Hype in Übergröße: Miami-Debüt verzückt die Formel 1

Der britische Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton von Mercedes-AMG Petronas. Foto: epa/Giuseppe Cacace
Der britische Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton von Mercedes-AMG Petronas. Foto: epa/Giuseppe Cacace

MIAMI: Die Formel 1 fühlt sich endlich in den Herzen der US-Sportfans angekommen. Das Debüt in Miami wirkt schon vorab wie ein großer Erfolg für die Rennserie. Das liegt wohl auch an einer Netflix-Serie.

Das frische Asphaltband am Football-Tempel der Miami Dolphins bereitet selbst Rekordchampion Lewis Hamilton so etwas wie kindliche Vorfreude. «Es ist nervenaufreibend, das ist ein riesiges Ereignis für uns», schwärmt der Mercedes-Superstar vor der Premiere der Formel 1 in Floridas schillernder Metropole. Ein Hype in amerikanischer Übergröße umgibt das nächste Grand-Prix-Wochenende, nach Jahrzehnten des Desinteresses fühlt sich die Rennserie im Herzen der US-Motorsportfans angekommen. In angeblich nur 40 Minuten waren die sündteuren Tickets für das Rennen am Sonntag ausverkauft.

«Ich habe nie verstanden, warum die Leute sich hier nicht für die Formel 1 interessiert haben. Es ist einfach toll zu sehen, dass wir das geknackt haben und es eine wachsende Liebe in den Staaten gibt», sagt Hamilton. Der 37 Jahre alte Superstar war lange der einzige Formel-1-Pilot, der einem größeren US-Publikum bekannt war. Zum Start der Rennwoche lud ihn die populäre Frühstücksshow «Good Morning America» zum Gastauftritt an den New Yorker Times Square.

Doch inzwischen kennen immer mehr Sportfans in den USA auch den Rest des Fahrerfelds. Grund dafür ist neben dem seit 2012 jährlichen Gastspiel im texanischen Austin und der erfolgreichen PR-Kampagne der amerikanischen Formel-1-Eigentümer vor allem die Netflix-Serie «Drive to survive». Die rasant geschnittene Doku zeichnet seit vier Jahren jede Saison in einer Staffel nach und hat der Königsklasse vor allem in den USA ein neues, junges Publikum verschafft.

So wurden sogar Figuren wie Mick Schumachers Haas-Teamchef Günther Steiner mit seinen derben Flüchen zu Stars. Wohl auch deshalb hatten die Veranstalter in Miami zunächst sogar neben der Fahrerparade eine Ehrenrunde für die Teamchefs geplant. Inzwischen findet sich dieser Programmpunkt aber nicht mehr.

Auch so soll das Miami-Debüt ziemlich außergewöhnlich werden. «Auch Leute, die schon bei anderen Rennen waren, sollen denken: Das ist anders, das macht Spaß, das ist aufregend», sagt Chef-Organisator Tom Garfinkel. So finden sich am Rand der 5,412 Kilometer langen Strecke eine kleine Marina mit Jachten und ein künstlicher Strand mit Pools. VIP-Gäste werden im hochmodernen Trainingszentrum der Miami Dolphins empfangen. Bei einer Reihe von Konzerten treten Musikstars wie Post Malone, Kygo und The Chainsmokers auf.

Bestes Entertainment soll auch die temporäre Piste bieten. Bis zu 320 Stundenkilometer in der Spitze sollen die Autos erreichen. Zwischen den 19 Kurven werde es einige gute Überholchancen geben, urteilt Alfa-Romeo-Pilot Valtteri Bottas nach den Tests im Simulator. «Das sollte gutes, altes Rennfahren werden», sagt der Finne. «Es sieht ziemlich fantastisch aus. Viele schnelle Kurven, echt herausfordernd, ungewöhnliche Kurven, extrem lange Kurven, sehr lange Geraden», schildert Alpha-Tauri-Fahrer Pierre Gasly seine Eindrücke.

Die gehobene Stimmung von Lewis Hamilton auf dem Weg nach Miami könnte indes nicht nur mit der Begeisterung für den Sonnenstaat zu tun haben. Auch ein Blick in die Statistik mag dem zuletzt meist frustrierten Silberpfeil-Piloten gute Laune machen. Schließlich hat sein Mercedes-Team seit 2014 jedes der sechs Debütrennen auf einer neu gebauten Strecke gewonnen.

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