Israel warnt vor nuklearem Wettlauf in Nahost

Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif hält einen Vortrag am Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) in Stockholm. Foto: epa/Janerik Henriksson
Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif hält einen Vortrag am Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) in Stockholm. Foto: epa/Janerik Henriksson

TEL AVIV: Israel hat vor der Gefahr eines nuklearen Rüstungswettlaufs in Nahost gewarnt, sollte dem Iran der Bau einer Atombombe gelingen. «Die Iraner sind heute näher denn je daran, spaltbares Material für Nuklearwaffen zu produzieren», sagte ein ranghoher israelischer Sicherheitsvertreter am Sonntag. Dies habe «erhebliche Auswirkungen für die Sicherheit des Staates Israel».

«Israel hat kein Interesse an einem Krieg mit dem Iran, aber wir werden es ihm nicht erlauben, Atomwaffen zu bekommen», sagte er. Angesichts der jüngsten iranischen Fortschritte bereite man sich auf alle Optionen vor, einschließlich einer militärischen.

Israel ist selbst Atommacht und verfügt nach Schätzungen über 90 nukleare Sprengköpfe. Das Land äußert sich jedoch bewusst nicht zu seinem Atomprogramm, um Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Nach dem jüngsten Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI hatte Israel im Januar 2021 etwa 90 Atomsprengköpfe.

Teheran unterstütze Verbündete in geschwächten Ländern der Region, um seine Feinde von dort anzugreifen, sagte der Sicherheitsvertreter. In den vergangenen Monaten habe der Iran auch vermehrt Drohnen für Angriffe auf verschiedene Ziele im Nahen Osten eingesetzt.

Der Iran und die mit ihm verbündete libanesische Schiitenmiliz Hisbollah bauten ihre Präsenz in Syrien weiter aus und bedrohten dabei Israel, sagte er. «Israel wird seine Kampagne in dieser Grauzone so lange fortsetzen, wie es für den Schutz der israelischen Bürger notwendig ist.» Israels Luftwaffe greift immer wieder Ziele im Nachbarland Syrien an, um seinen Erzfeind Iran daran zu hindern, dort weiter Fuß zu fassen.

Der Iran unterstütze die Hisbollah im Libanon auch bei der Herstellung von Präzisionsraketen, sagte der Sicherheitsvertreter. Dieses Projekt sei für Israel eine strategische Bedrohung. «Wenn notwendig, werden wir es entfernen.»

Mit Blick auf die sogenannten Abraham-Verträge mit sunnitisch-arabischen Staaten sagte der israelische Repräsentant: «Die historische Veränderungen in den Beziehungen zu den arabischen Ländern werden auch Sicherheitskomponenten enthalten.» Dies sei eine «Gelegenheit für jedes Land, das in der Region involviert sein will, sich gemeinsamen Bedrohungen zu stellen».

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TheO Swisshai 21.10.21 00:00
@Dracomir Pires / Schurkenstaat Israel
Wieviele UNO-Resolutionen wurden bereits gegen Israel ausgesprochen und wieviele gegen den Iran?

Also, wenns nach diesem Kriterium gehen würde, hätte Israel den "Schurkenstaat-Titel" eindeutig mehr verdient.

Völlig falsch liegen Sie bei der Annahme, Israel würde nur dann Atomwaffen einsetzen, wenn es vom Iran angegriffen und überrannt wird. Dann wäre es wohl definitiv zu spät, denn keine Atommacht plant den Einsatz von Atomwaffen auf eigenem Staatsgebiet.

Was schätzen Sie, wielange würde es etwa noch dauern, bis der Iran ebenfalls 90 einsatzfähige Atomsprengköpfe zur Verfügung hätte?*

*Nach Schätzung von Experten, in bestenfalls ca.10 Jahren, wenn überhaupt.
Derk Mielig 18.10.21 18:00
@Pires
Vmtl. würde Israel außerhalb seines Staatsgebietes auch nur Wohnungsbau durch Israelis tolerieren und fördern, wenn sie ein Wohnungsbauproblem hätten, oder?
Dracomir Pires 18.10.21 17:44
Israel hat schon lange Atomwaffen ...
... und würde sie nur einsetzen, wenn sie von den Moslems angegriffen und überrannt würden. Hingegen ist der Iran ein "Schurkenstaat", der mehrmals ganz offen damit gedroht hat, Israel auszuradieren. Dieser Versuch wäre wahrscheinlich das Ende der Welt.
Ingo Kerp 18.10.21 14:00
Interessante Einstellung des angeblich friedliebenden Atom-Staates Israel. Man geht offen damit um, Agriffe in einem fremden und souveränen Staat zu begehen, um einen dritten Staat dort zu treffen.