Koh Tao: Big Joke kündigt Flug nach London an

Mutmaßliche Vergewaltigung am Sairee Beach – Begegnung mit Opfer

Strittiger Vergewaltigungsfall, strittige Aussagen nach der ersten Ermittlung am Sairee Beach, strittige Wahrnehmungen über den angeblichen Tatort: Kann Thailands Polizeichef Big Joke Licht ins Dunkel dieser nebulösen Nacht bringen?
Strittiger Vergewaltigungsfall, strittige Aussagen nach der ersten Ermittlung am Sairee Beach, strittige Wahrnehmungen über den angeblichen Tatort: Kann Thailands Polizeichef Big Joke Licht ins Dunkel dieser nebulösen Nacht bringen?

KOH TAO: Paukenschlag im umstrittenen Fall einer mutmaßlichen Vergewaltigung am Sairee Strand von Koh Tao vom 26. Juni 2018. Thailands stellvertretender Tourist Police Chef hat angekündigt, persönlich nach London fliegen zu wollen und dort die 19-jährige Britin Isabelle B. zu vernehmen.

Ein entsprechendes Interview gab Surachate Hakparn, alias Big Joke, dem thailändischen Nachrichtensender INNnews. Demzufolge soll der Generalmajor und Ermittlungsleiter im Vergewaltigungsfall der jungen Rucksacktouristin bereits Reisepläne schmieden und das mutmaßliche Opfer treffen. Die Londonerin hatte – wie mehrfach berichtet – gegenüber britischen und thailändischen Zeitungen ausgeführt, in der Nacht zum 26. Juni nach dem Besuch der Fishbowl- und Leo Bar am Sairee Strand gegen Mitternacht betäubt und von einem ihr unbekannten Asiaten missbraucht worden zu sein.

Thaipolizei sagt bisher: keine Spuren, die eine Vergewaltigung bestätigen

Die späte Veröffentlichung des brisanten Vorwurfs hatte Ende August ein Großaufgebot an thailändischer Polizei Richtung Koh Tao in Bewegung gesetzt. Zwei Monate nach dem mutmaßlichen Verbrechen stellten die Ermittler um Surachate Hakparn bisher nur fest, dass es keinerlei Spuren oder Beweise für die Anschuldigungen der Engländerin gäbe. Außerdem wollen die Polizeidetektive herausgefunden haben, dass in der Tatnacht wegen einsetzender Flut eine Vergewaltigung am Strand gar nicht möglich gewesen sei.

Tägliche Aufzeichnungen des Marine Departments und von „one-stopp-dive“ belegten anderes. Ihren Tabellen und Zeitnachweisen zufolge habe es zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt zwischen 1 und 4.30 Uhr morgens keine nennenswerte Flut und keine Überspülung des Sairee Beachs gegeben.

Zudem sagte der Begleiter der jungen Londonerin aus, er und Isabelle seien an einer anderen Stelle, mehr als 500 Meter nördlich des Polizei-Ermittlungsortes betäubt und beraubt worden. In Kommentarforen und sozialen Netzwerken in Thailand und Großbritannien wird der Fall nicht nur deshalb bis heute heiß und kontrovers diskutiert.

Mutmaßliches Opfer und ihre Mutter halten am geschilderten Tatablauf fest

Die Mutter des mutmaßlichen Opfers und ihre Tochter, die sich laut eigenen Angaben in regelmäßiger Therapie in einem Notfallzentrum für missbrauchte Frauen in London befindet, haben seit Bekanntgabe der Vergewaltigungsvorwürfe mehrere Interviews gegeben und ihre Aussagen bekräftigt. Auch die britische Renommierzeitung THE TIMES hatte ein Gespräch mit der 19 Jahre alten Touristin geführt und mit der Publikation ein breites Echo gefunden.

Für die Diplomaten auf britischer und thailändischer Seite könnte der Besuch von Thailands derzeit bekanntestem Polizisten Surachate Hakparn eine heikle Mission werden. Der Polizeigeneralmajor hatte von Beginn an Zweifel an den Vorwürfen geäußert und im Falle eines unbewiesenen Untersuchungsabschlusses sogar eine Strafanzeige gegen die 19-jährige angekündigt. Dann könnte Isabelle B. mit einem lebenslangen Einreiseverbot für Thailand belegt werden.

Festgenommen worden sind vergangene Woche 12 Facebook-User, die Eigenrecherchen und Publikationen der in Thailand verbotenen Facebook-Plattform „CSI LA“ geteilt, geliked oder kommentiert hatten. Haftbefehle laufen sowohl gegen den Betreiber der Netzwerkseite, einen thailändisch-stämmigen US-Amerikaner sowie die Chefredakteurin der Online Zeitung „Samui Times“, Su Buchanan. Letztere hatte Koh Samui bereits im April 2016 verlassen und ist in Großbritannien für Thailands Behörden kaum zu belangen.

Welche Spuren könnten Thailands Polizeiermittler in London entgegennehmen?

Welche Spuren könnte Surachate Hakparn mit seinem Ermittlungsteam in London sichern? Dem Opfer und ihrer Mutter zufolge gibt es ein T-Shirt des Mädchens, das sie in der fraglichen Nacht getragen hatte – auf diesem soll sich Sperma des Täters befinden. Des Weiteren führte Isabelle B. an, sie habe durch die erlittene Vergewaltigung schwere Verletzungen an den Knien erlitten, weil sie ihr Peiniger im Sand während ihrer Betäubungsphase anal missbraucht habe. Auch ein Bericht der behandelnden Ärzte der Spezialklinik für Missbrauchsfälle in London soll als Grundlagendokument übergeben werden.

Das genaue Datum des hohen thailändischen Polizeibesuchs in England ist noch nicht exakt bekannt. Er soll laut INNnews jedoch zeitnah realisiert werden. Die Mutter und ihre Tochter bestätigten heute, von einem entsprechenden Termin in Kenntnis gesetzt worden zu sein.

Fotoskizze: Facebook
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