Infantino erneut zum FIFA-Präsidenten gewählt

​Ohne DFB-Votum

Das Logo des Deutschen Fußballbundes (DFB) am Eingangsbereich der DFB-Zentrale in Frankfurt. Foto: epa/Boris Roessler
Das Logo des Deutschen Fußballbundes (DFB) am Eingangsbereich der DFB-Zentrale in Frankfurt. Foto: epa/Boris Roessler

KIGALI: Gianni Infantino ist zum insgesamt dritten Mal zum FIFA-Präsidenten gewählt worden. Der DFB verweigerte am Donnerstag zwar seine Unterstützung - das Votum war dennoch eindeutig.

Auch ohne Unterstützung aus Deutschland ist FIFA-Präsident Gianni Infantino im Amt bestätigt worden. Der 52 Jahre alte Schweizer wurde am Donnerstag beim Kongress des Fußball-Weltverbands in Kigali zum insgesamt dritten Wahl an die Spitze gewählt, er tritt seine zweite vollständige Amtszeit an. Die Abstimmung erfolgte in der BK Arena der ruandischen Hauptstadt per Akklamation - die Delegierten zeigten mit Applaus ihre Zustimmung, Infantino war der einzige Kandidat.

«Alle, die mich lieben, alle die mich hassen, ich weiß, es gibt da ein paar - ich liebe euch alle», sagte Infantino nach seiner Wahl. FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura erwiderte umgehend: «Wir lieben Sie, Präsident.» Infantino kündigte an, weiter hart zu arbeiten, «um die Welt des Fußballs zu vereinen».

Der Deutsche Fußball-Bund hatte wie auch der schwedische und der norwegische Verband am Mittwoch angekündigt, den Schweizer nicht aktiv unterstützen zu wollen. Die FIFA müsse «im Umgang mit den nationalen Verbänden deutlich offener und transparenter werden», begründete DFB-Präsident Bernd Neuendorf. «Sie sollte im eigenen Interesse erklären, wie und warum bestimmte Entscheidungen zustande kommen und wer an ihnen mitgewirkt hat. Das ist zuletzt nicht immer der Fall gewesen.»

Infantino genießt aber den Rückhalt der großen Mehrheit der 211 FIFA-Nationalverbände. Unter seiner Führung hat der Weltverband seit Infantinos Übernahme der Amtszeit von Joseph Blatter Anfang 2016 große wirtschaftliche Erfolge erzielt. Bis 2026 wird mit Einnahmen in Höhe von mindestens elf Milliarden US-Dollar gerechnet, das Geld wird in großen Teilen an die Verbände weitergegeben.

«Das Geld der FIFA ist euer Geld», sagte Infantino beim Kongress zum wiederholten Mal. Dabei verwies er kurz vor der Wahl auf seine eigenen Verdienste: «Wenn ein Unternehmer ankündigen würde, dass die Dividenden um das Siebenfache erhöht werden, würde man ihn auf ewig behalten, dann ginge es nicht nur um ein Vierjahresmandat.»

Der wie sein Vorgänger Blatter (87) im Schweizer Wallis geborene Infantino war vor seinem Wechsel zur FIFA Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union UEFA. Nach der Ablösung von Blatter wurde er im Sommer 2019 in seine erste vollständige Amtszeit gewählt. Da die ersten knapp dreieinhalb Jahre nicht angerechnet werden, kann Infantino im Jahr 2027 erneut für vier Jahre gewählt werden.

In Deutschland und weiteren Teilen von Europa ist der Schweizer stark umstritten. Etliche Affären und Ungereimtheiten prägten das Bild des FIFA-Präsidenten. In der Schweiz ermitteln zwei Sonderstaatsanwälte in einer undurchsichtigen Justiz-Affäre gegen Infantino, der alle Vorwürfe zurückweist.

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