Maas stellt Italien Aufnahme von Migranten in Aussicht

Der deutsche Außenminister Heiko Maa besucht Rom.Foto: epa/Giuseppe Lami
Der deutsche Außenminister Heiko Maa besucht Rom.Foto: epa/Giuseppe Lami

ROM: Es kommen wieder mehr Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa. Außenminister Maas verspricht bei seinem Besuch in Rom, Italien damit nicht alleine lassen. Und dann hat er dort noch einen sehr ungewöhnlichen Termin.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat Italien die Aufnahme von Migranten in Aussicht gestellt, die nun wieder verstärkt aus Afrika über das Mittelmeer kommen. «Italien darf hier mit dieser Frage nicht alleine gelassen werden», sagte der SPD-Politiker am Mittwoch nach einem Gespräch mit dem italienischen Außenminister Luigi Di Maio in Rom. Bei seinem zweitägigen Besuch dort wurde er als erster deutscher Außenminister seit 20 Jahren auch vom Papst zu einer Privataudienz empfangen. Dabei sprach er das heikle Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche an. Die umstrittenen Segnungen homosexueller Paare in Deutschland waren dagegen kein Thema.

Vor allem aus Libyen versuchen wieder mehr Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. Auf der kleinen Insel Lampedusa waren zuletzt innerhalb weniger Tage mehr als 2000 Menschen angekommen. Maas nannte keine konkrete Zahl von Migranten, die Deutschland aufzunehmen bereit wäre. Man müsse zunächst innerhalb der Bundesregierung vor allem mit dem Innenministerium über das Thema sprechen.

«Deutschland hat sich in der Vergangenheit bereits an der Verteilung von Schutzsuchenden beteiligt, und wir werden das auch zukünftig so machen», betonte der Außenminister. Wer sage, Italien dürfe nicht alleine gelassen werden, müsse daraus auch die Konsequenzen ziehen. Das müsse aber auch für andere EU-Mitgliedstaaten gelten. In der Europäischen Union gibt es seit Jahren Streit über die Verteilung von Flüchtlingen, die vor allem in Griechenland und Italien ankommen.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen kündigte am Donnerstag den Einsatz eines eigenen Schiffes an, um Migranten zu retten. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) starben 2021 bereits 557 Menschen bei Überfahrt-Versuchen nach Europa im zentralen Mittelmeer.

Das Gespräch des Katholiken und früheren Messdieners Maas mit dem Papst dauerte mehr als 40 Minuten und damit fast drei Mal so lange wie geplant. Zu den Themen zählten die Eskalation des Nahost-Konflikts, die Bekämpfung der Corona-Pandemie, die Zukunft der Europäischen Union und die deutsche Lateinamerika-Politik.

Der SPD-Politiker hatte bereits vor dem Gespräch angekündigt, dass er mit dem 84-jährigen Franziskus über den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester sprechen wolle. Dies sei eine Frage, die viele Menschen bewege und ihr Verhältnis zu ihrer Religionsgemeinschaft bestimme, sagte er. Wie der Papst sich zu dem Thema geäußert hat, wollte der SPD-Politiker anschließend aber nicht sagen: «Ich bin nicht befugt, das, was der Papst zu diesem Thema gesagt hat, hier zu verkünden. Es ist aber sicherlich ein Thema, das hier im Vatikan nicht unbekannt ist.»

Maas hatte vor der Audienz auch die etwa 100 Segnungsgottesdienste für hetero- und homosexuelle Paare in Deutschland begrüßt, die international für viel Aufsehen gesorgt haben. Im März hatte die Glaubenskongregation des Vatikans klargestellt, dass es nicht erlaubt sei, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Bei der Audienz sprach Maas das Thema aber nicht an.

Joschka Fischer war vor ihm der letzte deutsche Außenminister, der von einem Papst empfangen wurde. Das war 2003. Eigentlich sind Privataudienzen beim Papst Staats- und Regierungschefs sowie im Fall Deutschlands auch Ministerpräsidenten der Länder vorbehalten, da diese Kirchenvertragspartner des Heiligen Stuhls sind.

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