Trump und Kim wollen Neuanfang wagen

US President Donald J. Trump (r.) and North Korean leader Kim Jong-un (l.). Foto: epa/Kevin Lim / THE STRAITS TIMES
US President Donald J. Trump (r.) and North Korean leader Kim Jong-un (l.). Foto: epa/Kevin Lim / THE STRAITS TIMES

SINGAPUR (dpa) - Es steht viel auf Spiel: Erstmals treffen in Singapur ein amtierender US-Präsident und der Machthaber Nordkoreas zusammen. Gelingt ihnen ein Schritt in Richtung atomare Abrüstung? Was passiert, wenn nicht?

In angespannter Atmosphäre haben US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un am Dienstag in Singapur ihr Gipfeltreffen begonnen. Es gab zum Auftakt freundliche Worte und Gesten. Aber ob ein erster Schritt in Richtung einer atomaren Abrüstung Nordkoreas gelingen kann, war völlig offen. Mit ihrer persönlichen Begegnung im Luxushotel «Capella» auf der Insel Sentosa wollen beide Politiker nach jahrzehntelangen Feindseligkeiten einen Neuanfang wagen. Es geht um den Abbau der Atomrüstung in Nordkorea, eine Friedenslösung für die koreanische Halbinsel sowie Wirtschaftshilfe für das weithin isolierte kommunistische Land.

Zum Auftakt machte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un deutlich, ein neues Kapitel in den angespannten Beziehungen zu den USA aufschlagen zu wollen. «Alte Praktiken und Vorurteile haben gegen uns gearbeitet. Aber wir haben sie alle überwunden. Und jetzt sind wir hier», sagte Kim vor laufenden Kameras, als sie sich zu einer persönlichen Unterredung in der Bücherei des Hotels niederließen.

«Ich fühle mich wirklich gut, wir werden ein gutes Gespräch haben», sagte Trump. «Wir werden ein großartiges Verhältnis haben, kein Zweifel.» Auch zeigte der US-Präsident in der ihm eigenen Art mit dem Daumen nach oben. «Wir werden ungemein erfolgreich sein.» Trump und Kim hatten sich zuvor vor jeweils sechs Flaggen der USA und Nordkoreas in dem Kolonialbau den Kameras gestellt. Beide Politiker wirkten dabei ernst und angespannt, doch fasste Trump seinem Gegenüber freundschaftlich zwei Mal kurz an die Schulter. Bereits der Auftakt hatte für Nordkorea immensen symbolischen Wert. Er signalisierte, mit der Supermacht USA auf gleicher Augenhöhe zu stehen.

Nach der ersten Unterredung über 48 Minuten kamen beide in größerer Runde auch mit Außenminister Mike Pompeo und anderen zusammen. Ob eine grundsätzliche Einigung auf die atomare Abrüstung Nordkoreas oder zumindest auf einen Fahrplan für den weiteren Prozess gefunden werden kann, war unklar. Unterhändler hatten bis zur letzten Minute um mögliche Vereinbarungen gerungen. Der erste Gipfel beider Länder wird von großen Hoffnungen begleitet. Der Streit um Nordkoreas Atomwaffenprogramm ist einer der gefährlichsten Konflikte der Welt. Laut Kim können nordkoreanische Atomraketen das US-Festland treffen.

In einem wütenden Tweet wies Trump am frühen Morgen seine Kritiker zurecht. «Wir haben unsere Geiseln (zurück), die Tests, die Forschung und alle Raketenabschüsse sind gestoppt», schrieb Trump. «Und diese Experten, die mir von Anfang an Fehler vorwarfen, haben nichts anderes zu sagen», fuhr er fort. «Wir werden okay sein.» Mit dem Hinweis auf die Geiseln bezog sich Trump auf drei US-Bürger, die im Mai aus der Haft in Nordkorea freigelassen worden waren.

In US-Medien waren zuvor Zweifel aufgekommen, ob die USA bei dem Gipfel mit Kim entscheidende Fortschritte erzielen können. Während das Weiße Haus verbreitete, die Vorgespräche liefen besser als erwartet, wurde spekuliert, die USA könnten bei den Nordkoreanern gegen eine Wand laufen. Trump hatte am Vortag erklärt, er werde bereits am Dienstagabend nach dem Gipfel wieder nach Hause fliegen. In früheren Planungen war von Mittwoch die Rede gewesen.

«Eine vollständige, überprüfbare und unumkehrbare Denuklearisierung auf der koreanischen Halbinsel ist das einzige Ergebnis, das die USA akzeptieren werden», gab Außenminister Mike Pompeo als Messlatte vor. «Wenn sich die Diplomatie nicht in die richtige Richtung bewegt, werden die Sanktionen verschärft.» Nach dem Eklat am Wochenende auf dem Gipfel der sieben großen Industrienationen (G7) in Kanada stand Trump zusätzlich unter Druck, einen Erfolg zu erreichen.

Nie zuvor ist ein amtierender amerikanischer Präsident mit einem Führer des isolierten Landes zusammengetroffen. Mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Korea-Kriegs 1953 streben beide Seiten als Grundlage für die atomare Abrüstung auch eine Friedenslösung an. Damals wurde nur ein Waffenstillstandsabkommen besiegelt. Insbesondere Nordkorea wünscht sich vertragliche Vereinbarungen, dass die Führung in Pjöngjang nicht durch einen Angriff gestürzt wird.

Nordkoreas Machthaber sucht außer starken Sicherheitsgarantien eine Aufhebung der scharfen Sanktionen, die die Vereinten Nationen und auch die USA auch einseitig als Reaktion auf seine Atom- und Raketentests verhängt haben. In einem Entgegenkommen hatte Kim im April einen Atom- und Raketenteststopp erklärt und verkündet, sich künftig auf die Wirtschaftsentwicklung konzentrieren zu wollen.

Politisch will Nordkorea diplomatische Beziehungen zu den USA. Auf dem Gipfel könnte eventuell verkündet werden, dass die USA als ersten Schritt zunächst eine Vertretung in Pjöngjang einrichten könnte. Da der Kriegszustand seit dem Ende des Koreakrieges 1953 völkerrechtlich nie beendet wurde, wäre ein Friedensvertrag nötig, um die Sicherheitsbedürfnisse zu befriedigen. Nordkorea schlägt zur Lösung des Atomkonflikts ein «synchrones» und «phasenweises» Vorgehen vor.

Den USA geht es auch darum, dass Pjöngjang seine Langstreckenraketen sowie jene Raketen mit kürzerer Reichweite beseitigt, die zwar nicht die USA, aber Südkorea oder Nachbarn wie Japan treffen können.

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Leserkommentare

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Khun Wilfried Stevens 12.06.18 22:47
Trump der etwas andere Präsident
Während Merkel die EU sanieren will auf Kosten von DE und die G6 -Miesepeter die negative Medienkeule schwingen, macht Trump weitreichende Weltpolitik in Asien, ohne die Europäer. Damit haben die Hillary-Anhänger wieder mal versagt, besonders DE. Die Taktik von Trump, auf Augenhöhe und ohne weiteren Druck zu verhandeln, war clever. Da war die komische Kaffeerunde G7 Fliegenscheisse.
Ingo Kerp 12.06.18 15:13
Egal wie der Gipfel in Singapur ausgeht, Kim hat die ganze Aufmerksamkeit von Trump, was die G6 „Partner“ nicht von sich sagen koennen. Außerdem ist Kim bereits der Sieger, bevor der Gipfel beginnt. Trump hat ihn aus seiner kommunistischen Isolation N.Korea hervorgeholt und Kim verhandelt nun mit dem angebl. mächtigsten Mann der Welt auf Augenhoehe, was die G6 Staatenlenker auch nicht von sich behaupten koennen. Damit hat Trump den Kim hof- und gesellschaftsfähig gemacht.