Löw beginnt WM-Feinschliff

​Noch zwei Fragezeichen für Mexiko-Elf

Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw. Foto: epa/Sascha Steinbach
Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw. Foto: epa/Sascha Steinbach

EPPAN (dpa) - Das Trainingslager in Südtirol geht in die Endphase. Der Bundestrainer richtet den Fokus ganz auf die WM und das Auftaktspiel. Löw gibt ein Versprechen. Boateng steigt ein - Özil sorgt für Wirbel.

Nach der Aufstellung zum Mannschaftsfoto mit allen 23 WM-Spielern drängte Joachim Löw zur Arbeit auf dem Fußballplatz. Am Tag nach der Streichung von Leroy Sané, Bernd Leno, Nils Petersen und Jonathan Tah aus dem Aufgebot für Russland startete der Bundestrainer mit den in Eppan verbliebenen Nationalspielern den Feinschliff für die Weltmeisterschaft. Eineinhalb Wochen bleiben dem erfahrenen Turnier-Trainer Löw noch, um ein Versprechen einzulösen.

«Ziel ist natürlich das erste Spiel gegen Mexiko. Darauf ist der Fokus gerichtet. Bis dahin werden wir in einem sehr, sehr guten Zustand sein», sagte der Weltmeistercoach vor dem Endspurt im Trainingslager in Südtirol. Zwei gute Nachrichten gab es am Dienstag in Eppan: Jérôme Boateng stieg ins Mannschaftstraining ein. Und auch Champions-League-Sieger Toni Kroos ist nach seinem Sonderurlaub endlich mitten drin. Der «absolute Schlüsselspieler» (Löw) wird am Freitagabend (19.30 Uhr/ARD) bei der WM-Generalprobe in Leverkusen wieder die Chefrolle im deutschen Mittelfeld einnehmen.

Mesut Özil nahm am drittletzten Trainingslagertag dagegen nicht am Teamtraining teil. Der Spielmacher absolvierte eine individuelle Einheit im Fitnesszelt, radelte zunächst und stemmte dann Gewichte. Am anschließenden Medientag wollte er zudem als einziger Spieler nicht teilnehmen. Laut DFB begründete das der Arsenal-Profi damit, zu dem umstrittenen Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan schon alles gesagt zu haben.

Teamkollege Ilkay Gündogan, der Erdogan bei der Zusammenkunft in London ein Trikot mit Widmung überreicht hatte, wollte sich zumindest einigen Medienvertretern stellen. Das politisch aufgeladene Thema werden der Verband und die beiden in Gelsenkirchen geborenen Deutsch-Türken nicht los.

Nach dem 1:2 in Österreich und inzwischen fünf Länderspielen ohne Sieg kommt dem sportlich letzten Probelauf gegen WM-Teilnehmer Saudi-Arabien eine größere Bedeutung zu. «Wir müssen uns steigern, definitiv», sagte Vize-Kapitän Sami Khedira: «Die Trainingssteuerung wird so angelegt, dass wir am Freitag spritziger sind.»

Im letzten Testspiel vor dem WM-Ernstfall dürfte Löw wie vor früheren Turnieren weitgehend die Elf auflaufen lassen, die auch am 17. Juni in Moskau gegen Mexiko in das WM-Turnier starten soll. Und in dieser Wunschformation gibt es nur noch zwei Fragezeichen. Reicht es für Boateng nach dessen Oberschenkelverletzung schon zum ersten Spiel? Und wer erkämpft sich das Startelf-Mandat auf dem linken Flügel, Favorit Julian Draxler oder der Dortmunder Marco Reus?

Positiv ist für Löw, dass er endlich mit dem kompletten Kader arbeiten kann. «Wir haben keine schwerwiegenden Verletzungen, das ist schon mal sehr wichtig.» Aber es gibt noch Mängel zu beheben. «Das Spiel gegen Österreich hat gezeigt, dass wir in einigen Bereichen diese und nächste Woche noch intensiv arbeiten müssen», sagte Löw: «Es sind einige Dinge nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben noch einige taktische Probleme aufgezeigt bekommen.»

Nach der Klärung der Nummer-1-Frage steht die Defensivabteilung. Im Tor steht Kapitän Manuel Neuer. Die Viererkette davor bilden Joshua Kimmich, Boateng, Mats Hummels und Jonas Hector. Sollte es für den 29-jährigen Boateng bis zum Mexiko-Spiel nicht reichen, könnte Löw in der Innenverteidigung Niklas Süle oder Antonio Rüdiger aufbieten.

Davor steht das Weltmeister-Bollwerk Khedira/Kroos. Thomas Müller, Özil und Draxler oder Reus bilden die offensive Mittelfeldreihe hinter der Sturmspitze Timo Werner. «Julian Draxler hat einen guten Confed Cup gespielt und da große Fortschritte gemacht», betonte Löw.

Der 24-jährige Draxler, der bei der WM 2014 noch Reservist war und von Löw nur einmal im Halbfinale gegen Brasilien eingewechselt wurde, hat sich zu einer festen Größe im DFB-Team entwickelt. Bei der EM 2016 schaffte er den Durchbruch, 43 Länderspiele stehen für den Offensivspieler von Paris Saint-Germain inzwischen zu Buche. «Ich werde versuchen, dem Trainer zu zeigen, dass ich eine große Hilfe für die Mannschaft sein kann», sagte Draxler im Trainingslager.

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Leserkommentare

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Jürgen Franke 06.06.18 21:13
Dieses Thema wir uns nun noch lange
begleiten. Der Fehler, den die beiden Deutsch-Türken gemacht haben, hätte eigentlich nicht passieren dürfen. Der DFB hätte voraussehen müssen, dass diese Spieler jedoch die Tragweite ihres Handelns nicht überblicken können.
Erwin Gasser 06.06.18 18:11
WM Kader
Warum läßt Löw gute, junge Spieler zu Hause ( Leroy Sané, Bernd Leno, Nils Petersen und Jonathan Tah) und nimmt dafür die türkischen Vaterlandsverräter Özil und Güdogan mit ? Dafür gehört er genauso ausgepfiffen wie die zwei Erdogan-Vasallen in dem unsagbar schlechten Spiel in Klagenfurt ! Die Nationalmannschaft soll Deutschland repräsentieren, aber viele Deutsche "pfeifen" darauf !