Lesermeinungen zu Trösterin Religion

Lesermeinungen zu Trösterin Religion

Die Redaktion erreichte eine Leserzuschrift zur Kolumne „Mit spitzer Feder – Trösterin Religion“ (FA08/2021):

Lieber C.F., mit Interesse las ich ihre Kolumne „Trösterin Religion“ und denke, ein Kommentar aus christlicher Sicht wäre hilfreich. Ihrer Auffassung nach ist jeglicher Glaube nur für diejenigen hilfreich, die „angstvoll durchs Leben wandern.“

Mal ganz abgesehen davon, dass ich noch nie in meinem mittlerweile auch schon länger andauernden Leben jemanden getroffen habe, der völlig ohne Ängste, Sorgen und Nöte lebt: „Wir Christen leben aus der Hoffnung und nicht aus der Furcht“, so Bischoff H. Bedford-Strohm (EKD) zu Beginn der Pandemie.

Wenn wir heute als Deutschsprachige Evangelische Gemeinde in Thailand das Wort Dietrich Bonhoeffers „Kirche ist nur da Kirche, wo sie für die Menschen da ist“ täglich in unserem Begegnungszentrum hier in Pattaya (www.bzp.life) mit Leben erfüllen, dann tun wir das nicht, weil wir ein alttestamentarisches Jüngs­tes Gericht fürchten oder als Getriebene ziellos durch das irdische Jammertal irren. „Wer ist denn mein Nächster?“ heißt es im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Lukas-Evangelium (10,29), welches für die christliche Ethik von zentraler Bedeutung ist.

Als Christen sagen wir: Der Weg zu Gott führt zum Mitmenschen oder aber er führt ins Leere. Deswegen hat das Doppelgebot der Liebe für uns zentrale Bedeutung: Gott lieben ist unmöglich, ohne auch den Nächsten zu lieben. Das ist der eigentliche und tiefere Grund dafür, dass wir uns als Kirche zu Wort melden (müssen), wenn Armut und Ungerechtigkeit verhindern, dass Menschen gleich welcher Nationalität, Hautfarbe, politischer, spiritueller, sexueller Orientierung oder Geschlechts in Würde leben können.

Als Christen sind wir überzeugt, dass die Welt grundsätzlich in Gottes guter Hand liegt. Wir wissen aber auch, dass es viele helfende und willige Hände benötigt, um dieses gute Werk zu verrichten. Wer, wenn nicht wir? Und aus dieser Erkenntnis heraus erwächst der Mut zu entschiedenem Handeln, auch gegen mögliche Widerstände. Die Grundsätze unseres christlichen Glaubens lauten Glaube, Hoffnung und Liebe und nicht Angst, Panik und Gleichgültigkeit. Uns bieten sie ein sicheres Fundament.

Und mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehend setzen wir uns frohen Mutes und mit klarem Blick für die irdischen Realitäten im Rahmen unserer Möglichkeiten und den Grundsätzen des Evangeliums folgend für eine bessere Welt ein. Denn wie sagte Erich Kästner einmal so treffend: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ Also, herzlich willkommen im Begegnungszentrum. In diesem Sinne freundlich grüßend.

Peter Hirsekorn, Naklua


Die im Magazin veröffentlichten Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. DER FARANG behält sich darüber hinaus Sinn wahrende Kürzungen vor. Es werden nur Leserbriefe mit Namensnennung veröffentlicht!

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