier die Zeichen der Zeit selbst nicht erkannt und dann durch Betrug auf sich aufmerksam gemacht.
Wenn sie sich dann jetzt hinstellen und von Umstellung auf E Autos fabulieren ist das genauso ein Irrweg. Es müssen andere Antriebsarten verwendet werden, das Wasserstoff getriebene Auto ist bei den Konkurrenten schon erhältlich.....
Die Kanzlerin hat die BRD durch einige Krisen gut durchnavigiert. Das Fehler gemacht wurden, geschenkt, nur wer nichts tut macht keine.
Heute steht Deutschland immer noch sehr gut da, klar kann das Wachstum nicht stetig weiter gehen, kann jeder am eigenen Leib testen. Es gibt Probleme die in naher Zukunft akut werden, die sind auch identifizier und es wird gehandelt. Immer könnte dies schneller und effektiver geschehen, in einer Demokratie mit den unterschiedlichen Interessen die alle berücksichtigt werden wollen ein Ding der Unmöglichkeit.
Mir ist es auch lieber sie setzt das Machbare um als irgendwas zu versprechen und dann ständig zurück rudern zu müssen.
Mike Dong 24.06.19 16:20
Manchmal treibt mich der "andere Kulturkreis" hier fast in den Wahnsinn. Aber nach ein paar Minuten des "In-mich-gehens" danke ich Gott und allen sonstigen Geistern, daß ich hier in T sein kann, eine wunderbare Tochter des Landes als Frau habe, und nicht einen weissen Drachen. Dafür kann ich sogar einige verbesserungswürdige Dinge hier aushalten. Möge es lange anhalten !!!
Norbert Kurt Leupi 24.06.19 13:28
Integration / Herr Michael Meier
Werter Michael ! Kurz und bündig zu deinem Comment : " Leider verändert sich die Wahrheit nicht , wenn man sie ignoriert ! Wenn`s nicht passt , dann passt es nicht " ! Have a nice day !
Norbert Kurt Leupi 24.06.19 12:13
Verschiedene Kulturkreise / Herr TheO Swisshai
also ich habe es auch " probiert " , das Zusammenleben mit verschiedenen Kulturkreisen : die Erste 1974 war eine Spanierin , die nach 2 Jahren wieder nach Hause wollte (und den CH-Pass freiwilig zurückgab ) , die Zweite ,1984 ,war eine Deutsche , die 1992 nicht mit mir nach TH auswandern wollte und wieder nach Mannheim zurückkehrte , und die Dritte , 1992 , eine Thai , mit der ich einen Sohn habe , die ich aber nicht " gekrönt " habe und die Vierte , 1994, auch eine Thai , die 2001 in die Schweiz wollte und auch ging , wegen der Schule unseres gemeinsamen Sohnes ! Habe mich von allen scheiden lassen , bin aber mit allen in Kontakt und besuche sie jährlich ! Ich habe mich , im Gegenteil von Ihnen , zu wenig bemüht um ein funktionierendes Zusammenleben , darum bin ich Zusammengekommen , um eines Tages wieder auseinander zu gehen ! " That`s it " !
Norbert Kurt Leupi 24.06.19 12:11
Lebensstandard / Herr TheO Swisshai
Grundsächlich haben sie ja recht , dass Monaco, San Marino , Andorra , FL ., aber auch die Schweiz k e i n e Voll-Mitglieder der EU sind , aber in einigen Punkten eng an die EU gebunden oder teilweise nach EU-Vorschriften handeln ! Ich glaube das nennt sich 7 Punkte - Programm und eines davon ist z.B. das Luftverkehrsabkommen oder die Schengen-Dublin Vereinbarung ! Aber alle genannten weisen den höheren Lebensstandard auf als die BRD !
TheO Swisshai 24.06.19 10:32
@Jürgen Franke / Verschiedene Kulturkreise
Ihre Aussage, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen nicht zusammen passen, ist so sicherlich nicht korrekt. Ich bin z.B. schon seit 17 Jahren mit meiner Thailändischen Frau verheiratet. Natürlich war es anfänglich nicht einfach, dafür funktioniert es jetzt um so besser. Wenn beide Seiten es wollen und sie sich beide darum bemühen, können sie sehr wohl zusammenpassen. Es gibt genügend Beispiele wo ein Zusammenleben problemlos funktioniert. Z.B. China Towns in jeder Megacity der Welt,oder Milionen Japanisch und Deutschstämmigen in Brasilien, oder früher Saisonarbeiter aus Südeuropa etc. Einfach ist es selbstverständlich nie. Ausserdem kann man die Zeit nicht zurück drehen. Das Zusammentreffen verschiedener Kulturkreise ist nicht mehr zu vermeiden, jedenfalls nicht ohne wieder in das Zeitalter der Rassentrennung zurückzufallen Das wird hoffentlich nicht passieren.
TheO Swisshai 24.06.19 10:30
Norbert Kurt Leupi / EU-Mitglieder
Grundsätzlich haben Sie recht was Ihre Kritik bezüglich Lebensstandart anbelangt. Allerdings sind Monaco und San Marino keine EU-Mitglieder. Stattdessen könnte man aber Finnland und Schweden erwähnen.
Norbert Kurt Leupi 23.06.19 22:55
Aber in keinem Land ...Herr Mar Rio
der EU ist der Lebenstandard so hoch wie in Deutschland ? Jetzt muss ich sie aber wirklich als " Träumer " bezeichnen oder kommen Sie von der " Darkside of the Moon " ? Was meinen Sie denn wie hoch der Lebensstandard z.B. in Monaco , San Marino , Niederlande oder Luxenburg et cetera ist ?Allein schon die miese Rente der Deutschen , zeugt nicht von einem erhöhten Lebensstandard ! Nicht mehr und nicht weniger ! Ihr Comment war jetzt wirklich besser als das Wort zu Sonntag ! Amen .
Dieter Schell-Zahn 23.06.19 22:54
Zum kaputtlachen.
Herr Rasp, sie sprechen mir aus der Seele. Ich habe Merkels Rede vor den Studenten der Harvard Universitaet genau verfolgt. Sie sprach von ehrlicher Politik mit einem Seitenhieb auf Trump, obwohl sie selbst luegt dass sich die Balken biegen, sobald sie nur die Klappe aufmacht. Ein Leser meinte sogar, dass sie uns in den letzten 14 Jahren erfolgreich durch die Kriesen der Welt gefuehrt hat. Tatsache ist aber, dass auch durch ihre Politik, der Verschwendung und Verteilung von Steuergeldern in alle Welt der Euro an einem Punkt angelangt ist, dass er noch nicht einmal das Papier wert ist, auf das er gedruckt wird. Das Herzstueck der deutschen , die Autoindustrie liegt am Boden und es wird durch ihre linksgruene Ideologie zur Freude der Gruenen taeglich mehr und mehr ruiniert. Der noch vorhandene Spargroschen, wenn ueberhaupt hat seinen sichersten Platz unter dem Kopfkissen, weil die EZB unter ihrem Praesidenten zur Bad Bank geworden ist. Dazu bekommen wir noch taeglich zigtausende neue Facharbeiter, die vielleicht benoetigt werden, die aber nur die Qualitaet eines Hufschmiedes besitzen. Ja, sie haben recht mit ihrer Vermutung, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft eventuell Europas schoenste Museumsrepublik werden in dem aber die noch verbliebenen nichtmuslimischen Deutsche, die schon laenger hier leben,kein Geld mehr haben, die zu Museen umfunktionierten ehemaligen Werkshallen eines einst bluehenden Landes, zu besuchen.
Jürgen Franke 23.06.19 22:53
Herr Rasp, jeder Satz ist eine komplette
Analyse der Regierungszeit von Merkel. Sie mußte Deutschland durch die Krisen führen, die durch die permanenten Kriege der USA verursacht wurden. Als Mitglied in der Nato blieb ihr auch nichts anderes übrig, als daran teilzunehmen. Das Öffnen der Grenzen hat zum Brexit geführt und wird weiter für Unruhen in Deutschland sorgen, denn leider fehlt die Einsicht der Verantwortlichen, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen nicht zusammen passen. Die Bildungspolitik, auf 16 Bundesländer verteilt, ist eine einzige Katastrophe, nicht nur weil tausende Lehrer in den Schulen fehlen, sondern weil der Lehrplan der Schulen aus dem letzten Jahrhundert zu stammen scheint, sonst würden die Kinder nicht auf der Straße für die angeblichen Fehler ihrer Eltern demonstrieren. Informierte und gebildete Menschen lassen sich jedoch schlechter beeinflussen.