Kleiner Abstecher nach Madagaskar

Bei miesem Wetter kann man rasch in Zürichs tropischen Regenwald fliehen

Einen Ausflug nach Madagaskar zu unternehmen, ist – bei schlechtem Wetter – in Zürich eine gute Idee. Fotos: hf
Einen Ausflug nach Madagaskar zu unternehmen, ist – bei schlechtem Wetter – in Zürich eine gute Idee. Fotos: hf

Die grauenhaften Fluten in Deutschland habe ich zum Glück nicht mehr erlebt, ich bin frühzeitig nach Zürich zurückgekehrt.

Wer in Covid-Zeiten reist, hat noch mehr zu erzählen als sonst. Nach München war ein Besuch in Köln eingeplant. Die dortige Ankunft stand jedoch unter keinem guten Stern. Als ich nämlich in meinem Hotel einchecken wollte, verlangte die Rezeptionistin von mir – dem „Erst-Einmal-Geimpften“ – einen aktuellen Covid-19-Test. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich gar nicht erst nach Köln gereist.

Covid-Test erfordert Online-Anmeldung

Wenn es nicht gerade Überschwemmungen gibt, ist es sehr angenehm, im Panoramawagen am Rhein zu fahren.
Wenn es nicht gerade Überschwemmungen gibt, ist es sehr angenehm, im Panoramawagen am Rhein zu fahren.

Zwar gibt es in Köln jede Menge Covid-19-Testzentren, aber ausgerechnet dasjenige, das sich nahe meinem Hotel befand, erforderte eine Online-Vorabregistrierung – doch ich hatte keine deutsche SIM-Karte. Ein Freund half mir mit seinem lokalen Handy aus, aber er ist nicht gerade ein Hirsch in solchen Dingen, vertippte sich ständig. Nach vielleicht 20 Minuten klappte die Anmeldung dann doch noch und ich konnte in Nase und Rachen getestet werden.

Das Resultat erwartete ich in der Hotel Lobby, es sollte per E-Mail geschickt werden. Was würde ich tun, wenn es überraschend positiv wäre? Natürlich hätte ich den nächsten Zug nach Zürich bestiegen und hätte mich dort in Quarantäne begeben. Sicher nicht in Köln.

Zum Glück war es negativ, und man ließ mich schließlich einchecken. Aber ich hatte danach keine Lust auf weitere deutsche Reiseziele und kehrte früher als geplant über die schöne Rheinstrecke, vorbei an der berühmten Loreley, nach Zürich zurück. Ein Segen, angesichts der späteren Verwüstungen durch das Tief „Bernd“.

Kalt, unangenehm – nicht katastrophal

Zwar wütete „Bernd“ auch in der Schweiz, aber seine Zerstörungswut war dort nicht so gewaltig wie in Deutschland. Doch es gab Überschwemmungen, es war kalt und unangenehm. Der beste Anlass für eine kurze Reise nach Madagaskar – in den Masoala-Nationalpark! Zwar waren für den Besuch keine Covid-19-Tests erforderlich, es herrschte jedoch Maskenpflicht.

Im Zürcher Zoo steht die 2003 eröffnete Masoala-Halle, die auf ihren 11.000 Quadratmeter Fläche – genauso groß ist auch der Discovery Garden Pattaya – einen veritablen tropischen Regenwald beherbergt. Der 52-Millionen-Franken-Bau befindet sich auf einer Grundfläche von 90 x 120 Meter und ist 30 Meter hoch. Seit der Eröffnung vor 18 Jahren sind die Pflanzen natürlich erheblich gewachsen und bei dem miesen, regnerischen Wetter um die 16 Grad ist die Masoala-Halle ein idealer Rückzugsort für Tropenköpfe wie mich.

Faszinierende Chamäleons: Im Zürcher Zoo kommt man diesen putzigen und stark gefährdeten Tierchen nahe.
Faszinierende Chamäleons: Im Zürcher Zoo kommt man diesen putzigen und stark gefährdeten Tierchen nahe.

Es gibt in luftiger Höhe auch einen Baumkronenpfad, auf dem man den grünen Riesen gewissermaßen über die Schulter schauen kann. Bei Sonnenschein ist der Aufstieg anstrengend, weil es dann oben unter der Glaskuppel deutlich wärmer ist als ebenerdig. Doch diesmal – bei bedecktem Himmel – betrug die Temperatur sowohl unten als auch oben angenehme 25 Grad.

Ich verfiel im Masoala-Wald übrigens nicht in eine quälende Einsamkeit, weil zahllose Eltern mit ihren zahllosen Sprösslingen ebenso nach Madagaskar geflohen waren. Und ich habe bei meinen früheren Besuchen hier auch noch nie so viele exotische Tiere gesehen. Vor allem gilt das für die zahllosen, äußerst bunten Chamäleons, die ich sehr nahe beobachten konnte. Gerne hätte ich einige von ihnen in meinen Gärten, doch sind sie leider stark gefährdet und geschützt, so dass wir sie besser im Zürcher Zoo besuchen kommen.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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Derk Mielig 04.08.21 12:40
Herr Obermeier, Gut aufgepasst
Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen in den letzten 18 Monaten so egoistisch und rücksichtslos waren und so etwas gemacht haben.
Joerg Obermeier 04.08.21 12:30
Echt jetzt?
Bei positiver Testung in Köln, zuerst nach Zürich zurückgereist? Nicht dass ich den Wunsch nicht nachvollziehen könnte. Aber macht das Sinn, möglichst auch noch im Zug? Und dabei vorsätzlich in Kauf zu nehmen zig andere auch noch zu infizieren? Ist ja glücklicherweise nicht so gekommen. Aber reisen in diesen Zeiten, sollte man sich schon vorher gut überlegen.
Wolfgang Dlapa 01.08.21 15:50
Chamäleon
Ich hatte allerdings in Thailand schon das Glück, einem Chamäleon in freier Wildbahn über den Weg zu laufen.