Immer mehr Fabriken stehen vor dem Aus

Foto: The Nation
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BANGKOK: Die Schließungsgefahr für Unternehmen in der Automobil-, Elektrogeräte- und Elektronikindustrie Thailands nimmt weiter zu. Laut Anusorn Tamajai, Direktor des Forschungszentrums für digitale Wirtschaft, Investitionen und internationalen Handel an der Universität der thailändischen Handelskammer, könnten viele Unternehmen den Anforderungen der digitalen Technologie und globalen Trends nicht standhalten.

Diese Warnung unterstreicht ähnliche Bedenken des thailändischen Industrieverbands (FTI), der eine Zunahme von Fabrikschließungen in Folge der Einführung eines einheitlichen Mindestlohns von 400 Baht ab dem 1. Oktober prognostiziert.

Anusorn betonte, dass die thailändische High-Tech-Industrie größtenteils aus Auftragnehmern besteht, die im Auftrag ausländischer Firmen produzieren, ohne dabei selbst technologisch führend zu sein. Dies schwächt die Wettbewerbsfähigkeit des Landes erheblich. „Die thailändischen Exportprodukte weisen im globalen Vergleich einen niedrigen Produktkomplexitätsindex auf“, erklärte Anusorn. Diese Situation verschärfe sich durch politische Unsicherheiten, die Investoren dazu veranlassen, ihre Produktion in politisch und wirtschaftlich stabilere Länder zu verlegen.

Darüber hinaus hat die thailändische Industrie mit einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zu kämpfen und leidet unter der starken thailändischen Währung, die die Gewinnmargen weiter schmälert. Die Investitionsanreize sind unzureichend, was 2023 zu Netto-Kapitalabflüssen von 1,43 Milliarden US-Dollar führte. Obwohl die Arbeitslosenquote mit 1,01 Prozent sehr niedrig ist, könnte sie durch die Industriekrise langfristig steigen.

Anusorn forderte eine stärkere Fokussierung auf neue Produktentwicklungen und Investitionen in Forschung und technologische Entwicklung, um die Industrie zu revitalisieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. „Der aktuelle Aufschwung, getragen vom Tourismus- und Dienstleistungssektor, ist trügerisch und verstärkt nur die Probleme der thailändischen Exportwirtschaft“, schloss er.

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Norbert Schrader 19.06.24 12:58
Investitionen in Industrie
Mehr Geld in Forschung und Entwicklung für die Autoindustrie? Solange Thailand keine eigene Automarke produziert, braucht man hier nicht investieren. Vielleicht ein Tuk Tuk entwickeln, welches man in Europa auch nutzen kann - statt Golfwagen oder für kurze Wege Transport, usw. Natürlich auf E-Basis.
Die Begründung wegen 400 Bath ist unsinnig. In Deutschland kämpfen die Firmen mit 10 bis 20% mehr Lohn bei weniger Leistung. Gut, von 300 auf 400 ist prozentual über 30 %, aber an den Kosten zur Herstellung eines Autos sind die 100 Baht nur ein minimaler Anteil. In Deutschland sind 1% viel mehr als 30% in Thailand.
Thailand hat keine Fachkräfte für Konstruktion in der Autoindustrie. Sie sollten sich an China orientieren - Copy Technik. Aber gut haben die Chinesen die Technik nicht kopiert. Sie verwechseln immer noch Qualität mit Quantität.

Und ausländische Fachkräfte heranhole? Da fehlt es an vielem. Ein ausländische Fachkraft läßt sich nicht von der Immigration gängeln. Weniger Bürokratie wäre hilfreich. Aber das Problem gibt es in vielen Ländern.
Paul Müller 18.06.24 17:20
Fette Zeiten
Ja, auch ausländische investoren werden künftig mehr zur Kasse gebeten mit neuen Steuern, sie Thais wolken oder können ja keine zahlen. Da reibt man sich nun die Augen, wenn die Direkteinvestition im Land zurückgehen. Aber die 40 Mio. Qualitätstouristen sind ja schon im Anmarsch, die werdens dann richten, zusammen mit den vielleicht 300'000 Farangs, die künftig einen Viertel ihter Rente und ihres im Ausland erziehlten Vermögens an den Staat abliefern. Es sind fette Zeiten angesagt...
Florian Firefighter 18.06.24 14:40
Warum die Aufregung
Es kommen doch bis 2030 65000000 Touristen ins Land und dann noch die künftigen Steuereinnahmen.
Ingo Kerp 18.06.24 12:30
Wenn man jetzt erkennt, das der thailändische Tourismuszweig das Land nicht "retten" kann, dann sollte man doch schnellstens den Weg der Rettung einschlagen. Bessere Ausbildung der Kinder und Jugend, keine Scheu, ausländisches Wissen zu übernehmen und auch deren Fachkräfte zur Ausbildung. So schafft man einen gesunden Mittelstand, der in Thailand mehr als dünn ist. Es gibt viel zu tun, packt es endlich an.