Syrer leiden unter großer Armut und Hunger

​Hilfsorganisationen  

Flüchtlinge aus Syrien protestieren in Athen. Foto: epa/Orestis Panagiotou
Flüchtlinge aus Syrien protestieren in Athen. Foto: epa/Orestis Panagiotou

DAMASKUS: Syrien leidet nach zehn Jahren Bürgerkrieg Hilfsorganisationen zufolge unter einer der schwersten humanitären Krisen seit Ausbruch des Konflikts. Mehr als zwölf Millionen Menschen hätten keinen regelmäßigen Zugang zu ausreichend Nahrung, sagte der Präsident des Syrisch-Arabischen Roten Halbmondes (SARC), Chalid Hbubati, am Donnerstag vor Journalisten. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung seien nach Schätzungen unter die Armutsgrenze gerutscht. «Die Menschen leben wegen der brutalen Krise in Agonie», sagte er.

Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, klagte, die humanitäre Lage werde durch eine schwere Wirtschaftskrise verschärft. Die Corona-Pandemie komme noch obendrauf. Er befürchte, dass die internationale Gemeinschaft Syrien abschreibe. Zivilisten bezahlten den Preis für einen fehlenden politischen Durchbruch. «Wir brauchen eine politische Lösung für den Konflikt», mahnte Maurer. «Die Syrer können sich kein weiteres Jahr wie dieses leisten, geschweige denn weitere zehn Jahre.»

Der Konflikt in Syrien war im März 2011 mit Protesten gegen die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad ausgebrochen. Die Sicherheitskräfte gingen damals mit Gewalt gegen Demonstrationen vor. Daraus entwickelte sich ein Bürgerkrieg mit internationaler Beteiligung. Mehr als 400.000 Menschen wurden getötet, rund zwölf Millionen vertrieben. Mittlerweile kontrolliert die Regierung wieder rund zwei Drittel des Landes. Wegen Sanktionen ist sie aber international stark isoliert. Alle Bemühungen um eine politische Lösung blieben bislang erfolglos.

Die Kinderhilfsorganisation World Vision schätzt die Kosten des Konflikts auf bisher mehr als 1,2 Billionen US-Dollar (etwa eine Billion Euro). Die Ergebnisse einer Untersuchung zeigten zudem, dass der heranwachsenden Generation durch verlorene Bildung und Gesundheit entscheidende Nachteile zugefügt worden seien, einschließlich einer um 13 Jahre verringerten Lebenserwartung.

Mit mehr als 15.000 Corona-Infizierungen hat Syriens Regierung bislang vergleichsweise wenig Fälle gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher liegen. Es sei wegen eines starken Mangels an Testausrüstung nicht möglich, jeden zu testen und die tatsächliche Zahl zu wissen, sagte Hbubati. Ähnlich sieht es in den syrischen Gebieten aus, die von Rebellen oder den Kurden kontrolliert werden.

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