Im Einkaufszentrum

​Callolo und seine Herzallerliebste - Eine humorvolle Geschichte 

Im Einkaufszentrum

Unser Bügeleisen war kaputt. Mit all meinen Heimwerker-Qualitäten war daran nichts mehr zu retten. Ich fuhr mit meiner Herzallerliebsten in ein Einkaufszentrum, wo wir regelmäßig einkaufen und uns deshalb gut auskennen. Doch inzwischen hatten sie den ganzen Laden umgestellt: Wo früher Elektro- und Küchengeräte angeboten wurden, gab es jetzt Lebensmittel, in der Bettenabteilung hingen jetzt Hemden und Hosen an Ständern, und wo ich früher Hundefutter gekauft hatte, reihten sich jetzt in endlosen Regalen Shampoos, Lotions, Seifen und Raumdüfte auf.

Aber wo gab es Bügeleisen?

Ich fragte eine Verkäuferin auf Englisch. Sie lächelte mich freundlich an und wies an das andere Ende der riesigen Verkaufshalle.

"You are sure?" fragte ich.

Sie nickte: "Sure."

Am anderen Ende brauchte ich einige Zeit, bis ich dem jungen Mitarbeiter klar gemacht hatte, was ein Iron ist. Zuerst begleitete er mich in eine Abteilung voller Besen, Putzzeug und Bügelbretter.

"Not this?"

"No, not this."

"Okay, now I know. You go other side." Er wollte mich wieder ans andere Ende des Kaufhauses schicken.

"Nein, da war ich schon. Dort gibt es keine Bügeleisen."

Eine ältere Verkäuferin kam hinzu und fragte: "Kann ich Ihnen helfen?"

"Ich möchte ein Bügeleisen kaufen."

"Please, follow me."

Ich folgte ihr, bemerkte aber sehr schnell, dass sie mich nicht verstanden hatte. Sie bot mir diverse Tüten, Dosen und Flaschen mit Wäschestärke an.

Ich versuchte, mit pantomimischen Gesten ihr klar zu machen, was ich suchte.

"Yes, Sir, you go there", sagte sie in der Hoffnung, mich loszuwerden und zeigte in eine diffuse Richtung.

Ich fragte sie: "You know iron?" Sie schüttelte den Kopf und eilte lachend davon.

Eine andere Mitarbeiterin des Kaufhauses sagte mir, nachdem ich ihr lang und breit erklärt hatte, was ich suchte: "Mai me, no häb."

Langsam ärgerte ich mich, dass meine Herzallerliebste mich mit dem Kauf des Bügeleisens allein gelassen hatte und stattdessen die Kleiderabteilung auf den Kopf stellte. Als ich sie endlich fand, hatte sie gerade das achte Kleid anprobiert.

"Wie findest du das, Callolo?"

"Ich finde die Abteilung für Elektroartikel und Bügeleisen nicht."

Widerwillig folgte sie mir.

"Warum fragst du nicht einfach einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin?" Dabei sah sie mich vorwurfsvoll an.

"Ich habe mehr als einmal gefragt", gab ich missgelaunt zurück. "Entweder sie wissen nicht, was ein Bügeleisen ist, oder sie schicken dich einfach irgendwo hin, um dich loszuwerden. Es ist zum Verrücktwerden!"

"Aber, Callolo", versuchte meine Herzallerliebste mich zu beruhigen, "das tun sie doch nicht, um dich zu ärgern, sondern weil sie fürchten, ihr Gesicht zu verlieren, wenn sie zugeben, dass sie es nicht wissen."

Plötzlich standen wir vor einem Gang, links ein langes Bord mit Kaffeemaschinen, rechts Hunderte von Bügeleisen. Und am Ende dieses Ganges entdeckte ich die Mitarbeiterin, die noch vor einigen Minuten behauptet hatte, dass es hier keine Bügeleisen gäbe. Sie wollte abtauchen, als ich auf sie zukam, aber ich forderte sie auf, mich zu den Bügeleisen zu begleiten.

"Das sind Bügeleisen, Irons", erklärte ich ihr in einem forschen Ton, der mir einen tadelnden Blick meiner Herzallerliebsten eintrug. Sie nickte.

"Sie sagten doch zu mir: mai me, no häb."

"Sorry", sagte sie und nickte wieder mit einem verschämten Lächeln, das so charmant rüberkam, dass mein Ärger im Nu verrauscht war.

"Welches Gerät können Sie mir denn empfehlen?" fragte ich sie.

Ohne Umschweife zeigte sie auf eines der teuersten Exemplare.

"Mai me satang", erwiderte ich, "no häb money."

Jetzt musste sie laut lachen. Ich entschied mich dann, unter aktiver Mitwirkung meiner Herzallerliebsten, für ein Gerät der Mittelklasse, und als wir gingen, entbot die kleine Thai uns einen ehrerbietigen Wai.

Ich gestehe, es ist in Thailand manchmal schwer, "jai-yen", ein kühles Herz zu bewahren. Aber wenn man es schafft, ist es so, als hätte man über sich selbst gesiegt.

Jedenfalls bekam ich ein dickes Kompliment von meiner Herzallerliebsten, als ich an- schließend auch die Anprobe des zwölften Kleides ohne Murren ertrug. Schließlich entschied sie sich für das erste, das zufällig auch das teuerste unter den zur Auswahl stehenden Kleidern war.

Strahlend und Hand in Hand verließen wir das Einkaufszentrum, und ich bemerkte voller Stolz, wie die Leute sich staunend und neidvoll nach uns umdrehten. Meine Herzallerliebste drückte meine Hand ganz fest. Und dann hatten wir es plötzlich ganz eilig, nach Hause zu kommen.

Callolo und seine Herzallerliebste und Angekommen in der Wirklichkeit

Callolo und seine Herzallerliebste

In 130 heiteren Kurzgeschichten hat Autor Carolus in zwei Büchern sich mit unterschiedlichen Erfahrungen, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Thais und Farangs ergeben, verfasst. Die humorvollen Geschichten behandeln das Eheleben zwischen Nai und Callolo. Im Leben der beiden wird viel Toleranz abverlangt. Dass es trotzdem immer wieder ein Happy End geben kann, beweist der Autor, im ersten Buch, in vielen unerwarteten Entwicklungen. Im zweiten Werk hat der Autor seine „rosarote Brille“ abgenommen und erzählt auf ehrliche und gewohnt charmante Weise über Probleme und Schwierigkeiten, die in seiner nicht mehr ganz taufrischen Beziehung zu Nai entstehen.

Die beiden Taschenbücher können Sie im FARANG-Onlineshop bestellen.

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