Islamkritiker Sarrazin aus der SPD ausgeschlossen

Thilo Sarrazin nimmt an der Anhörung der Bundesschiedskommission der SPD in Berlin teil. Foto: epa/Andreas Gora
Thilo Sarrazin nimmt an der Anhörung der Bundesschiedskommission der SPD in Berlin teil. Foto: epa/Andreas Gora

BERLIN: Beim dritten Anlauf lief es für die SPD-Spitze nach Plan: Thilo Sarrazin fliegt aus der SPD. Wie schon die beiden Vor-Instanzen hält auch das oberste Parteigericht einen Ausschluss des umstrittenen Autors gerechtfertigt.

Erfolg für die SPD-Spitze: Der umstrittene Ex-Politiker und Buchautor Thilo Sarrazin ist nicht mehr Mitglied der Sozialdemokraten. Das oberste Parteischiedsgericht erklärte den Parteiausschluss des 75-Jährigen am Freitag in Berlin für zulässig. «Der Parteiausschluss ist damit wirksam», hieß es in der Mitteilung.

Es war nach 2009/10 und 2011 bereits der dritte Anlauf, den früheren Berliner Finanzsenator und Bundesbanker aus der Partei zu werfen. Auslöser des jüngsten Verfahrens war Sarrazins 2018 erschienenes Buch «Feindliche Übernahme: Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht». Die SPD-Spitze wirft Sarrazin vor, mit rassistischen und islamfeindlichen Thesen das Ansehen der Partei zu beschädigen.

Im Januar hatte bereits die Berliner Landesschiedskommission in einem Berufungsverfahren bestätigt, dass der Parteiausschluss rechtens sei. So hatte es zuvor auch die Kommission auf Kreisebene gesehen. Sarrazin war nach beiden Entscheidungen in Berufung gegangen - nun hat die höchste parteiinterne Instanz entschieden.

Sarrazin will der Rauswurf vor dem Berliner Landgericht anfechten. «Aus meiner Sicht stand die Entscheidung vor der mündlichen Verhandlung bereits fest», sagte er nach der Entscheidung. «Dies war kein offenes, ehrliches und faires Verfahren».

Vor einem ordentliches Gericht müsste Sarrazin nach Darstellung der SPD beweisen, dass es am Schiedsgericht Verfahrensfehler gegeben habe. Sarrazin hatte angekündigt, notfalls bis vors Bundesverfassungsgericht zu ziehen.

Die Bundesschiedskommission der SPD ist ein Gremium, das unabhängig über parteiinterne Streitigkeiten entscheidet. Für einen Parteiausschluss sind in Deutschland die rechtlichen Hürden hoch, damit das Instrument nicht missbraucht werden kann, um Kritik zu unterdrücken.

Sarrazin hatte schon als oberster Kassenwart der Berliner Landesregierung mit markigen Sprüchen Schlagzeilen gemacht. So sagte er einmal, dass man bei sehr hohen Energiekosten im dicken Pullover auch in einer recht kalten Wohnung erträglich leben könne.

In einem Interview 2009 sagte er, dass Arabern und Türken in Berlin «außer für den Obst- und Gemüsehandel» keine produktive Funktion hätten. «Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert», sagte er weiter.

Bei anderer Gelegenheit vertrat Sarrazin die These, dass muslimische Einwanderer in jedem Land Europas aufgrund ihrer niedrigen Erwerbsbeteiligung und ihrer hohen Inanspruchnahme von Sozialleistungen die Staatskasse mehr kosteten als sie an wirtschaftlichem Mehrwert einbrächten. Für heftige Kontroversen sorgten auch seine Aussagen über die Erblichkeit von Intelligenz in seinem Bestseller «Deutschland schafft sich ab» von 2010.

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