Iranerin nach Konfrontation mit Moralpolizei tot

Eine Demonstrantin hält ein Blatt mit Fotos von Opfern, darunter Jina Mahsa Amini. Foto: epa/Clemens Bilan
Eine Demonstrantin hält ein Blatt mit Fotos von Opfern, darunter Jina Mahsa Amini. Foto: epa/Clemens Bilan

TEHERAN: Der Tod einer iranischen Schülerin erinnert viele an den Fall der jungen iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini. Armita Garawand soll kein Kopftuch getragen haben, als sie mit der berüchtigten Moralpolizei zusammentraf.

Eine junge Iranerin ist nach einer mutmaßlichen Konfrontation mit der berüchtigten Moralpolizei gestorben. Die Schülerin Armita Garawand starb am Samstag in einer Klinik in der Hauptstadt Teheran, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete. Vor rund einer Woche war die junge Frau bereits für hirntot erklärt worden. Der Fall hatte weit über Irans Landesgrenzen hinaus für große Empörung gesorgt. Garawand wurde am Sonntag auf dem Zentralfriedhof im Süden der Hauptstadt Teheran beerdigt.

Außenministerin Annalena Baerbock äußerte sich bestürzt. «Die Brutalität des Regimes hat ihre Zukunft geraubt», schrieb die Grünen-Politikerin am Samstag auf der Plattform X, früher Twitter. Garawand sei noch ein Kind gewesen, «ein ganzes Leben lag noch vor ihr». Baerbock betonte: «Die Zukunft Irans ist seine Jugend. Die Zukunft Irans sind seine Frauen. Ihren Drang nach Freiheit kann das Regime nicht unterdrücken.»

Die junge Frau soll Berichten von Menschenrechtlern zufolge vor rund einem Monat in einer U-Bahn von Sittenwächtern konfrontiert worden sein, weil sie kein Kopftuch trug. Staatsmedien dementierten Gewalt seitens der Moralpolizei. Garawand sei wegen niedrigen Blutdrucks gestürzt und mit dem Kopf aufgeschlagen, lautete die offizielle Erklärung. Seit Wochen lag die junge Frau im Koma. Zu ihrem Alter gab es unterschiedliche Angaben. Laut Staatsmedien wurde Garawand 16 Jahre alt, einige Medien und Aktivisten gaben ihr Alter mit 17 an.

Während Garawand im Koma lag, war das Krankenhaus Aktivisten zufolge von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Sicherheitskräfte sollen rund um die Klinik stationiert gewesen sein. Der iranische Analyst Abbas Abdi kritisierte den Staat, Druck auf Journalisten ausgeübt zu haben. «Es besteht Misstrauen zwischen der Gesellschaft und den Behörden», beklagte der Experte in einem Kommentar der Zeitung «Hammihan». Die Zeitung «Etemad» sprach mit einer Mitschülerin. Auf die Frage, was in der U-Bahn vorgefallen sei, antwortete sie unter Tränen: «Das, was wir alle wissen und gehört haben.»

Garawands Schicksal erinnert viele Iranerinnen und Iraner an den Fall der jungen iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini, die im Herbst 2022 von den Sittenwächtern wegen eines angeblich schlecht sitzenden Kopftuchs festgenommen worden war. Amini fiel ins Koma und starb. Ihr Tod löste im vergangenen Jahr die schwersten Proteste seit Jahrzehnten aus. Seitdem ignorieren viele Frauen demonstrativ die Kopftuchpflicht.

Irans Regierung reagierte auf die zahlreichen Kopftuchverstöße unter anderem mit einer Strafreform. Das neue Kopftuchgesetz, das noch nicht in Kraft getreten ist, sieht in seiner jüngsten Fassung harte Strafen bei Missachtung der islamischen Kleidungsregeln vor. Die Kopftuchpflicht ist seit mehr als 40 Jahren Gesetz in dem Land mit inzwischen fast 90 Millionen Einwohnern. Die Pflicht gilt als eine der ideologischen Grundsäulen der Islamischen Republik.

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Ingo Kerp 29.10.23 12:50
Eine Kopftuchpflicht gibt es in etlichen musl. geprägten Ländern. Westl. Verständnis sieht darin eine Unterdrückung der Frau. Grundsätzlich koennte man alles, was religioes verbrämt als Vorschrift und Gebot vorgegeben wird als Unterdrückung betrachten.