Handeln oder Schachern?

Callolo und seine Herzallerliebste - Eine humorvolle Geschichte

Handeln oder Schachern?

Während eines Spaziergangs durch die Beach-Road blieb meine Herzallerliebste vor einem Stand mit allerlei kopierten Marken-Textilien stehen.

"Schau mal, Callolo, würde diese Armani-Bluse mir stehen?"

"Ja, mein Schatz, die ist sehr schön."

"Und was ist mit dieser von Dior?"

"Die gefällt mir auch."

"Wollen wir sie kaufen, Callolo?"

"Wenn du möchtest."

Ich fragte den Verkäufer nach dem Preis für eine Bluse. Er verlangte 500 Baht. Ich bot ihm die Hälfte. Per Zeichensprache machte er mir klar, dass dieser Preis ihn erdrosseln würde. Er erklärte sich bereit, die Bluse für 350 Baht zu verkaufen.

"Und wenn ich die andere Bluse auch nehme?"

Dann wollte er 700 Baht haben. Ich bot ihm 500 Baht für beide. Er schüttelte den Kopf.

Meine Herzallerliebste flüsterte mir ins Ohr: "Callolo, was du hier abziehst ist oberpeinlich. Du bist doch kein Kiniau" (Geizkragen).

"Ich bin aber auch kein Tourist, der sich wie eine Weihnachtsgans ausnehmen lässt. Wenn ich jetzt so tue, als wollte ich gehen, dann gibt er mir die beiden Blusen garantiert für 500 Baht."

"Bitte, Callolo, lass mich mit ihm verhandeln."

"Wenn du unbedingt willst."

Ich gab ihr das Geld und ging weiter. Gleich nebenan befand sich ein offenes Restaurant. Ich setzte mich an einen freien Tisch und bestellte ein Bier. Wenige Minuten später kam meine Herzallerliebste strahlend zu mir und zeigte mir stolz ihre Neuerwerbungen.

"Und? Was hast du bezahlt?"

"Callolo, ich habe mich so für dich geschämt. Wir sind doch keine armen Leute."

"Ich fragte nur, was du für die beiden Blusen bezahlt hast?"

"Callolo, wer bei solchen Preisen schachert, der ist entweder sehr arm, oder er verliert sein Gesicht."

"Aber Schatz, handeln gehört hierzulande zum normalen Alltag. Wer mit dem zuerst verlangten und stets überhöhten Preis sofort einverstanden ist, wird als Dummkopf betrachtet, sogar von den Händlern."

"Handeln, Callolo, das ist okay, aber schachern, das machen nur ahnungslose Farangs, und entsprechend werden sie auch eingeschätzt. Wenn ich den Preis für angemessen halte, dann bezahle ich ihn auch und bewahre mein Gesicht. Du hättest mal den respektvollen Wai sehen sollen, den der Verkäufer mir entboten hat, als ich mich verabschiedete."

"Das glaube ich dir sofort, mein Schatz. Dieser Wai war bestimmt 200 Baht oder mehr wert."

"Na, und? Weißt du eigentlich, was mein Selbstgefühl wert ist?"

Über diese Frage musste ich dann doch einige Zeit nachdenken. Während ich froh gewesen wäre, einen möglichst niedrigen Preis auszuhandeln, war sie glücklich darüber, im Ansehen des Verkäufers gestiegen zu sein.

Um diese unterschiedlichen Ansichten zusammenzubringen, braucht es mehr als Toleranz und Verständnis füreinander.

Was das sein könnte? Das verrate ich nicht. Meine Herzallerliebste hat mich gerade ins Schlafzimmer gerufen, um mir die Blusen vorzuführen.

Callolo und seine Herzallerliebste und Angekommen in der Wirklichkeit

Callolo und seine Herzallerliebste

In 130 heiteren Kurzgeschichten hat Autor Carolus in zwei Büchern sich mit unterschiedlichen Erfahrungen, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Thais und Farangs ergeben, verfasst. Die humorvollen Geschichten behandeln das Eheleben zwischen Nai und Callolo. Im Leben der beiden wird viel Toleranz abverlangt. Dass es trotzdem immer wieder ein Happy End geben kann, beweist der Autor, im ersten Buch, in vielen unerwarteten Entwicklungen. Im zweiten Werk hat der Autor seine „rosarote Brille“ abgenommen und erzählt auf ehrliche und gewohnt charmante Weise über Probleme und Schwierigkeiten, die in seiner nicht mehr ganz taufrischen Beziehung zu Nai entstehen.

Die beiden Taschenbücher können Sie im FARANG-Onlineshop bestellen.

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