Huaweis Finanzchefin drohen 30 Jahre Haft

Foto: epa/Philipp Guelland
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VANCOUVER (dpa) - Mitten im Handelsstreit zwischen den USA und China sorgt die Festnahme einer chinesischen Spitzen-Managerin für neue Spannungen. Bei einer Verurteilung wegen Betrugs könnte die Finanzchefin des Smartphone-Riesen Huawei in den USA eine lange Haftstrafe erhalten.

Der festgenommenen Finanzchefin des chinesischen Tech-Konzerns Huawei, Meng Wanzhou, droht wegen Betrugsvorwürfen eine lange Haftstrafe in den USA. Die Ermittler beschuldigten die Managerin, über eine Firma namens Skycom Geschäfte mit dem Iran gemacht und so Sanktionsrecht verletzt zu haben, sagte ein Anwalt der kanadischen Staatsanwaltschaft am Freitag bei einer Anhörung in Vancouver. Bei dem Gerichtstermin wurde ein Kautionsantrag Mengs verhandelt.

Die 46-Jährige soll laut Anklage bewusst die Geschäftsbeziehung zwischen Huawei und der in Hongkong ansässigen Firma Skycom verschleiert haben. Skycom habe trotz eines Handelsembargos der EU und der USA zwischen 2009 und 2014 Geschäfte mit einem iranischen Telekom-Anbieter gemacht. Meng habe Banken zudem verschwiegen, dass es sich bei Skycom de facto um eine Huawei-Tochter handelte. Ihr drohen bei einer Verurteilung 30 Jahre Haft wegen «Verschwörung zum Betrug von Finanzinstitutionen», so Anwalt John Gibb-Carsley.

Die Huawei-Managerin, die zugleich stellvertretende Vorstandschefin und Tochter des Konzerngründers Ren Zhengfei ist, war am vergangenen Samstag auf Betreiben der amerikanischen Behörden in Kanada festgenommen worden. Die konkreten Vorwürfe gegen sie waren bislang unklar, weil es eine Informationssperre gab. Diese wurde jedoch inzwischen aufgehoben. Bei der Anhörung ging es um die Frage, ob Meng gegen Kaution vorerst wieder auf freien Fuß kommen kann.

Der Anwalt der Staatsanwaltschaft Gibb-Carsley drängte das Gericht, den Antrag Mengs abzulehnen. Huaweis Finanzchefin habe die Mittel zur Verfügung, eine Flucht nach China zu arrangieren, das kein Auslieferungsabkommen mit den USA habe. Mengs Verteidiger David Martin sagte, niemandem sollte aufgrund seines Reichtums die Kaution verwehrt werden. Meng stehe als Prominente im öffentlichen Fokus und werde ihren Vater, ihren Konzern und ihr Heimatland China nicht durch einen Bruch der Kautionsbedingungen in Verruf bringen.

An den Finanzmärkten hatte der Vorfall Sorgen wegen einer erneuten Eskalation des Handelsstreits zwischen China und den USA ausgelöst und zeitweise zu starken Kursverlusten geführt. Peking hatte mit einer wütenden Protestnote auf die Festnahme Mengs reagiert und ihre Freilassung gefordert. Die chinesische Botschaft in Kanada verlangte sowohl von Kanada als auch von den USA, ihr «Fehlverhalten sofort zu korrigieren» und Mengs persönliche Freiheit wiederherzustellen. Man werde «alle Maßnahmen ergreifen, um die legitimen Rechte und Interessen der chinesischen Bürgerin entschlossen zu schützen».

Der US-Regierung zufolge belastet die Huawei-Affäre die Verhandlungen im Handelsstreit jedoch nicht. «Die China-Gespräche laufen gut!», twitterte US-Präsident Donald Trump am Freitagmorgen. Sein oberster Wirtschaftsberater Larry Kudlow sagte im US-Sender CNBC, die Verhaftung sei kein Hindernis in den Gesprächen mit China. Die beiden weltgrößten Volkswirtschaften liegen seit Monaten wegen Handelsfragen im Clinch. Kurz vor Mengs Festnahme hatten sie aber einen 90-tägigen Burgfrieden vereinbart, um weitere Eskalationen vorerst zu vermeiden.

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Leserkommentare

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Hansruedi Bütler 08.12.18 16:18
Was könnte ein weiterer Grund sein?
N-Korea hat plötzlich sehr schnell seine fast "primitive" Technologie der "Feuerwerksraketen" miniaturisiert und mit hochmoderner Elektronik bestückt. Welche US-Amerikaner haben N-Korea über Japan auch Huawai-Elektronik verfügbar gemacht? Die Renault-Nissan-Mitsubishi Allianz mit ihrem CEO Carlos Ghosn, scheint nicht ganz unschuldig zu sein. Da die USA elektronische Komponenten für die Armee auch aus Japan bezieht, zu welchen Kim Jong-un nun "plötzlich" Zugang hatte, bedurfte es nicht nur in Japan einige "Helfer". Trump hat das Wissen darüber und Kim Jong-un musste einlenken! Der Friedensprozess mit N-Korea wird nächsten Jahres weitergehen. In den USA wird es aber kräftig Rumpeln!
David Hermann 08.12.18 13:20
Wer US-High Tech Prozessoren unerlaubt in sanktionierte Diktaturen wie Nordkorea oder Iran liefert macht sich in USA strafbar. Wer in USA Geschaefte betreibt und in sanktionierten Diktaturen Geschaefte betreibt macht sich strafbar. Soweit so klar. ... wenn nun der HUAWEI Konzern meint er muss (so wie alle chin. Unternehmen) in solchen Staaten Geschaefte machen - ok. China beliefert ja alle, absolut alle mit Waffen und Technologie (sogar Zimbabwe). Aber dann muss der HUAWEI Konzern eben auf das US- und Europa Geschaeft (hier sind auch EU-Sanktionen gegen Iran inkraft) komplett verzichten. Wollen sie aber nicht und basteln sich eine geheime Tochterfirma in Hong Kong. Daher - Null Mitleid mit der Tochter des Konzerngruenders. Alle sind Teil des kommunistischen Apparates und absolut ZK-hoerig. Wuensche der Dame noch einen langen und angenehmen Aufenthalt in CAN/USA.
Beat Sigrist 08.12.18 11:06
Die Kernfrage in dieser Angelegenheit ist doch
so. Wer gibt einem Land auf diesem Planeten das Recht einem anderen Land oder gleich mehereren Länder das Recht vorzuschreiben mit wem diese wirtschaftlichen Handel betreiben dürfen und mit wem nicht ? Die USA ist Spitzreiter in der Liste der Erpresungen von anderen Ländern - warum macht den keiner den USA endlich einen Strich durch die Rechnung, dass vorbestrafte Menschen nicht Präsident werden dürfen in den USA ? Oder die ganzen Finanzgeschichten wegen Steuerhinterziehung und dergleichen.Die USA kassieren Milliarden von Dollars an Strafgelder von anderen Staaten wo *Schwarzgeld* gefunden wurde. Aber der grösste Betrag an Schwarzgeld auf diesem Planeten liegt nachweislich im einem Staat in den den USA selbst - DELAWARE ! Nicht in Asien nicht Europa sondern in den USA selbst ! Ich nenne dies moderne Kriegsführung und Erpressung einfach ohne Waffen. Wer ist der grösste Waffenlieferant an die Saudis einem Land welche sämtliche Menschenrechte mit den Füssen tritt ? Die USA natuerlich - wer gibt den USA das recht dazu ? Solche Länder wie die USA und auch noch ein paar andere zetteln überall Kriege und Elend an nur um Ihre Macht zu demonstrieren und selbstverständlich auch um Ihre Waffenindustrie mit Aufträgen zu versorgen. Warum wird nicht endlich das Vetorecht in gewissen Gremien abgeschaft so dass man auch diese sogenannten Weltmächte selbst einmal an den Pranger stellen kann ?