Israel sucht palästinensische Attentäter nach Anschlag

Ultraorthodoxe israelische Trauernde nehmen an der Beerdigung von Yonatan Havakuk und Boaz Goal in der Stadt Elad in der Nähe von Tel Aviv teil. Foto: epa/Atef Safadi
Ultraorthodoxe israelische Trauernde nehmen an der Beerdigung von Yonatan Havakuk und Boaz Goal in der Stadt Elad in der Nähe von Tel Aviv teil. Foto: epa/Atef Safadi

TEL AVIV/GAZA: Eine Terrorwelle erschüttert Israel. Die palästinensischen Tatverdächtigen beim jüngsten Anschlag gehen den Sicherheitskräften ins Netz. Forderungen nach einem härteren Vorgehen gegen die Hamas werden laut. Diese droht Israel wiederum mit einem «Erdbeben».

Drei Tage nach einem tödlichen Anschlag haben israelische Sicherheitskräfte am Sonntag zwei palästinensische Tatverdächtige gefasst. Die Männer im Alter von 19 und 20 Jahren seien in der Nähe der Ortschaft Elad festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Dort waren bei dem Anschlag am Donnerstag drei Männer getötet und vier weitere verletzt worden. +

Ein israelischer Militärvertreter sagte, DNA-Spuren der Tatverdächtigen an Geldscheinen hätten dabei geholfen, sie zu finden. «Zusammen mit Blutspuren und anderen Informationen konnten wir sie fangen.» Die Männer aus dem Westjordanland hätten die Tat bei der Festnahme gestanden und würden nun weiter verhört. Israel wolle die Sperranlage zum besetzten Westjordanland verstärken, sagte er weiter.

Bei einer Terrorwelle in Israel sind seit Ende März 17 Menschen getötet worden, außerdem wurde ein israelischer Wachmann im Westjordanland von Palästinensern erschossen.

Israels Regierungschef Naftali Bennett lobte die Sicherheitskräfte am Sonntag, betonte aber, die Festnahme allein sei nicht genug. «Wir sind am Beginn einer neuen Phase des Kriegs gegen den Terror.» Mit Blick auf die im Gazastreifen herrschende Hamas-Führung betonte Bennett: «Man kann nicht aufhetzen und sich dann ausruhen.»

Der Gaza-Chef der Hamas, Jihia al-Sinwar, hatte zuletzt Palästinenser im Westjordanland und israelische Araber offen zu Anschlägen in Israel aufgerufen. Dabei könnten Gewehre, Äxte oder Messer eingesetzt werden, sagte Sinwar vor einer Woche. «Wenn sie einen religiösen Krieg wollen, sind wir bereit», sagte er zu Konfrontationen auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) in Jerusalem. Bei dem Anschlag in Elad setzten die Attentäter auch eine Axt ein, dies wurde in Israel als Umsetzung der Aufforderung Sinwars gesehen. Daraufhin mehrten sich Forderungen, den Hamas-Chef gezielt zu töten.

Ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms drohte am Samstag mit einem «Erdbeben» in der Region, sollte Israel Sinwar oder andere Hamas-Führer töten. Hamas-Sprecher Abu Obeida sagte, Israel müsse in einem solchen Fall «mit Blut und Zerstörung teuer bezahlen».

Zuletzt hatte Israel im November 2019 einen Militärchef des Islamischen Dschihad mit einem Luftangriff im Gazastreifen gezielt getötet. Militante Palästinenser reagierten darauf mit massiven Raketenangriffen auf israelische Gebiete.

Israels Armee zerstörte derweil am Samstag im nördlichen Westjordanland das Haus eines Palästinensers, der des Mordes an einem israelischen Siedler beschuldigt wird. Ein 25-jähriger Israeli war im Dezember getötet worden, als das Auto, in dem er unterwegs war, beschossen wurde.

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