Kaufkraft ist Hauptthema bei Präsidentschaftswahl

Frankreichs rechtsextreme Partei
Frankreichs rechtsextreme Partei "Reconquete!" und ihr Vorsitzender und Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2022 Eric Zemmour (C). Foto: epa/Yoan Valat

PARIS: Schon länger war die Kaufkraft eine der Hauptsorgen der Franzosen. Mit dem Ukraine-Krieg wird sie zum überragenden Thema der Präsidentschaftswahl in knapp zwei Wochen. Dabei sieht die jüngste Umfrage einen Kandidaten klar vorne.

Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich in knapp zwei Wochen ist die Kaufkraft das überragende Thema für die meisten Wählerinnen und Wähler. Für 58 Prozent von ihnen gehört das Thema zu den drei wichtigsten, teilte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos am Montag in Paris mit. Auf Platz zwei folgt das Gesundheitssystem (27 Prozent) und auf Platz drei die Umwelt (25 Prozent), danach kommen die Immigration und die Rente (je 24 Prozent), der Ukraine-Krieg (23 Prozent) und soziale Ungleichheit (19 Prozent). Nur für acht Prozent der Befragten spielt die Corona-Pandemie noch eine größere Rolle, auch die Arbeitslosigkeit (neun Prozent) interessiert angesichts der wiederanziehenden Wirtschaft in Frankreich nur mäßig.

Für die Wahl zeichnet sich unterdessen ein geringeres Interesse als für den Präsidentschaftsentscheid vor fünf Jahren ab. 75 Prozent äußerten sich laut Ipsos interessiert, 18 Prozent mäßig interessiert und 7 Prozent nicht interessiert. Das Interesse liegt damit um vier Prozentpunkte unter dem zum gleichen Zeitpunkt vor der Wahl 2017.

Die hauptsächlich genannten Gründe für fehlendes Interesse sind der Eindruck «seit Langem immer dasselbe zu hören» (41 Prozent), der Ukraine-Krieg, der es schwierig macht, sich für die Kampagne zu interessieren (26 Prozent) sowie fehlende Spannung und ein erwartbarer Wahlausgang (22 Prozent). Mit jeweils 21 Prozent außerdem genannt werden ein polemischer, aggressiver Wahlkampf sowie Themen abseits der eigenen Lebenswirklichkeit - «die Kandidaten reden nicht genug über die Themen, die uns beschäftigen».

Aus dem begrenzten Interesse leiten die Meinungsforscher eine geringere Wahlbeteiligung beim ersten Wahlgang ab als vor fünf Jahren, als diese bei 77,7 Prozent lag. Möglicherweise wird sie nur auf dem Niveau der bislang niedrigsten Wahlbeteiligung von 2002 liegen - damals betrug sie 72 Prozent.

Was den Ausgang des ersten Wahlgangs am 10. April angeht, bestätigen die Ipsos-Daten die jüngsten anderen Umfragen. Auf Rang ein rangiert Amtsinhaber Emmanuel Macron (28 Prozent), gefolgt von der Rechten Marine Le Pen (17,5 Prozent) und dem Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon (14 Prozent). Der Rechtsextreme Éric Zemmour liegt laut Ipsos auf Platz vier (11,5 Prozent), danach kommen die Konservative Valérie Pécresse (10 Prozent), der Grüne Yannick Jadot (7 Prozent), der Kommunist Fabien Roussel (3,5 Prozent) und die Sozialistin Anne Hidalgo (2 Prozent).

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Ingo Kerp 29.03.22 14:00
Da darf man wohl prognostizieren, das Macron die Wahl gewinnt. Dies trotz oder wegen des geringen Interesses und der Splitterung der einzelnen Parteien. So treten die Rechten mit 2 Parteien an, statt sich zu verbünden.