Koh Tao Mord: Zeitung entschuldigt sich öffentlich

DNA-Entnahme vor laufender Kamera am 30. Oktober des Vorjahres in Bangkok. Sairee-Dorfvorsteher Woraphan Toovichien ließ seinen Sohn Warot (21) testen und für unschuldig erklären.
DNA-Entnahme vor laufender Kamera am 30. Oktober des Vorjahres in Bangkok. Sairee-Dorfvorsteher Woraphan Toovichien ließ seinen Sohn Warot (21) testen und für unschuldig erklären.

KOH TAO: Der Doppelmord-Prozess um die Ermordung zweier britischer Rucksacktouristen im September 2014 auf Koh Tao ist vor der Wiederaufnahme des Verfahrens am 18. August um eine weitere Kuriosität reicher geworden. Eine thailändische Zeitung musste sich jetzt öffentlich für angebliche falsche Verdächtigungen entschuldigen.

Die ansonsten als sehr gut informierte und kritisch bekannte englisch- und thaisprachige Zeitung ‚Khaosod‘ publizierte heute eine Art journalistischen Widerrufs. Auslöser war die Berichterstattung unmittelbar nach den Morden an Hannah Witheridge (23) und David Miller (24) am 15. September des Vorjahres gewesen. Damals war unter anderem der Sohn des Dorfvorstandes von Sairee, Warot Toovichien (21), als dringend Tatverdächtiger genannt worden.  Unter anderem auch in der Khao Sod.

Sein Vater Woraphan (49) hatte die Khao Sod nach der Veröffentlichung am 24. und 25. September 2014 juristisch verfolgt und erzielte nun einen Erfolg – inklusive der Gegendarstellung. Woraphan Toovichien zwang die Online-Zeitung auch dazu öffentlich richtigzustellen, dass sein Sohn „nicht Mitglied einer mafiösen Vereinigung auf Koh Tao“ sei.

Khao Sod musste sich für beide Behauptungen entschuldigen. Über die Höhe eines an die Familie Toovichien gezahlten Schmerzensgeldes wurde Stillschweigen vereinbart.

Der einflussreiche Lokalpolitiker von Koh Tao, dem unter anderem auch das Lokal AC-Bar gehört, hatte bereits im Oktober 2014 seine Beziehungen eingesetzt und eine spektakuläre DNA-Untersuchung seines „zu Unrecht beschuldigten Sohnes“ erzwungen. Am 30. Oktober entnahmen Polizeiforensiker bei einer Pressekonferenz in Bangkok vor laufenden TV-Kameras DNA des 21 jährigen Studenten und klärten ihn nur 24 Stunden später von allen Mordvorwürfen.

Zu der öffentlichen Beschuldigung hatte Mitte September 2014 die Polizei mit beigetragen. Ein Chefermittler, der kurz darauf von Koh Tao abgezogen wurde, hatte zunächst nach den Morden den Bürgermeistersohn als flüchtig und tatverdächtig benannt. Nach der Überprüfung des Alibis von Warot Toovichien in Bangkok durch andere Polizeibeamte wurde die Verdächtigung fallengelassen und später durch die öffentliche DNA-Show als unhaltbar manifestiert. Seither gilt der Sohn des Dorfvorstandes als unschuldig.

Vor dem Provinzgericht Koh Samui müssen sich die am 1. Oktober 2014 festgenommenen Angeklagten Wai Phyo und Zaw Lin (21) aus Myanmar wegen des Verdachtes gemeinschaftlichen Doppelmordes und der Vergewaltigung von Hannah Witheridge verantworten. Die Verhandlung hatte am 8. Juli begonnen und ist nach mittlerweile sechs Gerichtstagen völlig offen. Die zwei Gastarbeiter aus Burma bestreiten ihre Tatschuld und behaupten, ein Erstgeständnis seit durch Folter und Drohungen erzwungen worden.

Am kommenden Dienstag, 18. August, soll der bis Ende Oktober angesetzte Mordprozess ab 9 Uhr auf Koh Samui fortgesetzt werden. 

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