Vizepremier warnt vor langem Bürgerkrieg

Bewaffnete Rebellen in Tripolis. Archivbild: epa/Mohamed Messara
Bewaffnete Rebellen in Tripolis. Archivbild: epa/Mohamed Messara

ROM (dpa) - Der stellvertretende libysche Ministerpräsident Ahmed Maitik hat Europa vor Verhandlungen mit dem mächtigen Gegenspieler der Einheitsregierung in Tripolis, General Chalifa Haftar, gewarnt. «Haftar verkauft Europa, der Welt, die Idee, dass er den Terrorismus besänftigen wird. Und stattdessen wird er für 30 Jahre einen Bürgerkrieg, für 30 Jahre (die Herrschaft der Terrormiliz) IS, für 30 Jahre Verwüstung herbeiführen», sagte Maitik der italienischen Tageszeitung «La Repubblica» (Montag). Er umriss das Szenario eines Bürgerkrieges wie in Syrien in unmittelbarer Nähe zu Italien.

In dem ölreichen nordafrikanischen Land waren vor etwa zehn Tagen neue Kämpfe ausgebrochen, bei denen bereits mehr als 120 Menschen getötet und mindestens 560 verletzt wurden. Zuvor hatte Haftar seinen Truppen den Vormarsch auf Tripolis befohlen.

Seit dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi 2011 kommt Libyen nicht zur Ruhe. Seit Jahren kämpfen etliche Milizen und zwei Regierungen um die Macht. General Chalifa Haftar ist mit dem Parlament im Osten des Landes verbunden und kontrolliert mit seiner sogenannten «Libyschen Nationalarmee» große Gebiete im Osten und Süden Libyens. Er gilt als mächtigster Kontrahent von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch. Dieser wird von den Vereinten Nationen unterstützt, hat jedoch kaum Kontrolle über die Hauptstadt Tripolis hinaus.

Maitik bezeichnete Haftar als «Verräter», der die Peripherie der Hauptstadt Tripolis bombardiere und Dutzende Zivilisten töte.

Italienischen Medienberichten zufolge sollten am Montag in Rom Gespräche zur Krise in Libyen geführt werden. Daran sollten neben Maitik Italiens Premierminister Giuseppe Conte und Innenminister Matteo Salvini sowie der katarische Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani teilnehmen.

Libyen ist eine ehemalige Kolonie Italiens. In den vergangenen Jahren wurde es zu einem der wichtigsten Transitländern für Migranten auf dem Weg nach Europa. Abertausende Menschen erreichten von dort aus Italien.

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