Macron zieht sich warm an

im Rollkragenpulli zum Dinner bei Scholz

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, r) empfängt Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, zum Tag der Deutschen Einheit zu einem Abendessen im Bundeskanzleramt. Foto: Fabian Sommer/dpa
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, r) empfängt Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, zum Tag der Deutschen Einheit zu einem Abendessen im Bundeskanzleramt. Foto: Fabian Sommer/dpa

PARIS/BERLIN: Warm anziehen gegen die Energiekrise: In Frankreich scheint der Rollkragenpullover in Mode zu kommen. Selbst Präsident Emmanuel Macron trägt ihn bei offiziellen Terminen - am Montag auch in Berlin.

Dinner im Pulli: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist im neuen Warm-anziehen-gegen-die-Krise-Look mit einem Rollkragenpullover beim deutschen Kanzler Olaf Scholz erschienen. Scholz (64) empfing Macron (44) am Tag der Deutschen Einheit zu einem Abendessen im Bundeskanzleramt. Während Scholz im üblichen Politiker-Dress - Anzug mit Hemd und Krawatte - für die Fotografen posierte, trug Macron einen dunklen Rolli unter dem Jackett. Eine kleine Kehrtwende: Im Wahlkampf im Frühjahr gab es noch Fotos von Macron, offenherzig mit weit aufgeknöpftem Hemd und sichtbarem Brusthaar. Nun also präsentiert er sich hochgeschlossen.

In den vergangenen Tagen bekam das Thema warme Kleidung angesichts der Energiekrise in Europa schon einige Aufmerksamkeit in Frankreich. Da man sich diesen Winter warm anziehen und die Heizung runterdrehen müsse, will die französische Regierung als Vorbild vorangehen.

Premierministerin Élisabeth Borne, die seit Wochen Energiesparappelle an die Bevölkerung richtet, erschien bei mehreren Terminen in Steppjacken, ebenso Energiewendeministerin Agnès Pannier-Runacher.

Der sonst stets Anzug tragende Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire wählte einen Rollkragenpulli und verkündete etwa im Sender France Inter: «Sie werden mich nicht mehr mit einer Krawatte sehen, sondern mit einem Rollkragenpullover. Und ich denke, das wird sehr gut sein, es wird uns erlauben, Energie zu sparen.»

Staatspräsident Emmanuel Macron blieb zunächst bei seinen akkurat geschneiderten Anzügen. Am Montag aber hatte er schon tagsüber bei einem Termin in Paris plötzlich ebenfalls einen Pulli an.

Die französiche «Gala» kommentierte: «Nach Bruno Le Maire in der vergangenen Woche tauschte Emmanuel Macron seine Krawatte gegen einen Pullover.» Und weiter: «Ein Kleiderwechsel, der das Bewusstsein der Franzosen für die Energiekrise schärfen soll. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine am Donnerstag, 24. Februar 2022, befindet sich Europa, das hauptsächlich von Russland beliefert wurde, in Schwierigkeiten.»

Das Schaulaufen der Regierung in Winterklamotten stieß auch auf Kritik. Von einer «Politik der Versager» sprach die rechtsnationale Politikerin Marine Le Pen. «Sie können nicht genug heizen? Dann sollen sie Kaschmir anziehen!»

Das ist als Anspielung auf das legendäre Zitat von Königin Marie Antoinette im Zuge der Französischen Revolution zu verstehen. Während das Volk in Paris hungerte, soll sie luxuriöse Feste in Versailles gefeiert und angeblich gesagt haben: «Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Kuchen essen!»

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