Signal an Putin: Luftwaffen-Manöver

Präsident Wladimir Putin trifft sich mit dem Präsidenten von Rostelecom, Michail Osejewski, im Kreml in Moskau. Foto: epa/Gavriil Grigorov
Präsident Wladimir Putin trifft sich mit dem Präsidenten von Rostelecom, Michail Osejewski, im Kreml in Moskau. Foto: epa/Gavriil Grigorov

BERLIN: Etwa 2000 Einsätze von 250 Militärflugzeugen aus 25 Nationen: Im Luftraum über Deutschland wird es ab Montag während des Großmanövers «Air Defender 23» eng. Wie stark zivile Flüge beeinträchtigt werden, ist aber noch unklar.

Das größte Luftwaffen-Manöver in der Geschichte der Nato soll auch ein Signal der Stärke an den russischen Präsidenten Wladimir Putin senden.

Das machte die US-Botschafterin in Deutschland, Amy Gutmann, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zu der von der Deutschen Luftwaffe geführten Übung «Air Defender 23» klar, die am kommenden Montag beginnt und zehn Tage dauert. «Es würde mich sehr wundern, wenn irgendein Staatsoberhaupt der Welt nicht zur Kenntnis nehmen würde, was dies (das Manöver) in Bezug auf den Geist dieses Bündnisses, das heißt die Stärke dieses Bündnisses, zeigt. Und das schließt Herrn Putin ein», sagte Gutmann.

Unterschiedliche Einschätzungen gibt es weiterhin zu den Beeinträchtigungen des zivilen Flugverkehrs im deutschen Luftraum durch das Manöver. «Das wird sich maximal im Minutenbereich bewegen», sagte der Inspekteur der Deutschen Luftwaffe, Ingo Gerhartz, zu möglichen Verspätungen von Flügen. Außerdem betonte er, dass die Übung vor den Schulferien und damit vor der großen Urlaubsreisewelle stattfindet. Auch der Direktor der US-Nationalgarde, Michael Loh, rechnet nicht mit größeren Auswirkungen auf den zivilen Luftverkehr. «Wir erwarten minimale Unterbrechungen», sagte er.

Die Fluglotsengewerkschaft GdF hatte zuvor eine andere Prognose aufgestellt. «Die Militärübung «Air Defender» wird natürlich massive Auswirkungen auf den Ablauf der zivilen Luftfahrt haben», sagte ihr Vorsitzender Matthias Maas der Deutschen Presse-Agentur. Er verwies auf ein von der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol errechnetes Szenario, das bis zu 50.000 Verspätungsminuten je Manövertag ausweist.

Auch der Flughafenverband ADV rechnet mit deutlichen Beeinträchtigungen. Präsident Stefan Schulte wies darauf hin, dass für die Übung «mehrstündig große Luftraumblöcke für das Militär reserviert» würden. «Trotz aller vorbereitenden Maßnahmen durch Flugsicherung, Airlines und Flughäfen, damit die Beeinträchtigungen so gering wie möglich bleiben, können wir derzeit nicht ausschließen, dass es zu deutlichen Verspätungen im zivilen Luftverkehr und Flugstreichungen kommen kann.»

An dem Manöver sind 25 Staaten - vor allem aus der Nato - mit 250 Flugzeugen und fast 10.000 Soldaten beteiligt. Es sind etwa 2000 Flüge geplant. Gutmann würdigte ausdrücklich die deutsche Führungsrolle bei «Air Defender 23»: «Das ist unglaublich wichtig. Wir sind unglaublich dankbar.»

Die Idee für das Manöver gab es bereits 2018 - nach der russischen Annexion der ukrainischen Krim-Halbinsel, aber lange vor der russischen Invasion in der Ukraine. Gerhartz warb um Verständnis für die militärische Bedeutung, die solche Übungen für die Luftstreitkräfte hätten. «Sicherheit gibt es eben nicht zum Nulltarif», sagte er zu den damit verbundenen Beeinträchtigungen und zu den Kosten. Genau beziffern konnte er allerdings noch nicht, wieviel Steuergeld dafür investiert wird.

Kritik an dem Manöver kommt aus der Opposition. «Ich bezweifele, dass die Nato mit dieser Machtdemonstration der Superlative sonderlich Eindruck bei der russischen Führung schinden wird», erklärte der außenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Gregor Gysi. «Auch das Vorgänger-Manöver der Nato 2021 hat Putin nicht davon abgehalten, einige Monate später die Ukraine zu überfallen.» Gysi meint das von den USA geführte Manöver der Landstreitkräfte «Defender Europe 21» vor zwei Jahren.

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Jürgen Franke 11.06.23 08:50
Michael, genau so ist es
Nur Querdenken erweitert den Horizont und muß nicht immer falsch sein.
michael von wob 11.06.23 08:00
@ Jürgen
Der Querdenker-Guru erweitert nur deinen Horizont und Seinesgleichen.
Jürgen Franke 11.06.23 07:40
Herr Schwake, es gibt offensichtlich
nur zwei Möglichkeiten in dieser Angelegenheit: Entweder Sie wollen nicht, oder Sie können nicht verstehen. Mehr als Ihnen diese Hinweise zu geben, Ihren Horizont zu erweitern, stehen mir nicht zur Verfügung, da der Sachverhalt etwas komplexer ist, als Sie ihn darstellen. Schönen Sonntag.
Rolf W. Schwake 11.06.23 06:10
Falls es einige Kommentatoren ...
... immer noch nicht geschnallt haben. Es bringt nichts, von einem Thema abzuschweifen! Wenn es darum geht, den Verantwortlichen eines Verbrechens zu finden, sollte man nicht versuchen, die ganze Geschichte mit ähnlichen Delikten aufzuarbeiten. Einzig und allein der diskutierte Sachverhalt ist ausschlaggebend - auch wenn andere Länder ebenso erst vor der eigenen Haustür kehren sollten. Und Äpfel mir Birnen zu vergleichen, ist etwas anderes als Äpfel mit dem gesamten Obst zu vergleichen. Aber dazu muss man denken wollen - und können
Jürgen Franke 10.06.23 08:20
Herr Schwake, ich erlaube mir hinzuzufügen,
dass nach meinen Beobachtungen die UN-Vollversammlung immer genau unterscheidet, wer Kriege führt. Offensichtlich ist Ihnen auch entgangen, dass der erste Krieg von deutschen Boden aus 1999, ohne UN Mandat, unter Schröder (SPD), Fischer (Grüne) geführt wurde.
Michel Maillet 10.06.23 02:30
Khun Schwake
Herr Franke hat in seinem kurzem Kommentar eigentlich gar nichts relativiert sondern Krieg an sich in Frage gestellt. Übrigens vergleicht man nicht Äpfel mit Obst sondern Äpfel mit Birnen
Rolf W. Schwake 10.06.23 02:00
Herr Franke, Sie sollten nachdenken ...
... bevor Sie einen Kommentar ins Netz stellen: Wenn jemand wegen eines vorsätzlichen heimtückischen Mordes vor dem Landgericht angeklagt wird, werden die Tatbestandsmäßigkeit, die Rechtswidrigkeit und die Schuld dieses angeklagten Falles untersucht. Das Gericht interessiert sich nicht dafür, ob auch andere Menschen gegen das Strafgesetzbuch verstoßen oder ob der Angeklagte Zeit seines Lebens ein wohl beleumundeter Mensch war, der nur Gutes getan hat - das ist höchstens für die Strafzumessung relevant.
Genauso ist aber auch die UN-Charta. Es interessiert hier nicht, ob auch andere Länder gegen die UN-Charta verstoßen. Mit überwältigender Mehrheit durch die UN-Vollversammlung ist der verbrecherische Angriff der russischen Föderation gegen die Ukraine als das gebrandmarkt worden, was es ist: Ein permanentes Kriegsverbrechen. Der Versuch, diese Schuld zu relativieren, fabriziert nur neue Tatgehilfen.
Ausschlaggebend für die Beurteilung dieses Sachverhalts ist einzig und allein die Resolution der UN-Vollversammlung, in der nur 5 Länder von 193 inklusive Russlands selbst gegen die Resolution gestimmt haben! Herr Franke, Sie vergleichen hier einen Apfel mit Obst - und das ist weder fair noch objektiv.
Jürgen Franke 09.06.23 19:20
Jeder Krieg ist grundsätzlich ein Verbrechen
Nicht nur der, den Putin jetzt vom Zaune gebrochen hat, Herr Schwake.
Rolf W. Schwake 09.06.23 17:00
Nein, das ist ein Irrtum ...
... denn hier wird geübt, wie man sich gegen einen verbrecherischen, alles Völkerrecht widersprechenden Angriffskrieg zur Wehr setzen kann, wie man einem Verbrecher klar macht, dass in einer Welt der UN-Charta Verbrecher nicht auch noch für ihre Verbrechen belohnt werden - denn das ist das Hauptziel dieser Übung.
Peter Joe 08.06.23 13:10
Probelauf
Sie ueben mal wie man Russland angreifen koennte. Die Nato will den Krieg, angefuehrt von den Amis auf Deutschem Boden und die Aussen Ministerin Frau Baerbock findet das noch gut und mag nich warten bis es losgeht.