Keine Millionäre: Frauenfußball in Corona-Krise auf solider Basis

Wolfsburgs Sara Björk Gunnarsdottir (l) und Freiburgs Sandra Starke versuchen den Ball zu spielen. Foto: Federico Gambarini/Dpa
Wolfsburgs Sara Björk Gunnarsdottir (l) und Freiburgs Sandra Starke versuchen den Ball zu spielen. Foto: Federico Gambarini/Dpa

FRANKFURT/MAIN: Auch die Frauenfußball-Bundesliga ist im Stand-by-Modus. Sechs Spieltage stehen in dieser Saison noch aus. Ein Gehaltsverzicht ist kein Thema, da die Kickerinnen ohnehin nicht viel verdienen.

Ganz Fußball-Deutschland diskutiert darüber, wie es mit der Männer-Bundesliga weiter geht. Und die Frauen? Das Wirtschaften auf bescheidenem Niveau könnte sich in der Corona-Krise als Vorteil erweisen. «Die finanzielle Dimension ist nicht vergleichbar mit der der Männer-Bundesliga, da die Zuschauereinnahmen bei einigen Vereinen unter fünf Prozent ausmachen», sagte Siegfried Dietrich, Vorsitzender des Liga-Ausschusses und Manager des 1. FFC Frankfurt, der Deutschen Presse-Agentur.

Am Dienstag wird es eine weitere Videokonferenz des DFB-Ausschusses Frauen-Bundesligen mit Vereinsvertretern und Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes geben. «Wir werden mögliche Szenarien für die Finalisierung der Saison durchgehen», sagte Dietrich.

Die Frauen würden sich auch am Vorgehen der Deutschen Fußball Liga orientieren. Der Spielbetrieb in der 1. und 2. Männer-Bundesliga ruht mindestens bis zum 30. April. Eine entsprechende Empfehlung des DFL-Präsidiums werden die 36 Profivereine am Dienstag auf der Mitgliederversammlung mit höchster Wahrscheinlichkeit beschließen.

Dietrich spricht dabei von einem «roten Faden», man orientiere sich auch an den Vorgaben der Behörden. Schließlich sei die Frauen-Bundesliga eine Profiliga mit zwölf Mannschaften und vielen Mitarbeitern. Sechs Spieltage muss die Liga mit Spitzenreiter VfL Wolfsburg noch absolvieren. Wolfsburg und der FC Bayern München sind auch noch in der Champions League vertreten. Dietrich hofft, dass die Spielzeit, gegebenenfalls auch ohne Zuschauer, zu Ende gebracht werden kann. «Medial präsent zu sein und die sportlichen Entscheidungen herbeizuführen, wäre nach meiner aktuellen Einschätzung die bestmögliche Schadensbegrenzung», so der 62-Jährige.

Ein Gehaltsverzicht bei den Spielerinnen ist aktuell eher kein Thema. Diese verdienen - bestenfalls - vierstellig. «Die Spielerinnen sind die Hauptakteurinnen und brauchen jeden Euro für ihren Lebensunterhalt», erklärte Dietrich. «Die Frauen-Mannschaften haben nicht die finanziellen Mittel, um Wahnsinnssummen zu spenden», sagte Ex-Nationalspielerin und Olympiasiegerin Lena Goeßling vom VfL Wolfsburg in der Sport1-Sendung «Doppelpass» am Sonntag.

Auch ihre Teamkollegin und Nationalmannschaftskapitänin Alexandra Popp hatte im «Kicker» drauf verwiesen, dass die Kickerinnen «keine Großverdiener« seien: «Ich helfe mit Taten, gehe zum Beispiel für unseren älteren Nachbarn im Haus einkaufen.» Allerdings spenden mehrere Fußballerinnen des 1. FFC Turbine Potsdam ein Teil ihres Gehalts dem Deutschen Roten Kreuz, auch anderswo gibt es Spendenaktionen.

Während der Männer-Branche bei einem kompletten Saison-Abbruch Einnahmeverluste in Höhe von rund 750 Millionen Euro drohen, müssen die Frauen keine großen Verluste aus der TV-Vermarktung befürchten. In Sachen Fernsehpräsenz habe man gegenüber den Sponsoren recht gute Argumente, da es in der bisherigen Saison schon mehr Übertragungen als ursprünglich geplant gab, sagte Dietrich. Er hofft, dass die Sponsoren der Clubs und der Liga auch bei eventuellen Spielausfällen in diesen schweren Zeiten mitziehen: «Das wäre ein großartiges und für die wirtschaftliche Stabilität zugleich notwendiges Zeichen.»

Der stets optimistische Manager befürchtet nicht, dass der Frauenfußball bei Clubs hinten runterfällt, die in der Corona-Krise in eine finanzielle Schieflage geraten. «Da im Gesamtbudget zum Beispiel eines FC Bayern München oder VfL Wolfsburg und auch der anderen Lizenzvereine der Frauenfußball eher einen überschaubaren Posten im Budget ausmacht, bin ich in so einem Fall optimistisch.»

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