Mehr Wetterstationen in Afrika nötig

​Klima-Forscher 

Cop27-Konferenz zum Klimawandel in Sharm El-Sheikh. Foto: epa/Sedat Suna
Cop27-Konferenz zum Klimawandel in Sharm El-Sheikh. Foto: epa/Sedat Suna

SCHARM EL SCHEICH/BERLIN: Damit sich die Auswirkungen des Klimawandels in Afrika besser abschätzen lassen, sind nach Forscherangaben dringend mehr Wetterstationen nötig. Einer Studie zufolge hat der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für eine Regenzeit im Tschadseebecken, die so nass war wie in diesem Jahr, um das 80-Fache erhöht. Es war zu großen Überschwemmungen und Hunderten Todesfällen gekommen. In einer anderen Analyse konnten Forscher mangels Daten nicht herausfinden, ob der Klimawandel an einer großen Dürre und infolge dessen an einer Nahrungskrise beteiligt war.

Um den Einfluss des Klimawandels auf Dürren in der Region und damit auf die Landwirtschaft zu verstehen, sei es «von entscheidender Bedeutung», in ein Netzwerk von Regenmessern zu investieren, schreiben Forscher in einer Studie zur Ernährungskrise in der Sahelzone im Rahmen der World Weather Attribution Group (WWA).

Demnach konnten die Wissenschaftler in der Studie über eine Dürre im Jahr 2021, die die Ernteerträge in Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria und Tschad verringerte und darauffolgend in diesem Jahr zu einer Nahrungsmittelkrise führte, den Einfluss des Klimawandels nicht abschätzen, da es an zuverlässigen Daten von Wetterstationen mangelte. Die Studie konzentrierte sich auf die Regenzeit 2021 in der Sahelzone, die normalerweise von Juni bis August dauert und die Ernteerträge des folgenden Jahres stark beeinflusst. 2021 begann sie demnach spät und war kürzer und trockener als üblich. Die Trockenperiode fiel in eine kritische Zeit für Regenfeldbau und führte zu einem Produktionsrückgang.

Die Wissenschaftler stellten jedoch fest, dass die Variabilität der Niederschläge in der Region und die begrenzten historischen Wetteraufzeichnungen eine Bewertung der einschlägigen Klimamodelle erschweren und sie nicht feststellen können, ob die vom Menschen verursachte Erwärmung ein Faktor war.

In einer weiteren Studie zu jüngsten Extremereignissen in Westafrika gelang es den Forschern dagegen, einen Zusammenhang mit dem Klimawandel herzustellen: Sie kamen zu dem Schluss, dass die starken Regenfälle, die zwischen Juni und Oktober in Nigeria, Niger, Tschad und weiteren Ländern zu Überschwemmungen mit mehr als 800 Toten führten, durch den Klimawandel um ein Vielfaches wahrscheinlicher wurden. Die Überschwemmungen gehörten zu den tödlichsten, die je in der Region verzeichnet wurden.

Bei dieser Studie analysierten die Forscher Wetterdaten und nutzten Computersimulationen, um das heutige Klima mit dem der Vergangenheit zu vergleichen. Die Analyse konzentrierte sich auf das Tschadseebecken, in dem in der Regenzeit überdurchschnittlich viele Niederschläge fielen, und das untere Nigerbecken, in dem es kürzere, intensive Regenfälle gab.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit, dass die Regenzeit im Tschadseebecken so nass ist wie in diesem Jahr, um das 80-fache erhöht hat, und dass die diesjährige Regenzeit um 20 Prozent nasser war, als sie es ohne den Einfluss des Klimawandels gewesen wäre. Weiterhin kamen sie zu dem Ergebnis, dass die kürzeren Perioden intensiver Regenfälle im unteren Nigerbecken aufgrund des Klimawandels nun etwa doppelt so wahrscheinlich sind. Allerdings sei das genaue Ausmaß des Einflusses des Klimawandels ungewiss ist, da die Niederschläge in der Region sehr unterschiedlich sind.

An den Studien im Rahmen der World Weather Attribution Group waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Kamerun, Dänemark, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Nigeria, Südafrika, dem Vereinigten Königreich und den USA beteiligt.

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