Intrige, Bespitzelung, Verfolgungsjagd

Krimi im Bankermilieu Zürichs

Foto: epa/Peter Klaunzer
Foto: epa/Peter Klaunzer

ZÜRICH (dpa) - Zwei Überflieger am Schweizer Bankenhimmel: Credit-Suisse-Chef Thiam und Top-Banker Khan wohnen Tür an Tür in einem Nobelviertel am Zürichsee - dann kracht es. Was folgt, hört sich an wie ein Krimi-Drehbuch. Jetzt hat sich die Bank von zwei Spitzenmanagern getrennt.

Nach einer stümperhaften Beschattungsaktion eines Spitzenbankers mit Verfolgungsjagd in Zürich hat die zweitgrößte Schweizer Bank Credit Suisse (CS) personelle Konsequenzen gezogen. Bankchef Tidjane Thiam bleibt aber im Amt, er habe nichts von der Aktion gewusst, wie Verwaltungsratspräsident Urs Rohner am Dienstag sagte. Den Hut nehmen müssen dagegen der Leiter des operativen Geschäfts, Chief Operating Officer Pierre-Olivier Bouée, und Sicherheitschef Remo Boccali.

Bouée habe im Alleingang die Bespitzelung des Vermögensverwalters Iqbal Khan organisiert, nachdem Khan bei der CS gekündigt hatte und sein Wechsel zur Konkurrenz UBS bekannt geworden war. Die Bespitzelung eines Ex-Mitarbeiters sei inakzeptabel, so Rohner: «Es ist nicht unsere Art, so zu geschäften.» Er spricht von einem «schwerwiegenden Reputationsschaden für die Bank».

Intrigen, Streit unter Alphatieren, dilettantische Detektive - es hört sich an wie ein Filmdrehbuch, was sich im Bankermilieu in Zürich und dem Nobelvorort Herrliberg am Zürichsee abgespielt hat.

Bank-Chef Thiam (57) und Vermögensverwalter Khan (43) galten als «Dream Team» in der Geschäftsführung. Privat leben sie Zaun an Zaun. Und dann hatten sie plötzlich «das Heu nicht mehr auf der gleichen Bühne», wie die Schweizer sagen. Khan verlässt die CS Anfang Juli. Seit Dienstag ist er bei der UBS Co-Leiter der Vermögensverwaltung.

Was genau zwischen Thiam und Khan vorgefallen ist, wissen nur wenige. Es habe im Januar Streit gegeben, sagt Rohner. Medien wollen von einer lauten Auseinandersetzung bei einer Cocktailparty für CS-Spitzenkräfte im Hause Thiam wissen. Dabei soll es um Baulärm und Bäume pflanzen gegangen sein und Drohungen gegeben haben. Der Streit habe für unüberbrückbare Differenzen gesorgt, so Rohner.

Der Krimi beginnt dann im September: Khan fühlt sich beschattet, sieht ein Auto, das ihn und seine Frau bedrängt, will die Verfolger vor dem Restaurant Metropol mitten in Zürich zur Rede stellen. Es kommt zu einem lautstarken Streit, vor zahlreichen Passanten ruft Khan die Polizei. Drei Detektive werden vorübergehend festgenommen. Auf Khans Anzeige hin eröffnet die Staatsanwaltschaft Zürich ein Strafverfahren wegen Nötigung. «Mafiamethoden», nennt das Martin Janssen, Ex-Professor der Universität Zürich, in der Presse.

CS-Mann Bouée, ein Vertrauter Thiams, habe den Verdacht gehabt, dass Khan CS-Kollegen abwerben wollte, so die Bank. «Ist das die feine Art? Sicher nicht», sagt ein CS-Mitarbeiter der Deutschen Presse-Agentur. «Aber hier geht es ans Eingemachte. Es geht um Milliardenvermögen.» Sehr reiche Kunden bleiben ihren Bankberatern oft treu, auch wenn diese das Bankhaus wechseln.

Das Abwerben von Mitarbeitern der Konkurrenz sei zwar auch nicht die feine Art, aber gang und gäbe, wie Andrea Müller, Professorin an der Managementschule der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Zürich (ZHAW) dem Sender SRF sagt. «Selbstverständlich dürfen Firmen das, es gibt keine rechtlichen Vorschriften, die das verbieten.»

Thiam und Khan gelten beide als blitzgescheite Überflieger. Ein Konkurrenzkampf unter Spitzenbankern? Thiam stammt aus der Elfenbeinküste. Sein Vater war Minister und Botschafter. Das jüngste von sieben Kindern schafft es mit Bestnoten an französische Eliteuniversitäten. Er geht in die Wirtschaft, wird selbst Minister in dem westafrikanischen Land, gibt nach einem Putsch auf und geht nach Europa zurück. In Großbritannien gelingt ihm ein kometenhafter Aufstieg in die höchsten Konzernetagen. 2015 kommt der Ruf der CS. Khan dagegen wuchs in Pakistan auf. Als er 12 Jahre alt ist, zieht die Familie - die Mutter Schweizerin, der Vater Pakistaner - in die Schweiz. Khan kommt über eine Lehre in die Finanzwelt, studiert und startet beim Wirtschaftsberater Ernst & Young durch. 2013 wechselt er zur CS.

Khan, der Jüngere, gilt als Shooting-Star, war immer wieder als Nachfolger von Thiam bei der CS im Gespräch. Auch bei der UBS wird er jetzt für höchste Weihen als Nachfolger von UBS-Konzernchef Sergio Ermotti gehandelt. Dann wäre er mit Thiam auf Augenhöhe - nur bei der größeren Bank.

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Norbert Kurt Leupi 11.10.19 11:37
Der Schweizer Bankenhimmel
Der schweizerische Finanzplatz lebte seit Urzeiten und lebt immer noch von Hehlerei et cetera und die " Geldsäcke " in Zürich , Basel, Genf und Lugano waren , sind und werden niemals " soziale Institutionen werden ! Denn der einzige " Rohstoff " der CH bleibt das fremde Geld , es kommt als Mafiakapital aus dem Osten , als Blutgeld aus der südlichen Welt und es sind Steuerfluchtgelder aus der ganzen Welt , besonders aber aus den benachbarten " Demokratien " ! Darum streiten sich die " Ober-Bankster " um die mysteriösen Anleger ! " Wem genug zu wenig ist , dem ist nichts genug " !
Christian Widmer 03.10.19 16:10
Krimi im Bankenmillieu
Na klar klammert sich der Thiam der CEO an seinen Job (Jahresgehalt 13 Mio CHF). Er habe von der Ueberwachungsakton nichts gewusst. Einfach nur peinlich. Entweder weiss er nicht was in seinem Laden abgeht oder er lügt. Der Mann hat mit seiner Kindergartengeschichten (Streit mit einem Angestellten, der neben ihm wohnt und deshalb 2 Bäume vor die Nase gepflanzt) der CS grossen Schaden zugefügt und Herr Rohner der VR-Präsident (Auch ein Honorar von x-Millionen CHF) deckt ihn. Er hat ihn ja auch von London geholt. Nun muas er das Gesicht wahren. Beide müssen gehen Subito. Eine Bank muss Vertrauen schaffen. Den Fall aussitzen wird sich nicht bezahlt machen. Der Aktienkurs wird sich erst dann wieder erholen, wenn beide gehen und neuer Impuls kommt. Gibt es eigentlich in der Schweiz keine fähigen Leute. Die Topshots werden offenbar immer im Ausland gesucht.