Kopfbälle schütteln unser Gehirn durcheinander

Fußball-Profis spielen den Ball regelmäßig mit dem Kopf. Foto: Sebastian Gollnow/Dpa
Fußball-Profis spielen den Ball regelmäßig mit dem Kopf. Foto: Sebastian Gollnow/Dpa

KÖLN: Sollen Kinder beim Fußball-Training Kopfbälle üben? Manche Fußball-Verbände sagen: Nein! Manche Fachleute finden sogar, dass Kopfbälle komplett verboten werden sollten - im Training und im Spiel. Andere halten das für übertrieben.

Immer wieder mit dem Kopf gegen den Ball: Irgendwann kann einem da beim Fußball-Training schon mal der Schädel brummen. Aber wusstest du, dass Kinder deshalb in manchen Ländern keine Kopfbälle trainieren?

Im Land USA wurden Kopfbälle für Kinder unter zehn Jahren schon vor längerer Zeit verboten. Vor Kurzem zog der englische Fußballverband nach. Er untersagte sie für Kinder unter zwölf Jahren. Na ja, zumindest im Training. Im Spiel sind Kopfbälle weiter erlaubt.

Ingo Helmich findet das schwierig. Er ist Hirnforscher und arbeitet an der Deutschen Sporthochschule in Köln im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Der Experte fände es gut, wenn auch in Deutschland Kopfbälle im Kinderfußball verboten wären. Aber das müsste sowohl für das Training gelten als auch für das Spiel. «Denn Kopfbälle erfordern eine bestimmte Technik. Wenn man die im Training nicht übt und im Spiel trotzdem köpft, kann das negative Folgen haben», erklärt er.

Doch warum die ganze Aufregung? Forscher haben mehrere Tausend ehemalige Fußball-Profis untersucht. Die Forscher fanden heraus, dass die Ex-Profis anfälliger für bestimmte Hirn-Krankheiten waren.

Manche Forscher vermuten, dass die Erkrankungen etwas mit den Kopfbällen zu tun haben könnten. Doch einen direkten Beweis dafür haben die Fachleute noch nicht. Andere Experten finden ein Verbot von Kopfbällen deshalb übertrieben.

Sicher sind sich Hirnforscher wie Ingo Helmich bei einer anderen Sache: Ein Kopfball kann unser Gehirn ähnlich durchschütteln wie eine Gehirnerschütterung.

Bei einer Gehirnerschütterung treten meist bestimmte Beschwerden auf. Man bekommt zum Beispiel Kopfschmerzen, kann nicht mehr richtig sehen oder es wird einem schwindelig. Das ist nach einem leichten Kopfball normalerweise nicht so. Trotzdem können im Gehirn leichte Verletzungen entstehen. Die Forscher vermuten: Wenn man wie ein Profi Tausende Bälle köpft, kann das unter Umständen krank machen.

In Deutschland will man Kopfbälle im Kinderfußball erst mal nicht verbieten. Ein Experte vom Deutschen Fußball-Bund sagt: Spezielles Kopfball-Training ist erst ab dem 13. Lebensjahr vorgesehen. Leichtere Kopfball-Übungen werden auch schon vorher gemacht. Fachleute empfehlen Kindern aber, mit leichteren Bällen zu köpfen, zum Beispiel aus Schaumstoff.

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