Ich liebe diese „Vogelschiss-Farangs“ sehr

Jeder Europäer in Thailand weiß, dass er ein „Farang“ ist und dies auch ewig bleiben wird

Mein bevorzugten Guaven nenne ich „Rio-Birnen“, da ich sie erstmals in Rio de Janeiro sah. Fotos: hf
Mein bevorzugten Guaven nenne ich „Rio-Birnen“, da ich sie erstmals in Rio de Janeiro sah. Fotos: hf

Ein typischer Vogelschiss-Farang latscht wohl ohne T-Shirt mit Flip-Flops durch die Stadt, ist übertätowiert, mit Bierbauch und ungepflegt, wahrscheinlich stinkt er auch noch ziemlich stark. Intellektuell ist er ziemlich unterbelichtet.

Eine passende Übersetzung ins Deutsche für ein solches Individuum wäre wohl Dumpfbacke oder tätowierter Einzeller. Wenn die Thais einen solchen Farang „khi nok“ sehen, bestärkt sie das in ihrer eh schon vorhandenen Überzeugung, dass der Siamese an sich sicherlich die Krönung der Schöpfung sei – das ist so auch sofort nachvollziehbar, da ja augenscheinlich.

Seltsame und fremde Frucht in Rio

Lecker sind die Stachelbeer-Guaven.
Lecker sind die Stachelbeer-Guaven.

Das und der Fremde wird wohl weltweit zunächst argwöhnisch beäugt, und was der Bauer nicht kennt, frisst er ja schließlich nicht. Als die Kartoffeln nach Deutschland kamen, brauchte es viel Überzeugungsarbeit der Obrigkeit, bis sich die so nährreiche tolle Knolle schließlich als nationales Grundnahrungsmittel par excellence durchsetzte. Bei mir hingegen war es beim „Vogelschiss-Farang“ genau umgekehrt, das war gewissermaßen Liebe auf den ersten Blick.

Als ich vor etlichen Jahren arglos über einen Wochenmarkt in Gloria, einem Stadtquartier von Rio de Janeiro, schlenderte, stach mir eine birnenförmige, gelbe Frucht ins Auge, die ich noch nicht kannte. Natürlich kaufte und verspeiste ich ein paar Exemplare, das Fruchtfleisch war knallrot, schmeckte erdbeerig und süß, aber nicht penetrant süß: Eindeutig ein Fund. Natürlich trocknete ich einige Kerne dieser Rio-Birne und brachte sie nach Thailand mit. Nach etwa drei Jahren trugen die daraus gezogenen Bäume erstmals Früchte, ein fulminanter Erfolg.

Der archetypische „Farang“ ist das nun

Schon bevor die ersten Früchte reiften, identifizierte mein damaliger Gärtner anhand der Blätter diese fantas­tische Rio-Birne als „Farang“, wie Guaven in Thailand umgangssprachlich heißen. „Farang“ oder „Fremdling“ deshalb, weil sie ursprünglich aus Südamerika stammen. Psidium heißen sie wissenschaftlich und Wikipedia zählt 97 Sorten oder Erscheinungsformen auf. In Thailand findet sich vor allem eine grüne, runde Sorte vor, die wohl das Ergebnis von Zucht ist.

Denn pflanzt man Samen dieser Sorte, kommt selten oder nie eine grüne und runde Frucht heraus, sondern eine, die aussen gelb, innen rot ist. Das erklärt den sicher etwas despektierlichen Namen des „Farang khi nok“ oder „Vogelschiss-Farang“, der wohl die ursprünglich Sorte ist.

Während die meisten Thais auf ihre grünen, runden „Farangs“ schwören, sind mir diese viel zu langweilig. Auf diversen Reisen durch Südamerika habe ich festgestellt, dass die von den Thais bevorzugten Früchte klar in der Minderheit sind. In Belem (Brasilien) habe ich zum Beispiel eine ebenfalls birnförmige Sorte gefunden, die außen gelb und innen ebenfalls gelb ist. Später habe ich kleine, große, runde, längliche und birnförmige gefunden, die alle lokal geschätzt werden.

Gute Konfitüre entsteht aus Guaven.
Gute Konfitüre entsteht aus Guaven.

In unseren „Discovery Gardens“ in Pattaya und Nong Khai haben wir neben den bereits erwähnten „Farangs“ auch noch gelbe und rote Stachelbeer-Guaven, die nicht größer als Stachelbeeren werden und auch etwa so schmecken. Ferner „Rote Farangs“, die rote Blätter und Früchte hervorbringen mit rosa Fruchtfleisch.

Am liebsten sind mir aber nach wie vor die „Vogelschiss-Farangs“, aus denen sich übrigens eine ausgezeichnete Konfitüre herstellen lässt. Auf Gelierzucker kann man dabei verzichten, diese Früchte enthalten in der Haut bereits genügend Pektin.

Noch ein paar Weihnachtsgänse erhältlich

Im Tiefkühler des „Discovery Garden Pattaya“ lagern noch einige wenige Weihnachtsgänse. Wer eine haben will, meldet sich per E-Mail (hansfritschi1957@gmail.com) bei Hans Fritschi.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!



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Michael Maier 05.12.21 22:58
Fremdes
Ganz einfach Heinz und Hans, alles so mal eben laienhaft eingebracht bedeutet eine Gefahr, daher sollte man das unterlssen
Heinz Wiegand 05.12.21 13:20
Grüner Daumen
Hallo Herr Hans Fritschi
Wir werden nächstes Jahr ganz in Hua Hin bleiben und endlich unseren Garten gestalten können. Meine Frau wird Küchenkräuter anpflanzen und ich mich um die "Optische" Gestaltung kümmern. Nun meine Frage an den weit gereisten Samen-Fachmann ..... wie problematisch ist die Garten-Gestaltung mit Pflanzen die nicht in Thailand heimisch sind. Auf was muss ich dabei achten bzw. welche Voraussetzungen
muss dazu einhalten. Gibt es Vorschriften die man einhalten sollte (muss) ?
Ein neugieriger Farang mit Spaß an der Gartengestaltung