Israel gedenkt der Opfer des Holocaust

Noch 174.500 Überlebende

Der israelische Staatspräsident Reuvin Rivlin legt bei einer Zeremonie anlässlich des jährlichen Holocaust-Gedenktages in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem einen Kranz nieder. Foto: epa/Maya Alleruzzo
Der israelische Staatspräsident Reuvin Rivlin legt bei einer Zeremonie anlässlich des jährlichen Holocaust-Gedenktages in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem einen Kranz nieder. Foto: epa/Maya Alleruzzo

TEL AVIV: Israel hat am Donnerstag der sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust gedacht. Am Vormittag heulten landesweit zwei Minuten lang die Sirenen. Auf den Straßen blieben die Autos stehen, Menschen verharrten in stillem Gedenken. Anschließend begannen in dem Land zahlreiche Gedenkverstaltungen.

In Israel leben nach offiziellen Angaben noch 174.500 Überlebende. 83 Prozent von ihnen sind älter als 80 Jahre, 18 Prozent über 90. Mehr als 900 Holocaust-Überlebende in Israel sind über 100 Jahre alt. Das Durchschnittsalter liegt bei 84,5 Jahren, wie die zuständige Behörde vor dem Gedenktag mitteilte.

Staatspräsident Reuven Rivlin hatte am Mittwochabend bei einer Zeremonie in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gesagt, 900 Holocaust-Überlebende in Israel seien «als direktes Ergebnis» der Corona-Pandemie gestorben. «Sie haben die Ghettos und Todeslager überlebt, die Einwandererschiffe und die Internierungslager», sagte Rivlin. Den letzten Kampf ihres Lebens hätten sie jedoch «verstört und isoliert, hinter Masken und Schutzhandschuhen, sich nach Kontakt sehnend, aber von ihren geliebten Menschen getrennt» geführt. «An diesem Abend sind unsere Herzen mit ihnen und ihren Familien.»

Wegen der fortwährenden Corona-Krise soll der «Marsch der Lebenden», bei dem sonst junge Juden aus aller Welt von Auschwitz nach Birkenau gehen, virtuell stattfinden. Am Donnerstagnachmittag waren eine Online-Gedenkveranstaltung und ein 3-D-Marsch geplant. Auschwitz war das größte der deutschen Vernichtungslager in der NS-Zeit.

Junge Deutsche, die freiwillig in der israelischen Behindertenhilfe Adi arbeiten, nahmen am Mittwoch an einer Gedenkveranstaltung mit Holocaust-Überlebenden in der Negev-Wüste im Süden des Landes teil.

Auch in Litauen wurde am Donnerstag der Holocaust-Opfer gedacht. «Wir müssen unsere Gesellschaft, besonders die jüngere Generation, ständig unterrichten und bilden. Wir sollten keine Angst haben, mutig und offen über unsere schmerzhafte Geschichte zu sprechen», sagte Außenminister Gabrielius Landsbergis. Während der deutschen Besatzung zwischen 1941 und 1944 ermordeten die Nationalsozialisten und einheimische Helfer mehr als 90 Prozent der damals rund 200.000 in Litauen lebenden Juden.

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