Korruption

Thailand liegt gemäss dem Global Corruption Report 2008 von Transparency International auf Platz 80, den es sich mit Brasilien, Burkina Faso, Marokko und Saudi Arabien teilt. Die Liste erfasst 180 Länder, Schlusslichter sind Myanmar (178) und Somalia (180
Thailand liegt gemäss dem Global Corruption Report 2008 von Transparency International auf Platz 80, den es sich mit Brasilien, Burkina Faso, Marokko und Saudi Arabien teilt. Die Liste erfasst 180 Länder, Schlusslichter sind Myanmar (178) und Somalia (180

(Teil 1 von 2)

Für jeden vernünftigen und die Normen der Gesetze achtenden Menschen sollte es außer Frage stehen, daß die Korruption das Vertrauen der Allgemeinheit in die Gerechtigkeit staatlichen Handelns sowie den ehrlichen Wettbewerb gefährdet und deshalb mit Strafe bedroht werden muss. Etwas für richtig halten und auch selbst danach handeln, sind aber zwei verschiedene Dinge. Korruption ist in der Politik und der Wirtschaft, in reichen Industrienationen wie in armen Entwicklungsländern zu finden. Stimmabgabe gegen Bargeld, Aufträge gegen Bezahlung, Vergabe von Stellen im öffentlichen Dienst und an guten Schulen, alle beschreiben ein und dasselbe Übel: die Korruption. Der Grad des Ausmaßes ist in den verschiedenen Ländern unterschiedlich. Bei uns zu Hause wird Korruption nur als Ausnahmeerscheinung wahrgenommen und ist gesellschaftlich geächtet, während sie in vielen ärmeren Ländern zu allen Bereichen des täglichen Lebens gehört. Überall, wo es um Macht, Geld und Einflußnahme geht, sagt die Korruption, wie der Igel in der Fabel: "Bin schon da".

Korruption = Institution

Während allerdings – wie man fast jeden Tag lesen kann – Dinge, die man unter dem Begriff Korruption einordnet, in Deutschland vor allem in den Vorstandsetagen großer Firmen üblich sind, gehört Korruption in Thailand seit jeher zum alltäglichen Leben und ist nach wie vor eher eine Institution als ein gesellschaftliches Übel. Trotz lautstarker Bekundungen einiger Politiker läßt sich die Korruption nicht ausrotten. Sie erfaßt beinahe jeden Lebensbereich und bildet eine Art zweites Gesetz. Nur durch sie können illegale Bordelle, Massagesalons und Bars im Lande existieren.

Nach einer kürzlich durchgeführten, repräsentativen Erhebung der Assumption University (ABAC) akzeptieren Thais korrupte Regierungen, solange es ihnen gut geht. 63% der Befragten waren der Meinung, daß Bestechung ein fester Bestandteil einer jeden Regierung und akzeptabel ist - solange sie dem Land und Volk Wohlstand bringt, und nur 37% fanden eine solche Einstellung verwerflich. Die allgemein übliche Praxis, daß ein Amtsträger eine gewisse Summe erhält, damit er jemandem bei einer Angelegenheit behilflich ist, wird nicht als Korruption verstanden, sondern als fester Bestandteil der alten thailändischen Kultur. Der Hintergrund ist auch hier das Schirmherrschaftssystem. Wer seinen faktischen Einfluß zum Wohl eines Klienten geltend macht, soll auch etwas dafür bekommen. Das ist wohl noch immer die vorherrschende Ansicht in der Bevölkerung.

Kein Wille zur Abschaffung

Gegen Korruption kämpfte bisher jede Regierung vergebens, auch wenn sie den Kampf gegen sie noch so laut verkündet hatte. Nicht nur die politische und bürokratische Korruption ist in Thailand endemisch, sondern auch die Akzeptanz der Korruption. So zeigte eine kürzlich veröffentlichte Meinungsumfrage, daß die Mehrzahl der Bevölkerung dieses Landes diese Praxis für normal hält. Wen nimmt es wunder, daß bei den abwechselnden Regierungen offenbar gar kein Wille vorhanden ist, das Korruptionsproblem ernsthaft anzupacken. Wirklich abschaffen kann die Bestechlichkeit wohl keiner

Eltern zahlen für die prüfungsfreie Aufnahme ihrer Kinder, und Funktionäre, die Aufträge zu vergeben haben, besitzen damit oft so etwas wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Nicht die im öffentlichen Bereich üblichen, kaum zur Deckung des Existenzminimums ausreichenden Gehälter, sondern die Möglichkeit zur Einnahme von Bestechungszahlungen zählen zu den Hauptgründen, sich überhaupt um eine Stelle im öffentlichen Sektor zu bewerben.

Günther Ruffert (Fortsetzung in Ausgabe 03/09)

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