Korruption

Korruption

Korruption begann, als Menschen etwas besaßen, was andere gerne gehabt hätten. Schon bald schalteten sich Händler ein, die gegen einen kleinen Obolus, den Handel durchführten. Schon bald bemerkten sie ihre Macht und wurden zu den „ehrlichen Maklern“, ohne die bald nichts mehr lief. Diese Entwicklung hat sich weltweit durchgesetzt.

Wenn ein Großkonzern ein Produkt entwickelt, das absolut gleichwertig ist gegenüber einem Konkurrenzprojekt und zum gleichen Preis angeboten wird, wer wird wohl den Auftrag erhalten? Natürlich der Lobbyist, der dem Kaufvertrag einen Millionenscheck im Umschlag beigefügt hat für den Parteientscheider, der die Mittel auf Konten in aller Welt verteilt hat, bis sie irgendwann nicht mehr zu verfolgen sind. Viele Facharbeiter haben das nie geglaubt. Sie glaubten an ihre gute Arbeit und freuten sich, wenn das Produkt, das sie herstellten, international begehrt war. Sie ahnten nicht, wie sie beschissen wurden. Aber irgendwann kam die Presse hinter ihre ausgefeilten Pläne. Hohe Konzernchefs von Siemens, Krupp und andere wurden vor Gericht gestellt. Sie verteidigten sich mit dem Argument, wenn sie nicht geschmiert hätten, dann hätte die Konkurrenz das Geschäft gemacht und sie hätten viele Mitarbeiter entlassen müssen. Das ist die Realität.

Staatsanwälte und Richter kennen das Problem und verhängen relativ niedrige Strafen. In vielen Ländern der sogenannten Dritten Welt nähen Schneider Hosen mit vielen Taschen. Es muss ja nicht immer um riesige Summen gehen. Wenn ein Thailehrer einem schlechten Schüler eine gute Note gibt, ist das schon ein kleines Sümmchen wert, und auch ein Mönch, der einem jungen Thai verspricht, ihn gegen Zahlung von 20.000 Baht vorm Militärdienst zu bewahren, ist ein mieser Betrüger.

Es gibt kein Land auf der Welt, wo nicht gegen Cash kleine Gefälligkeiten ausgetauscht werden. Es kommt immer nur auf die Höhe der Beträge an. Ganz aktuell ist die Geschichte im Deutschen Bundestag, wo Politiker wussten, wie und wo sie an die begehrten Covid-Masken kamen. Einige riefen an. Andere schafften es mit guten Beziehungen: Die Masken kamen, die Transaktionen liefen. Aber bei uns geht dann und wann auch mal was schief: Einige verloren ihr Abgeordneten-Mandat, andere landeten vor Gericht. Wenn es ihnen gelungen ist, das Schwarzgeld rechtzeitig zu verstecken, dann werden sie noch lange davon leben können.

Ich werde das nie begreifen. Aber eines hat sich mir tief eingegraben: Ich weiß jetzt endlich, was „Schwarze Löcher“ sind.

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