Libyens Konfliktparteien wollen in Moskau über Feuerpause sprechen

Foto: epa/ Pavel Golovkin
Foto: epa/ Pavel Golovkin

MOSKAU (dpa) - Vertreter der libyschen Konfliktparteien sind zu Verhandlungen über eine Friedenslösung für das Bürgerkriegsland im Norden Afrikas in die russische Hauptstadt gereist.

Das bestätigte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Montag auf Facebook. Die Delegationen seien bereits eingetroffen und würden bald an den Verhandlungen teilnehmen, schrieb sie. Von russischer Seite nehmen Außenminister Sergej Lawrow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu an den Gesprächen teil.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu war einem Tweet zufolge schon in der Nacht in Moskau eingetroffen. «In Moskau, um Rahmen unserer Bemühungen, Frieden und Stabilität in Libyen zu sichern», schrieb er zu einem Foto von einem nächtlichen Empfang am Flughafen. Auch Verteidigungsminister Hulusi Akar und Geheimdienstchef Hakan Fidan waren offiziellen Angaben zufolge in Moskau.

Die beiden Konfliktparteien sollen Medienberichten zufolge ein bereits in Kraft getretenes Abkommen über eine Waffenruhe unterzeichnen. Dies solle den Weg für die Wiederbelebung des politischen Prozesses ebnen, meldete die russische Agentur Tass.

In der Nacht auf Sonntag hatte der General Chalifa Haftar überraschend einer von der Türkei und Russland vorgeschlagenen Waffenruhe zugestimmt und damit vorsichtige Hoffnungen auf ein Ende der monatelangen Gefechte aufkommen lassen. Beide Konfliktparteien warfen sich allerdings umgehend Verstöße vor.

Die Präsidenten der Türkei und Russlands, Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin, hatten die Waffenruhe am Mittwoch nach einem Treffen in Istanbul angemahnt. Die Türkei unterstützt die Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch und hatte trotz internationaler Kritik beschlossen, eigene Soldaten in das nordafrikanische Land zu schicken. Russland unterstützt dagegen - wie Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabische Emirate (VAE) - General Haftar, der eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis angeordnet hat.

In Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkrieg.

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Ingo Kerp 15.01.20 13:38
Da General Haftar mehr oder weniger kommentarlos inzwischen abgereist ist, ohne zu einem Ergebnis der Konferenz beizutragen, dürfte der weitere Weg vorgzeichnet sein. Haftar und seine Unterstüzer werden nicht ruhen, bis sie Tripolis übernommen haben und damit die Regierung im Land stellen. Inwieweit Erdowahn dann noch zur Verwirklichung seiner Pläne kommt (Gasvorkommen vor der Küste) liegt dann an Haftar, bzw. Putin.