Kerber in Paris nach großem Kampf weiter

Auch Petkovic gewinnt

Die Deutsche Angelique Kerber reagiert nach ihrem Sieg gegen Magdalena Frech aus Polen. Foto: epa/Mohammed Badra
Die Deutsche Angelique Kerber reagiert nach ihrem Sieg gegen Magdalena Frech aus Polen. Foto: epa/Mohammed Badra

PARIS: Was für ein Fight! Angelique Kerber hat mit großer Willenskraft eine erneute Paris-Enttäuschung gerade noch abwenden können. Ihre Freundin Andrea Petkovic hatte es in Paris deutlich leichter.

Erst versorgte Angelique Kerber ihre Freundin Andrea Petkovic mit wertvollen Tipps, dann kämpfte sich die deutsche Nummer eins bei den French Open selbst in die zweite Runde. Zwei Tage nach ihrem Triumph beim Tennisturnier in Straßburg gewann Kerber am Montagabend in Paris gegen die Polin Magdalena Frech dank einer beeindruckenden Energieleistung mit 1:6, 6:3, 7:5 und überstand damit beim Sandplatz-Klassiker im Stade Roland Garros erstmals seit vier Jahren wieder die erste Runde.

Im dritten Satz musste Kerber dabei beim Stand von 4:5 sogar zwei Matchbälle abwehren. Als sie im zweiten Versuch wenig später selbst das Weiterkommen perfekt gemacht hatte, ließ Kerber sich völlig erschöpft, aber überglücklich auf den roten Sand fallen. Danach feierte sie den Sieg mit den deutschen Fans, die sie auf Court sechs lautstark nach vorne gepeitscht hatten. «Oh, Angelique Kerber», hallte es über den Platz, beim Weg in die Kabine machte Kerber mit den Zuschauern sogar die Welle, als habe sie das Turnier bereits gewonnen.

«Ich glaube, so eine Stimmung hatte ich hier in Paris noch nie», sagte Kerber. Insgesamt hat sie in den vergangenen drei Tagen nun fast sechs Stunden auf dem Platz gestanden. «Im Moment ist gar keine Kraft mehr da. Aber ich bin jemand, der schnell regeneriert, und dann schauen wir mal, wohin die Reise hier noch geht», sagte Kerber.

Petkovic hatte zuvor gegen die Französin Océane Dodin deutlich weniger Mühe und klar mit 6:4, 6:2 gewonnen. Dabei hatte sie auch von den Ratschlägen Kerbers profitiert. «Ich hatte eine Spionin», sagte Petkovic nach ihrem starken Auftritt. «Meine alte Freundin Angelique Kerber hat vergangene Woche gegen Oceane gespielt und mir ein paar Tipps gegeben.» Mit Erfolg: Nach 1:29 Stunden verwandelte Petkovic im regnerischen Paris ihren dritten Matchball.

Kerber wirkte anfangs nicht richtig frisch. Die Strapazen die Tiebreak-Thrillers über mehr als drei Stunden im Finale von Straßburg waren der 34 Jahre alten Kielerin deutlich anzumerken. Kerber konnte im gesamten ersten Satz kein Mal ihren eigenen Aufschlag durchbringen und leistete sich viele leichte Fehler. Nach nur 28 Minuten ging der Durchgang mit 6:2 an die Polin.

Doch dann entdeckte Kerber ihr berühmtes Kämpferherz. Im zweiten Satz wurde das dritte Spiel zum Schlüssel. Mehr als zehn Minuten dauerte das Aufschlagspiel von Frech, ehe Kerber das Break gelang. Die ehemalige Weltranglisten-Erste steigerte sich nun, machte vor allem über die Vorhand viele Punkte und holte sich den Satzausgleich.

Doch im dritten Abschnitt kassierte sie sofort wieder ein Break und lief diesem fortan hinterher. Kerber und Frech lieferten sich nun einen packenden Fight mit spektakulären Ballwechseln in Serie. Bei den beiden Matchbällen von Frech behielt Kerber die Nerven und machte wenig später den ersten Zweitrunden-Einzug in Paris seit vier Jahren perfekt.

Petkovic war nach ihrem Erfolg in Plauderlaune. Im ersten Überschwang sprach sie im Spaß sogar vom Finaleinzug. «Unter dem Titel geht hier gar nichts», sagte sie scherzend. Der ist für die 34 alte Darmstädterin natürlich noch meilenweit entfernt, doch nach zwei Erstrunden-Niederlagen in den vergangenen beiden Jahren bei ihrem «Lieblings-Grand-Slam» war der Erfolg gegen Dodin schon einmal ein positiver Anfang.

Viele gehen davon aus, dass die aktuelle Saison ihre letzte ist. Doch das ist nicht in Stein gemeißelt. «Es macht mir einfach noch sehr viel Spaß, und vom Tennis her kann ich eben noch mithalten.» Auch deshalb hat das Multi-Talent andere Aktivitäten erst einmal hinten an gestellt. Die ZDF-Reportage hat sie bereits seit längerer Zeit nicht mehr moderiert, auch die Schriftstellerei steht derzeit nicht im Vordergrund. «Tennis ist nach wie vor meine Priorität», sagte die Hessin. «Wenn ich fit bin, kann ich schon noch mit den Mädels mitspielen und sie sogar ärgern.»

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