Land Bridge-Projekt bedroht Koh Phayam

Koh Phayam. Foto: Tourism Authority Of Thailand
Koh Phayam. Foto: Tourism Authority Of Thailand

RANONG: Koh Phayam, die zweitgrößte Insel der Provinz Ranong und gelegen 17 Kilometer vor der Andamanenseeküste, steht im Mittelpunkt einer kontroversen Debatte. Mit einer Fläche von 35 km² ist sie ein Zufluchtsort mit unberührten Wäldern und Stränden, der alljährlich Ruhesuchende und Naturliebhaber anlockt. Die lokale Bevölkerung lebt traditionell vom Fischfang, während die idyllische Natur Besucher aus aller Welt anzieht.

In den vergangenen Jahren hat sich Koh Phayam als Modell für nachhaltigen Tourismus etabliert, der nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch wirtschaftlich bedeutend ist. „Der Tourismussektor kann jährlich bis zu einer Milliarde Baht einbringen, was einen erheblichen Anteil der Gesamteinnahmen von Ranong darstellt“, erläutert Chaiyut Anusiri, amtierender Staatssekretär der Koh Phayam Verwaltungsorganisation. Dies unterstreicht die Bedeutung der Insel für die wirtschaftliche Gesundheit der Region.

Bedrohung durch Großprojekte

Aktuelle Entwicklungen jedoch werfen Schatten auf dieses Paradies. Ein von der Regierung geplantes Landbrückenprojekt zwischen dem Golf von Thailand und der Andamanenküste könnte die ökologische Balance der Insel gefährden. Das Projekt sieht den Bau von Tiefseehäfen und eine 100 Kilometer lange Schnellstraße vor, die den Pazifischen mit dem Indischen Ozean verbinden sollen. Dieser massive Eingriff in die Natur könnte die Lebensgrundlagen der Inselbewohner und die lokale Flora und Fauna nachhaltig stören.

Lokale Lebensgrundlagen in Gefahr

Die Sorgen der Einheimischen sind groß, denn viele der Bewohner Koh Phayams, darunter ethnische Minderheiten und Seenomaden, besitzen keine formellen Landtitel. Die Regierung muss dringend klären, wie Entschädigungen und Eigentumsrechte in diesem Kontext gehandhabt werden. Die umstrittenen Pläne haben bereits zu öffentlichen Protesten geführt. Bei einer Kabinettssitzung in Ranong kamen die starken Meinungsverschiedenheiten zwischen den Befürwortern wirtschaftlicher Entwicklung und den Verfechtern des Naturschutzes zum Ausdruck.

Unklare Zukunft

Die öffentlichen Anhörungen haben bislang die Bedenken der Gemeinde nicht zerstreuen können. Wirtschaftsexperten warnen, dass die enormen Investitionen in das Projekt die potenziellen Vorteile nicht rechtfertigen könnten, besonders im Hinblick auf die logistischen und finanziellen Belastungen für die Schifffahrtsbranche. Die Diskussionen gehen weiter, während die Regierung betont, offen für Beiträge aller Beteiligten zu sein.

Das Schicksal von Koh Phayam hängt somit in der Schwebe. Während die Insel weiterhin als Rückzugsort für Erholungssuchende dient, ringt sie gleichzeitig mit der Herausforderung, ihre natürliche Schönheit gegenüber wirtschaftlichen Interessen zu verteidigen. Es bleibt abzuwarten, ob Koh Phayam seine Identität als nachhaltiges Paradies bewahren kann oder ob die Wellen des Fortschritts die Ruhe dieses einzigartigen Ortes überspülen werden.

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michael von wob 12.06.24 12:39
@ I.Kerb
Daß sie ihr Vokabular nicht ändern können wundert niemandem und die von ihnen genannten Volksgruppen haben die TV-Sendung gesehen und hätten bestimmt eine viel passendere Bezeichnung für Leute ihres Schlages als "Weisser ",
Thomas Sylten 12.06.24 10:40
@Ole
Ja - nette Geschichte, die ganz gut beleuchtet, wie das mit dem "ich meine es ja nicht böse" läuft:
Dieser Julio nannte sich selbst zwar problemlos "Neger" (vermutlich "negro"), schon weil es im Spanischen das Wort für "schwarz" ist -
aber die Weißen und Mulatten nannten ihn "Affe", im Spanischen "mono" (womöglich gar "monito" = Äffchen), was dort von denen völlig arglos und unreflektiert verwendet wird: Sie würden es sogar für eine eher liebevolle Bezeichnung halten. Aber der Betroffene fühlt sich (wen wundert's) durch das Wort halt trotzdem diskriminiert -
ein Beispiel dafür, dass es weniger darum geht, wie es vom Sprecher gemeint ist, sondern darum, wie es vom Hörer aufgefasst wird.

Weshalb es nun mal am Sprecher liegt, seine Worte kritisch zu hinterfragen - der Hörer kann sie ja nur noch ertragen mit einem (bestenfalls) "nicht so schlimm" - möglicherweise spürt er aber doch jedesmal diesen Stich der Diskriminierung, über die sich gedankenlose Sprecher eben genau keine Gedanken machen.

Die Auffassung jedenfalls, dass der Betroffene doch "nicht so empfindlich" sein solle, ist mindestens unsensibel, genauer: zynisch -
zumal wenn man bedenkt, wie unwillig Dieselben oft reagieren, wenn man sie z.B. als "alte weiße Männer" abtut: Da ist es ja auch schnell vorbei mit dem Humor, gelle..
Ole Bayern 12.06.24 03:10
Zum Thema habe ich auch noch eine kleine ...
,,, selbst erlebte Episode zum Besten zu geben. Zur Jahrtausendwende reiste ich mit meiner Familie und allen drei Kindern seinerzeit in die DomRep. Die Tochter war damals erst 7 Jhr. alt und hatte natürlich viel Spaß in dem Resort. Ein Animateur ,sein Name war Julio, gesprochen Julei, hatte einen Narren ein meiner kleinen Tochter gefressen, sie hatte seinerzeit hellblondes gelocktes Haar bis zum Hintern.
Er war ein richtige Schwarzer, klein nur max 1,60 m groß, aber unwahrscheinlich nett. Die Staff' s durften in den All - Inkl. Resorts keine Getränke - außer Wasser - von den Gästen annehmen . Der schlaue Julei bat dann immer um einen Gin - Tonic auf der Liege .... eben augenscheinlich Wasser. :-))
Meine Kinder gaben Ihm dann immer täglich einen Tipp, was die anderen Animateure offensichtlich mitbekamen . Eines Tagen kam er vollkommen bedrückt zu unsrer liege und berichtete. daß ihn die anderen Staff´s übel beschimpft hatten.
Die Dom Rep ist ein absolut rassistisches Land ... Nr .1 .. die Weißen ...Nr. 2. die Mulatten und Nr. 3. die Schwarzen. Er wurde von den weißen Staff's und auch den Mullaten immer nur als " Affe " betitelt und auch so gerufen.
Interessant war dann seine Reaktion im Gespräch mit uns . Er sagte sinngemäß ," die Weißen Animateure sind böse, ich bin doch kein Affe , ich bin ein Neger - Mensch " Ich sagte ihm, du bist wirklich ein guter Mensch. Er freute sich sichtlich über unsrer Meinung über Ihn. Zu Abschied gabs einen wirklich dicken Tipp für Ihn . Ole
Andreas Hamm 11.06.24 19:50
Guten Abend,
in unserer Region war der umgangssprachliche Begriff Neger nie negativ behaftet. Was schlimm und verachtenswürdig ist und war ist der Begriff Nigger.
Und dieses Wort wird nie über meiine Lippen kommen.
Hans-Dieter Volkmann 11.06.24 18:30
Th. Sylten 11.06.24 18:00
Herr Sylten, ihr letzter Satz bezeichnet genau das, was ich ja gemeint habe. Wäre es da nicht auch angebracht, dass genau diese Personen, welche etwas falsch aufgefasst haben, sich einmal diesbezüglich Gedanken machen, vorausgesetzt diese haben überhaupt was gemerkt. Aber lassen wir das. Mein Sprachgebrauch ist zwar ehrlich, aber offensichtlich nicht vorbildlich. Ich werde es nicht ändern können.
Thomas Sylten 11.06.24 18:00
Wir verwenden ja häufig Begriffe arglos, die dennoch - bei etwas Selbstreflektion - besser unterlassen werden. Z.B. hat man in meiner Kindheit auch noch "warten bis zu Vergasung" völlig arglos, weil unreflektiert gesagt, und so sind wir halt auch mit Begriffen wie "Neger" und "Zigeuner" großgeworden.

Aber es ist ja erlaubt und spricht nix dagegen, im Alter hinzuzulernen: Selbstredend nenne ich Schwarze "Schwarze" und Weiße "Weiße" - aber das N-Wort kommt mir heute nicht mehr über die Lippen, da ich inzwischen um seine Historie weiß.

Der Begriff "Zigeuner" stammt zwar nicht - wie gelegentlich fälschlich vermutet - von "zieh (ab), Gauner", sondern von der Selbstbezeichnung Cigani - war aber im Deutschen immer mit einem diskriminierenden Unterton verbunden, zumal die Betroffenen zugleich häufig harscher Verfolgung ausgesetzt waren. Als Angehöriger der nicht diskriminierten, oft aber diskriminierenden Mehrheitsgesellschaft ist es daher m.E. zynisch, wenn man sich auf sein Recht, zu reden wie man will, beruft - auch wenn die Betroffenen sich untereinander tatsächlich gelegentlich so nennen: Nur DIE sind über den Verdacht der Diskriminierung erhaben. Uns "Mehrheitsgesellschaftlern" (das sind wir ja auch nur in Mitteleuropa, nicht hier in LOS) steht es hingegen gut an, auch unseren eigenen Sprachgebrauch gelegentlich zu hinterfragen - und möglicherweise Begriffe zu unterlassen, die nicht diskriminierend gemeint sind, aber so AUFGEFASST werden können.
Oder?
Hans-Dieter Volkmann 11.06.24 16:50
Ole Bayern 11.06.24 15:40
Bei so vielen Ausdrucksformen liegt es oft in der Betrachtungsweise dessen, der das Wort hört und sich dann die falschen Gedanken macht. Ein Beispiel ist das Wort "Neger oder Negerkuss". Ich kenne diese beiden Wörter seit meiner frühesten Kindheit und habe nie etwas Übles damit gemeint. Heute schickt es sich nicht, diese Wörter in der Öffentlichkeit zu gebrauchen. Dann dürfte man auch nicht von Bleichgesichtern, wie in den Karl-May Büchern, oder vom "Farang" (Langnasen) lesen oder sprechen. Ergo, ich nutze diese Wörter, wie ich es einst gelernt habe und wundere mich nur über jene Heuchler, die hören und meinen, Kritik üben zu müssen.
Jörg Obermeier 11.06.24 16:40
michael von wob 11.06.24 14:30
Da hast Du natürlich recht. Vielleicht stellt erst in der heutigen Zeit der Mensch die grösste Bedrohung dar. Zumindest wenn man unter "heutig" die letzten ca. 150 Jahre meint. Dass zu dem Landbridge nun jeder aus der Deckung kommt der auch nur annimmt, dass es ihn negativ beeinflussen könnte, kann ich nachvollziehen. Egal ob man das ganze Projekt für sinnig hält oder nicht. Aber dieses Projekt wie manch andere brauchen noch eine ganze Weile bis überhaupt mal irgendwas wirklich entschieden wird. Geschweige denn gebaut. Ist ja vielleicht ja gar nicht so schlecht....
Ole Bayern 11.06.24 15:40
Umgangssprachlich MvWOB .....
..... sprechen bis heute die Menschen z.B. in SO - Europa , daß sie Zigeuner sind. Bei meinen beruflichen
" Ausflügen " nach SO- Europa war dieser Sprachgebrauch Gang und Gäbe, auch von Sinti und Roma selbst..
Auch in Tschechien und der Slowakei sprechen die Sinti und Roma über sich selbst , daß sie Zigeuner sind.
Und immer mit der " Nazikeule " hier einzuschlagen ist doch nicht zielführend . Wenn man mit dem Wort
" Zigeuner " keine niederen Beweggründe oder Beleidigungen gegen diese Menschen assoziiert , wo ist denn da das Problem ???
Obwohl ich auch auf das Wort " Zigeuner " weitestgehend verzichte , habe ich aber niemals in Gesprächen mit Sinti und Roma bei Verwendung dieses Wortes Probleme gehabt . Denn diese Menschen wissen und merken auch genau mit wem sie sprechen, und ich keine Groll hege , gegen die Menschen, welche es sowieso in der heutigen europäischen Gesellschaft nicht so leicht haben, aus mannigfaltigen Gründen .

VG Ole
Hans-Dieter Volkmann 11.06.24 15:40
Helge Fitz 11.06.2024 14:10
Da haben Sie vollkommen Recht. Der Mensch ist es der die Erde bedroht. Das wird in Zukunft nicht besser werden. Wer wird das denn glauben? Die menschliche Gesellschaft ist von Habgier und Machtgelüste getrieben. Wenn es sein muss, werden Interessen mit Gewalt, ohne Rücksicht auf das Leben des Nächsten verfolgt. Die politische Weltsituation zeigt es uns doch unmissverständlich. Wenn sich da nichts ändert, wird es eines Tages keine Menschheit mehr geben, oder es wird jemand kommen, der wird die verderben, die die Erde verderben.
michael von wob 11.06.24 14:30
@ Helge
Ihre Zeitrechnung paßt nicht. Wenn eine Naturkatasrophe die Dinos nicht ausgelöscht hätte , wären die Menschen gar nicht da.
Helge Fitz 11.06.24 14:10
Nur der Mensch stellt die große Bedrohung der Erde dar. Erst danach kommen Naturkatastrophen !
michael von wob 11.06.24 14:00
@ Ronaldo
Das Z-Wort ist keine Erfindung der NS. Die Sinti und Roma nannten sich selbst so seit dem 14. Jahrhundert bis 1971 zum Roma Weltkongress.
Ingo Kerp 11.06.24 13:40
Nur ruhig Blut. Es wird so vieles an Projekten entwickelt und angekündigt, das einem ganz schwindelig werden kann. Tatsächlich umgesetzt wird nur wenig davon, weshalb man sich u.a. die See-Zigeuner noch keine Gedanken um das Land Bridge-Projekt machen sollte. Im übrigen, in der Schule wurde gelehrt, zumindest bei mir, die Worte Zigeuner, Neger, Mohr etc. zu sprechen. So entstand auch das Lied "Du schwarzer Zigeuner". Ich habe es über Jahrzehnte so gelernt und gesprochen und habe auch nichts dagegen, wenn ein Schwarzer "Du Weißer" zu mir sagt. Ich werde definitiv meine Sprache nicht ändern, nur weil es momentan opportun ist.
Redaktion 11.06.24 13:24
Anm. d. Red.:
Der Begriff wurde in Seenomaden geändert.
Thomas Sylten 11.06.24 13:00
Danke, Ronaldo !!
Aber auch für den tatsächlichen Name dieses Volkes hätte die Zeit gereicht: Es sind Moken- (oder Moguen-) Gemeinden, die gerade auf Koh Phayam einen kleinen Rückzugsort haben.
Ronaldo 11.06.24 11:20
Das sind Seenomaden und keine Zigeuner!
Das Z-Wort ist bösartigstes NS-Vokabular. So viel Zeit muss sein.