IOC und Japan verlegen Tokio-Spiele auf 2021

Sportwelt erleichtert

Foto: epa/Kimimasa Mayama
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Sportwelt atmet nach Olympia-Verlegung auf

Von: Andreas Schirmer (dpa)

TOKIO: Es ist eine historische und einmalige Entscheidung. Japans Ministerpräsident Abe machte den Weg für die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio frei. Olympia soll nun 2021 stattfinden. Einen konkreten Zeitpunkt gibt es noch nicht.

Die Sportwelt atmet auf und feiert die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio auf 2021 als Sieg der Vernunft. Nach einem für viele zu langen Festhalten am geplanten Austragungstermin haben sich die Olympia-Macher dem Druck in der Corona-Krise gebeugt. In einer Telefonkonferenz fassten das Internationale Olympische Komitee und die japanischen Gastgeber am Dienstag den längst unausweichlichen Beschluss zur Verlegung Tokio-Spiele.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sei mit dem Vorschlag des IOC «hundertprozentig» einverstanden gewesen, sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Die Sommerspiele sollen auf «ein Datum nach 2020 verlegt werden», aber nicht später als im Sommer 2021 stattfinden, hieß es.

«Die nunmehr schnelle und klare Entscheidung zur Verschiebung der Olympischen und Paralympischen Spiele ist ein richtiger und enorm wichtiger Schritt für den internationalen Sport und die gesamte Weltgemeinschaft», sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Der DOSB hatte für einen Olympia-Aufschub um ein Jahr plädiert, 2022 wäre problematisch gewesen: Im Februar finden die Winterspiele in Peking statt und Ende 2022 wird die Fußball-WM in Katar ausgetragen.

Trotz der Olympia-Verschiebung auf das nächste Jahr bleibt es bei dem Namen Tokio 2020. Außerdem vereinbarten Abe und Bach, «dass die Olympische Flamme in Japan bleibt». Beide waren sich einig, dass die Olympischen Spiele in Tokio in diesen unruhigen Zeiten als «Leuchtfeuer der Hoffnung für die Welt stehen und die olympische Flamme zum Licht am Ende des Tunnels werden könnte, in dem sich die Welt derzeit befindet». Der Fackellauf sollte am Donnerstag in der Präfektur Fukushima unter Ausschluss der Öffentlichkeit ohne Fackel, ohne Fackelträger und ohne jegliche Zeremonie starten.

«Ich hoffe, dass Tokio ein Fest der Menschlichkeit und eines Überstehens der Pandemie sein kann», sagte Bach. Über den genauen Termin der Austragung sei nicht diskutiert worden. «Olympische Spiele sind eines der komplexesten Events auf dem Planeten. Das kann nicht in einem Telefongespräch entschieden werden», betonte der IOC-Chef.

Zu berücksichten ist nicht nur der prallvolle Sportkalender im nächsten Jahr, in dem auch die Weltmeisterschaften der Leichtathleten und Schwimmer geplant sind, sondern ebenso der klimatische Aspekt: In diesem Jahr sollten die Spiele in den heißen Monaten Juli/August über die Bühne gehen, was für Kritik sorgte. Eine große Frage ist auch: Wo sollen die 11 000 Athleten 2021 unterkommen? Die Wohnungen sind für die Zeit nach den Spielen im Sommer 2020 längst an Privatleute verkauft.

Die sporthistorische Entscheidung zu einer Verlegung der für die Zeit vom 24. Juli bis 9. August geplanten Tokio-Spiele sowie die darauffolgenden Paralympics der Behindertensportler ist durch die Coronavirus-Krise unabdingbar geworden. Über den konkreten neuen Termin werde die Koordinierungskommission gemeinsam mit dem Organisationskomitee entscheiden, sagte Bach. «Es gibt so viele Puzzlestücke. Das braucht Zeit», fügte er hinzu.

Bach und Abe brachten auch ihre Besorgnis über die rasche Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 zum Ausdruck. Sie seien besorgt darüber, was sie dem Leben der Menschen antut und welche «Auswirkungen sie auf die Vorbereitungen der Athleten auf die Spiele weltweit» habe.

Noch am Sonntag hatte das IOC angekündigt, binnen der nächsten vier Wochen eine endgültige Entscheidung über Olympia in Tokio treffen zu wollen und in dieser Zeit über alternative Austragungstermine zu beraten. Da ein Ende der Corona-Krise nicht absehbar ist, wäre eine auch angedachte Verlegung in den Herbst ein zu großes Risiko. Kanada, Norwegen und Australien hatten angekündigt, in diesem Jahr wegen der unkalkulierbaren gesundheitlichen Risiken nicht teilnehmen zu wollen.

Für viele Athleten geht nun eine Hängepartie und eine Zeit der Ungewissheit zu Ende. Die Entscheidung bedeute für viele Sportler «den Aufschub, für manche das Ende eines Traums», hieß es in einer Erklärung des Vereins Athleten Deutschland. Sie alle hätten sich mit «unfassbarer Energie und Hingabe» auf diesen Sommer vorbereitet. «Diese Leistung verdient höchste Anerkennung und Respekt, auch wenn sie dieses Jahr in Tokio nicht zur Vollendung kommen» könne.

Besonders erleichtert waren fast einhellig viele Athleten. Zehnkampf-Weltmeister und «Sportler des Jahres» Niklas Kaul bezeichnete die Verschiebung als «richtig für alle Sportler». Denn für Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe wären diese Spiele «die Hölle für uns gewesen». Deshalb begrüßt auch Cindy Roleder, WM-Zweite von 2015 im Hürdensprint die Entscheidung: «Gesundheit ist das A und O.»

«Keine Alternative» zur Verlegung sieht ebenso Turner Marcel Nguyen. Nun hoffe man, mit den anderen Athleten 2021 ein großes Festival in Tokio feiern zu können. Zugleich freut er sich, dass «der Unsinn des Trainings im Garten» ein Ende hat. Und Ringer-Weltmeister Frank Stäbler meinte via Instagram: «Mein Olympia-Traum ist verschoben - nicht geplatzt.» Drastisch kommentierte Ex-Diskuswerfer Robert Harting die Verschiebung. «Alles andere als sich der Weltgesundheit zu stellen und den Austragungszeitraum respektvoll anzupassen, würde das IOC zum Straftäter machen», so der Olympiasieger von 2008.

«Das gibt den Athleten, den Trainern und den Verbänden Planungssicherheit und nimmt ihnen den Druck, trotz erheblich erschwerter Bedingungen die Vorbereitungen auf Tokio 2020 weiter voranzutreiben», sagte Triathlon-Präsident Martin Engelhardt. Auch der deutsche Leichtathletik-Präsident Jürgen Kessing begrüßte die Entscheidung: «Die Vernunft hat gesiegt. Alle Athleten haben jetzt Gewissheit, keinen Druck mehr zu haben.»

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hält die Verschiebung auch der Paralympics «für das absolut Richtige», sagte IPC-Präsident Andrew Parsons. Paralympics-Star Niko Kappel nahm die Verschiebung ebenso sehr positiv auf. «Es ist immer noch eine krasse Entscheidung, die Spiele zu verschieben. Aber ich spüre absolute Erleichterung», sagte Kappel, der Kugelstoß-Paralympics-Sieger aus Sindelfingen von 2016.


FIFA begrüßt Olympia-Verlegung - Infantino-Botschaft per Video

ZÜRICH: Der Fußball-Weltverband FIFA hält die Entscheidung zur Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio angesichts der Ausmaße der Corona-Pandemie für richtig. «Die FIFA ist der festen Überzeugung, dass die Gesundheit und das Wohlergehen aller mit Sport befassten Personen immer die höchste Priorität genießen sollte, und daher begrüßen wir die heutige Entscheidung des IOC», hieß es in einer Stellungnahme. Gemeinsam mit allen Beteiligten wolle man nun an einer Neuterminierung arbeiten. Bei Olympia werden Medaillen in Männer- und Frauenwettbewerben ausgespielt.

Durch die Verlegung der EM und der Südamerikameisterschaft 2020 ins kommende Jahr muss der Weltfußball bereits für weitere Turniere neue Termine finden, darunter die von FIFA-Präsident Gianni Infantino forcierte neue Club-WM, die nun nicht 2021 im Sommer in China stattfinden kann.

In einer Videobotschaft betonte der Schweizer am Dienstag nochmals seine Haltung. «Wir haben einen großen Gegner, das ist der Coronavirus. Fußball kommt an zweiter Stelle», sagte Infantino. Wenn die Krise überwunden sei, werden man die Schäden beheben, die die Pandemie für den Fußball angerichtet habe. «Wir werden zurückkommen mit neuen Ideen, neuen Formaten, mit was immer der Fußball braucht, aber jetzt ist es die Zeit, gemeinsam als Team den Coronavirus zu bekämpfen», sagte Infantino.


Olympia in Tokio wird wegen Corona verschoben

Von: Ulrich Steinkohl (dpa)

BERLIN: Nun also doch: Lange hat das Internationale Olympische Komitee gezögert, die Sommerspiele in Tokio wegen der Corona-Pandemie zu verschieben. Nun ist die Entscheidung gefallen.

Die Olympischen Spiele in Tokio sollen verschoben werden, spätestens aber im Sommer 2021 stattfinden. Das haben das Internationale Olympische Komitee und die Olympia-Organisatoren in Japan gemeinsam am Dienstag beschlossen, wie das IOC mitteilte.

In Deutschland gingen derweil die Umsetzung der strengen Beschränkungen im öffentlichen Leben wegen der Corona-Krise und die Vorbereitung des umfangreichen Rettungspakets für Wirtschaft und Bürger weiter. Als erstes Bundesland stellte Nordrhein-Westfalen einen Bußgeldkatalog für Verstöße gegen die Auflagen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vor. Er sieht Strafen von bis zu 5000 Euro vor.

VERSCHIEBUNG DER OLYMPISCHEN SOMMERSPIELE

Die Olympischen Spiele in Tokio werden wegen der Corona-Pandemie ins Jahr 2021 verschoben. Darauf einigten sich das Internationale Olympische Komitee und die japanischen Gastgeber. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sei mit dem Vorschlag des IOC «hundertprozentig» einverstanden gewesen», sagte IOC-Präsident Thomas Bach nach einer Telefonkonferenz mit Abe und anderen Verantwortlichen der Tokio-Spiele. Die Sommerspiele sollen nun auf «ein Datum nach 2020 verlegt werden», aber nicht später als im Sommer 2021 stattfinden, hieß es.

BUßGELDKATALOG IN NRW

Nordrhein-Westfalen hat einen Bußgeldkatalog für Verstöße gegen die landesweiten Corona-Regeln mit Strafen bis zu 5000 Euro erlassen. Im Wiederholungsfall werden sogar bis zu 25 000 Euro fällig. Der Erlass wurde nach dpa-Informationen am Montagabend an die zuständigen Behörden geschickt. Bei Zusammenkünften von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit, die nicht direkt verwandt sind, werden danach 200 Euro von jedem Beteiligten fällig. Verbotenes Picknicken kostet 250 Euro pro Teilnehmer. Wer trotz Verbots Sportveranstaltungen organisiert, zahlt 1000 Euro. Der Verzehr von Außer-Haus-Speisen näher als 50 Meter am Restaurant oder Imbiss kostet 200 Euro. Zusätzliche Bußgelder seien möglich gegen Unternehmen, die von Verstößen profitieren. Teuer werden auch Hygieneverstöße oder Verstöße gegen das Besuchsverbot in Einrichtungen wie Altenheimen.

VERSCHÄRFUNG BEIM SEUCHENSCHUTZ BEFRISTET

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die geplante Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes befristen. «Wir sind mit den Fraktionen im Deutschen Bundestag übereingekommen, die zusätzlichen Befugnisse des Bundes im Infektionsschutzgesetz nun erstmal zeitlich auf ein Jahr zu begrenzen», sagte er am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Direkt nach der Krise werden wir dem Bundestag einen umfassenden Bericht vorlegen, was gesetzlich und organisatorisch dauerhaft für künftige Krisen dieser Art geändert werden muss.» Eine entsprechende Forderung hatte FDP-Fraktionschef Christian Lindner aufgestellt. «Damit konnten zunächst einmal unsere Bedenken ausgeräumt werden, dass das Parlament ausgehebelt werden könnte», sagte Lindner nun der dpa.

SCHÄRFERE CORONA-REGELUNGEN IN GROßBRITANNIEN

Nun hat auch die britische Regierung im Kampf gegen das Coronavirus weitreichende Ausgangsbeschränkungen beschlossen. Premierminister Boris Johnson wies seine Landsleute am Montagabend in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die Nation an, das Haus nur noch so wenig wie möglich zu verlassen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, solle dies nur noch für den Einkauf wesentlicher Dinge wie Lebensmittel und Medikamente und für den Weg zur Arbeit geschehen. Vielen Briten reagierten am Dienstag irritiert. Polizeichefs berichteten, dass sie eine Flut von Nachfragen bekämen, die sie nicht beantworten könnten. Und trotz der Ausgangsbeschränkungen waren viele Londoner U-Bahnen am Dienstag überfüllt, was den Bürgermeister der britischen Hauptstadt, Sadiq Khan, entsetzte. Er forderte: «Wir müssen mit allen nicht notwendigen Fahrten aufhören.»

MILLIONEN BESTELLTER SCHUTZMASKEN VERSCHWUNDEN

Bei der Lieferung von sechs Millionen Schutzmasken nach Deutschland hat es eine Panne gegeben. Die Masken der Schutzstufe FFP2 seien auf einem Flughafen in Kenia «spurlos verschwunden», berichtete der «Spiegel» am Dienstag. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums sagte, der Vorgang werde untersucht. Der von der Generalzolldirektion geschlossene Liefervertrag habe storniert werden können. Weiter sagte sie, es handele sich um einen Bruchteil des insgesamt bestellten Materials. Die Beschaffung dringend benötigt medizinischen Materials in der Corona-Krise ist unter Federführung des Beschaffungsamtes der Bundeswehr organisiert. Unterstützt von der Generalzolldirektion leistet die Behörde Amtshilfe für das Bundesgesundheitsministerium.

BUNDESWEHR VERTEILT LEBENSMITTEL

Mit dem Einkauf und der Verteilung von Lebensmitteln unterstützt die Bundeswehr in der Corona-Krise die Bevölkerung in Wilhelmshaven. Zwölf Soldaten stehen dafür im Schichtdienst bereit, wie ein Marinesprecher am Dienstag sagte. Die Soldaten kaufen in Supermärkten ein und verteilen die Lebensmittel dann in sechs Autos an Menschen, die sich nicht selbst versorgen könnten.

RASCHE HILFEN FÜR DEUTSCHE WIRTSCHAFT

Die geplanten Milliardenhilfen für die unter der Corona-Krise leidende Wirtschaft sollen nach Aussage von Wirtschaftsminister Peter Altmaier schnell bei den betroffenen Unternehmen ankommen. Der CDU-Politiker setzt darauf, dass die Gelder nach Beschlussfassungen in Bundestag und Bundesrat schon kommende Woche bereitstehen. Das Bundeskabinett hatte am Montag ein riesiges Hilfspaket für Wirtschaft und Bürger zur Bewältigung der Corona-Krise auf den Weg gebracht. An diesem Dienstag sollten die Fraktionen des Bundestages beraten. Am Mittwoch soll der Bundestag im Schnellverfahren mehrere Gesetzesvorhaben beschließen und auch eine Notfallregelung für die Schuldenbremse in Kraft setzen, die dem Bund neue Kredite in Höhe von 156 Milliarden Euro ermöglicht. Am Freitag soll der Bundesrat zustimmen.

AKTIENKURSE STEIGEN TEILS DEUTLICH

Die Anleger an Europas Börsen haben am Dienstag wieder etwas Mut gefasst. Die wichtigsten Aktienindizes zogen stark an und erholten sich damit ein wenig von dem Marktcrash im Zuge der Corona-Krise. Der deutsche Leitindex Dax lag um die Mittagszeit um rund 500 Punkte oder gut 6 Prozent im Plus - und damit wieder deutlich über 9000 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 6,17 Prozent, der französische Cac 40 gewann 5,57 Prozent und der Londoner FTSE 100 notierte 3,94 Prozent höher. Die Anleger setzen offenbar große Hoffnungen in das billionenschwere Konjunkturpaket in den USA, das aber weiter auf sich warten lässt. Bei einer prozeduralen Abstimmung im US-Senat zu dem Paket kam am Montag erneut nicht die nötige Mehrheit in der Kammer zustande.


Die Milliarden-Frage des IOC: Was kostet die Olympia-Verschiebung

BERLIN: Die Olympischen Spiele in Tokio werden auf das Jahr 2021 verschoben. Das entschied das Internationale Olympische Komitee am Dienstag nach einem Gespräch des japanischen Premierministers Shinzo Abe mit IOC-Chef Thomas Bach. Die Entscheidung hat gravierende finanzielle Folgen. Auch für die mehr als 11 000 Athletinnen und Athleten, die sich auf die Spiele vom 24. Juli bis zum 9. August vorbereitet hatten. Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Was hätten die Olympische Spiele 2020 im Normalfall gekostet?

Offiziell hat das Organisationskomitee Kosten in Höhe von rund 11,5 Milliarden Euro ausgewiesen. Das National Audit Board Japans hatte diese Summe aber unlängst mehr als doppelt so hoch eingeschätzt. Das gehört in der Welt der Sport-Großereignisse inzwischen zum guten Ton: Zwischen zuvor errechneten und dann tatsächlichen Ausgaben liegen oft Milliarden. Während sich die reinen Organisationskosten noch einigermaßen gut beziffern lassen, lässt sich vor allem bei den Investitionen der Regierung zum Beispiel in die Infrastruktur und den Tourismus selten eine klare Grenze ziehen, was ausschließlich den Olympischen Spielen dient, und was ohnehin hätte bezahlt werden müssen.

Mit welchen Einnahmen rechneten die Organisatoren und das IOC?

Das IOC hat im Verlauf der letzten Olympiade rund 5,3 Milliarden Euro verdient, im aktuellen Zyklus dürfte mit einer Steigerung zu rechnen sein. Den größten Anteil zahlten die Medienpartner, davon wiederum den größten Teil der US-Sender NBC. Dazu kommen die Premiumsponsoren, die sich ihre Werbung während der Spiele meist mehrere Hundert Millionen Euro kosten lassen. Der Ausrichter ging in diesem Jahr zudem von weiteren Milliarden-Einnahmen aus, zum einen direkt durch die Olympia-Touristen und zum anderen indirekt durch sich auszahlende Investitionen.

Welche Einbußen muss Japan nun fürchten?

Das IOC hat sich gegen eine Absage der Spiele versichert, für wie viel Geld und inwieweit die Versicherung bei der Verschiebung greift, ist noch offen. Für die Sommerspiele 2016 in Rio, in deren Vorfeld über das Zikavirus debattiert worden war, kostete die «Insurance premium for Games cancellation» rund 13,3 Millionen Euro. Die finanziellen Folgen für die japanischen Organisatoren erscheinen dramatischer: Einheimische Experten rechneten alleine im Falle der Verschiebung mit Kosten von umgerechnet 5,4 Milliarden bis 5,7 Milliarden Euro.

Welche weiteren Probleme ergeben sich?

Mehrere hunderttausend Olympia-Touristen dürfen die Ausrichter des Weltereignisses erwarten. Entsprechend sind die Vorbereitungen. Hunderte Hotels werden gebaut, die Infrastruktur modernisiert, dazu die Investitionen in die Sportstätten. Im besten Fall greift nach den Spielen ein Konzept für die weitere, kostendeckende Nutzung - in der olympischen Sprache gerne «Legacy» genannt. Als Beispiel das Olympische Dorf: Die temporären Unterkünfte für über 10 000 Sportlerinnen und Sportler sollten unmittelbar nach den Spielen in diesem Sommer entweder zerlegt oder weiter vermietet werden, größtenteils sind die Verträge dafür bereits unterschrieben.

Mit welchen Einbußen müssen die Sportlerinnen und Sportler rechnen?

Nur allein von ihrem Sport können die wenigsten Athletinnen und Athleten leben, vor allem in Deutschland. Fallen eingeplante Einnahmen durch die Verschiebung des Jahreshöhepunkts einfach weg, kann das die Existenz bedrohen, sagte Johannes Herber, Geschäftsführer der «Athleten Deutschland», zuletzt dem «Tagesspiegel». Zwar erhalten die meisten Sportler eine Grundsicherung durch die Anstellung bei der Bundespolizei oder der Bundeswehr, doch gerade die Akteure mit Freiberuflerstatus könnten in eine finanzielle Schieflage geraten. «Ich denke da zum Beispiel an unsere Beachvolleyballer. Sie finanzieren ihre Trainingslager und Trainer selbst, haben hohe Ausgaben für ihre Reisen und medizinische Betreuung», sagte Herber. Eine ein Jahr längere Vorbereitung (oder gar Qualifikationsphase) bedeutet weitere Kosten. Ob der Bund im Zeichen der Corona-Krise einspringt, ist noch offen. Das Bundesinnenministerium fördert den Spitzensport in diesem Jahr mit 279 Millionen Euro.

Und die nationalen Sportverbände?

Der Deutsche Olympischen Sportbund hat laut DOSB-Präsident Alfons Hörmann bereits rund eine Million Euro investiert, «wenn man alle Sach- und Personalkosten addiert». Nun dürfte sich die Ausschüttung der IOC-Millionen an die bis zu 206 Nationalen Olympischen Komitees verschieben. Im Rio-Jahr 2016 bekam der DOSB rund zwei Millionen Euro vom IOC. An die 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren für die Spiele in Brasilien von der Sporthilfe und dem DOSB rund 1,5 Millionen Euro Prämien ausgeschüttet worden.


Triathleten froh über Olympia-Verschiebung

FRANKFURT/MAIN: Die Deutsche Triathlon Union (DTU) hat die Verschiebung der Olympischen Spiele begrüßt. «Das gibt den Athlet*innen, den Trainer*innen und den Verbänden Planungssicherheit und nimmt ihnen den Druck, trotz erheblich erschwerter Bedingungen die Vorbereitungen auf Tokio 2020 weiter voranzutreiben», sagte DTU-Präsident Martin Engelhardt in einer Mitteilung am Dienstag. Der Verbandschef und Medizinier sprach von einer «vernünftigen Entscheidung».

«Für uns Athlet*innen ist die Ungewissheit nun endlich vorbei», sagte Athletensprecherin Lena Meißner. «Jetzt können wir uns erst einmal darauf konzentrieren, die Krise zu überstehen und unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden, nämlich die Kontakte auf ein Minimum zu beschränken. Und danach den Fokus auf Olympische Spiele in 2021 zu legen.»

Aus Sicht von Bundestrainer Faris Al-Sultan bestehe die Herausforderung nun darin, die Motivation aufrechtzuerhalten. Der 42-Jährige kündigte an: «Die Trainingspläne und die Trainingssteuerung werden wir in Abstimmung mit den Heimtrainern entsprechend anpassen, so dass man relativ kurzfristig auch wieder in das Wettkampfgeschehen eingreifen kann, sobald dies wieder möglich ist.»


Name Tokio 2020 bleibt trotz Olympia-Verlegung auf das nächste Jahr

TOKIO: Trotz der Olympia-Verschiebung auf das nächste Jahr bleibt es bei dem Namen Tokio 2020. Das teilte das Internationale Olympische Komitee am Dienstag mit. Zuvor war nach einem Gespräch von Japans Premierminister Shinzo Abe und IOC-Chef Thomas Bach entschieden worden, die Sommerspiele wegen der Coronavirus-Pandemie ins nächste Jahr zu verlegen. Der späteste Zeitpunkt ist dabei der Sommer 2021. Ursprünglich sollte das Event vom 24. Juli bis 9. August stattfinden.


DOSB begrüßt Olympia-Verschiebung

BERLIN: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat die Verschiebung der Olympischen Spiele begrüßt. «Die nunmehr schnelle und klare Entscheidung zur Verschiebung der Olympischen und Paralympischen Spiele ist ein richtiger und enorm wichtiger Schritt für den internationalen Sport und die gesamte Weltgemeinschaft», hieß es in einer Stellungnahme am Dienstag. «Das hilft vor allem den Athleten, indem es den Trainings- und Qualifikationsdruck in dieser schwierigen Phase nimmt.»

Die Verlegung bestätige «der Weltbevölkerung, dass auch im Sport alles dafür getan wird, die weltweite Pandemie bestmöglichst und baldmöglichst unter Kontrolle zu bringen». Der DOSB hatte schon vor der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees am Dienstag für eine Verschiebung um ein Jahr plädiert.


Basketball-Chef Weiss über Olympia-Verlegung: Japaner schaffen das

TOKIO: Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball Bunds, hat die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio wegen der Corona-Pandemie ins Jahr 2021 begrüßt. «Das ist die richtige Entscheidung», sagte Weiss der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag, «auch in dem Bewusstsein, dass da so viele Dinge dranhängen. Es wird viel Arbeit auf das IOC und das Organisationskomitee zukommen. Aber wenn es einer schafft, dann die Japaner mit Rückendeckung des IOC und der internationalen Fachverbände.»

Die Sommerspiele sollen nun auf «ein Datum nach 2020 verlegt werden», aber nicht später als im Sommer 2021 stattfinden, teilte das Internationale Olympische Komitee mit.

Man müsse nun unter anderem auch prüfen, ob die Verlegung von Olympia einen Einfluss auf die Basketball-EM 2021 mit der Finalrunde in Berlin habe, sagte Weiss. «Eine Verlegung würde ich nicht gutheißen. Mein Stand ist, dass wir im September die EM spielen», betonte er. «Wenn wir einen definitiven Termin für Olympia haben, werden wir entscheiden und reagieren. Wir freuen uns weiter auf unser großes Event.»

Die Basketball-EM soll vom 2. bis 19. September mit insgesamt 24 Teams stattfinden, diese werden auf vier Gruppen aufgeteilt. Eine von vier Vorrunden steigt in Köln. Tschechien, Georgien und Italien sind ebenfalls Gastgeber in der Gruppenphase.


Adidas unterstützt Olympia-Verschiebung

HERZOGENAURACH: Der Sportartikelhersteller Adidas unterstützt die Entscheidung, die für Sommer geplanten Olympischen Spiele von Tokio wegen der Corona-Krise zu verschieben. «Gleichzeitig fühlen wir mit allen Athleten, die sich vier Jahre lang auf die Olympischen Spiele vorbereitet haben», sagte Adidas-Unternehmenssprecherin Claudia Lange. Die Gesundheit und Sicherheit aller Beteiligten habe aber in einer solchen Ausnahmesituation absoluten Vorrang. Die Athletinnen und Athleten würden von Adidas für Olympia 2021 in gleicher Weise unterstützt. Adidas-Vorstandschef Kasper Rorsted hatte vor Kurzem erklärt, eine Absage oder Verschiebung von Großereignissen wie Fußball-Europameisterschaft und Olympischen Spielen habe wirtschaftlich für den Sportartikelhersteller keine signifikante Auswirkung.


TOKIO: Japans Premier Abe akzptiert Olympia-Verschiebung

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe soll Medienberichten zufolge der Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio um ein Jahr zugestimmt haben. Dies berichteten die japanische Nachrichtenagentur Kyodo und der Sender NHK unter Berufung auf ein Telefongespräch von Abe mit IOC-Präsident Thomas Bach am Dienstag. Die endgültige Entscheidung müssen das Internationale Olympische Komitee, die Gastgeberstadt sowie das Japanische Olympische Komitee treffen.

Eine Verlegung der für die Zeit vom 24. Juli bis 9. August geplanten Sommerspiele ist durch die Coronavirus-Pandemie und die nicht absehbare weitere Entwicklung unabdingbar geworden.

An der Telefonschalte sollen demnach auch der Präsident des Organisationskomitees in Tokio, Yoshiro Mori, Tokios Gouverneurin Yuriko Koike und Japans Olympia-Ministerin Seiko Hashimoto teilgenommen haben. Das Organisationskomitee hatte bereits zuvor eine Exekutivkomiteesitzung am kommenden Montag angekündigt.

Ministerpräsident Abe betonte bereits am Montag, dass eine Absage der Spiele nicht zur Debatte stehe. Er räumte aber ein, dass die Sportveranstaltung unter den derzeitigen Gegebenheiten nicht stattfinden könne. Das IOC hatte am vergangenen Sonntag angekündigt, binnen vier Wochen zu entscheiden, ob die Sommerspiele stattfinden sollen und wollte über alternative Szenarien beraten. Die endgültige Entscheidung des IOC könnte nun schneller fallen.

Da ein Ende der Coronavirus-Pandemie im Augenblick nicht absehbar ist, wäre eine auch angedachte Verlegung der Tokio-Spiele in den Herbst ein zu großes Risiko. Kanada, Norwegen und Australien hatten angekündigt, in diesem Jahr wegen der unkalkulierbaren gesundheitlichen Risiken nicht teilnehmen zu wollen.

Der Deutsche Olympische Sportbund hatte für eine Verschiebung um ein Jahr plädiert, was auch als machbarste Alternative gilt. Eine Verlegung auf 2021 wäre problematisch, das im Februar des Jahres die Olympischen Winterspiele stattfinden und in den Wochen vor Weihnachten die Fußball-WM ausgetragen wird.


LAUSANNE: IOC-Chef Bach: Konkreten neuen Olympia-Termin «nicht diskutiert»

Der konkrete Termin für die auf 2021 verlegten Olympischen Spiele in Tokio ist noch offen. «Den Zeitrahmen haben wir noch nicht diskutiert. Das werden die Koordinierungskommission und das Organisationskomitee machen», sagte IOC-Präsident Thomas Bach am Dienstag bei einer Telefonkonferenz. Zuvor hatten sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die japanischen Gastgeber darauf geeinigt, die für dieses Jahr geplanten Sommerspiele in Tokio wegen der Coronavirus-Pandemie auf 2021 zu verlegen.

Spätestens im nächsten Sommer sollen die Spiele stattfinden, hatte das IOC zuvor mitgeteilt. Als Grund für die beschleunigte Entscheidung zu einer Verschiebung nannte Bach die jüngsten Entwicklungen der Corona-Krise auf mehreren Kontinenten. So gebe es «alarmierende Zahlen in Südamerika und Ozeanien».

Bach sagte: «Es geht um den Schutz des menschlichen Lebens. Finanzen hatten jetzt keine Priorität.» Durch die Verlegung könnten auf das IOC und Gastgeber Japan zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe zukommen. Er hoffe, dass Olympia im nächsten Jahr «ein Fest der Menschlichkeit und eines Überstehen der Pandemie sein» könne, sagte der 66 Jahre alte Deutsche.

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Ingo Kerp 25.03.20 13:20
Am Ende hat, glücklicherweise, Japan dem machtversessenen Th. Bach das Heft aus der Hand genommen und die Spiele abgesagt. Für einen IOC Präsidenten hat sich Bach mit seinem Verhalten über alle Grenzen hinweg desavouiert.