Hilfsorganisationen kritisieren Kompromiss zu Syrien-Hilfe

Mobile Kliniken, die behandlungsbedürftigen Menschen helfen, Medikamente bereitstellen und auch Freiwillige betreuen, die auf dem Märtyrerplatz im Zentrum Beiruts die Straßen von Schutt befreien. Foto: epa/Nabil Mounzer
Mobile Kliniken, die behandlungsbedürftigen Menschen helfen, Medikamente bereitstellen und auch Freiwillige betreuen, die auf dem Märtyrerplatz im Zentrum Beiruts die Straßen von Schutt befreien. Foto: epa/Nabil Mounzer

BEIRUT: Hilfsorganisationen haben mit Kritik und Unverständnis auf die Verlängerung der UN-Hilfe für notleidende Menschen in Syrien für nur sechs Monate reagiert. «Wir sind sehr enttäuscht über das gestrige Abstimmungsergebnis», erklärte der Generalsekretär von Care Deutschland, Karl-Otto Zentel, am Mittwoch. Inmitten der Pandemie, einer schweren Wirtschaftskrise und immer knapper werdenden Ressourcen müssten Millionen Menschen ums Überleben kämpfen. «Jetzt ist die Zeit für mehr, nicht für weniger humanitäre Hilfe.»

Der UN-Sicherheitsrat hatte sich am Dienstag nach tagelangen schwierigen Verhandlungen darauf geeinigt, einen wichtigen Hilfsmechanismus für den Nordwesten des Bürgerkriegslandes um sechs Monate zu verlängern - und nicht wie zuvor um ein Jahr. Russland setzte sich damit mit seiner Forderung durch. Die westlichen Länder hatten hingegen eine Verlängerung um ein Jahr gefordert.

Hintergrund ist eine seit 2014 bestehende UN-Resolution, die am Sonntag ausgelaufen war. Die Regelung erlaubt es den UN, wichtige Hilfsgüter über einen Grenzübergang im Nordwesten Syriens auch in Teile des Landes zu bringen, die nicht von der Regierung kontrolliert werden. Wäre diese Regelung nicht verlängert worden, könnte UN-Hilfe nur noch über die Regierung in Damaskus nach Syrien gelangen.

Care bemängelte, der Zugang zu den betroffenen Gebieten müsse nun im Winter neu verhandelt werden. «Dies ist eine weitere, unnötige Belastung für die Menschen, da die syrische Bevölkerung dann womöglich in den harten Wintermonaten ohne Hilfe dasteht», sagte Zentel. Die Deutsche Welthungerhilfe kritisierte, die Garantie von nur sechs Monaten stelle ein erhebliches Risiko für die humanitäre Hilfe dar. «Die Entscheidung des Rates, die Mandatsdauer zu verkürzen, verschärft den Kreislauf der ständigen Vorratshaltung und Notfallplanung zu einer Zeit, in der der Bedarf an humanitärer Hilfe größer denn je ist», sagte Syrien-Direktorin Else Kirk.

Die UN selbst zeigten sich erleichtert. «Es ist eine gute Nachricht, dass wir die grenzüberschreitende Hilfsoperation fortsetzen können», twitterte der stellvertretende UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Syrien, Mark Cutts. «Millionen von Leben hängen davon ab.»

Im Nordwesten Syriens leben nach UN-Angaben rund 4,4 Millionen Menschen. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Vertriebene, von denen viele seit Jahren in Lagern wohnen. 4,1 Millionen Menschen in der Region benötigen humanitäre Hilfe. Syrien leidet unter den Folgen des Bürgerkriegs und einer schweren Wirtschaftskrise. Nach UN-Schätzungen leben mehr als 90 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze. Millionen Menschen haben zu wenig zu essen.

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