"Hallo, Sexy Man"

"Hallo, sexy man!" In den unzähligen Bars Pattayas finden Single-Touristen genügend Möglichkeit, fröhlich das Leben zu genießen. So auch in der Blue Marlin Bar in Naklua. Foto: bj

Wenn man als Mann durch Pattaya flaniert, hört man diesen Satz mehr als einmal: "Hallo, sexy man!" Man kann fünfzig, sechzig, siebzig Jahre alt sein oder noch älter, das spielt keine Rolle. Alle sind "sexy men". Und die meisten fühlen sich dabei auch noch gebauchpinselt. Haben die denn keinen Spiegel zuhause? Bei hier lebenden Expats darf man wohl davon ausgehen, dass sie mehrheitlich auf diese Anmache nicht mehr hereinfallen. Aber den Touristen, denen solches Glück seit Jahren nicht mehr beschieden war, denen klingen solche Verlockungen sicher wie Sirenentöne: "Hallo, sexy man!"

Da eröffnet sich doch sofort ein neues Leben. Alles, was längst vorbei schien, wird plötzlich wieder lebendig: "Hallo, sexy man!"

Das klingt nach einem neuen Anfang, nach einer neuen Chance, nach neuer Hoffnung:

"Hallo, sexy man!" Ja, da kann man doch nicht einfach nein sagen, ja, da kann man doch nicht kalt und herzlos sein, ja, da muss man sich doch einfach fügen und hinlegen, denn schließlich ist man ein "sexy man" – oder?

Carlos hat diesen Zirkus nie mitgemacht, nicht einmal vor 27 Jahren, als er zum ersten Mal hierher kam. Damals riefen die Damen ihm hinterher: "Hallo, Tilak", heute rufen sie "Hallo, Papa". Ja, glauben die denn wirklich, Carlos möchte sich von seiner Tochter oder von seiner Enkelin verwöhnen lassen?

Wir alle, die wir hier leben wissen, dass die Sexindus­trie Pattaya zum Erblühen gebracht hat und auch weiterhin gut ernährt. Und solange im Westen Sex als Mangelware behandelt wird, bleibt Pattaya das erstbeste Ziel aller Sex-Touristen: "Hallo, sexy man!"

Mit der Liebe kom­men die Probleme

Endlich kann man hier alle Rüstungen und Masken ablegen und frei und fröhlich das Leben genießen mit schönen Thai-Frauen, die offen sind für alle Wünsche der Touristen. Die Probleme entstehen ja erst später, wenn der Farang sich ernsthaft in die Thai-Lady verliebt hat, wenn er seine Heimat aufgibt, um mit seiner großen Liebe zusammenzuleben: Er fast siebzig, sie gerade mal zwanzig Jahre alt – jedenfalls sieht sie so aus. Alles kein Problem: Der Pascha kauft ein Haus für die gemeinsame Zukunft, für den erträumten Herbst des Lebens.

Leider klappt das nicht immer so wie erträumt, und der herbstzeitlose Farang muss enttäuscht und verarmt zurück in die alte Heimat, wo es für ihn keinen Sex mehr gibt, aber vielleicht Sozialhilfe.

Täglich fallen neue Touris­ten hier ein, voller Hoffnungen und Wünsche. Sie wissen in der Regel wenig über dieses Land. Ja, dass es hier freizügigen und preiswerten Sex gibt, das ist ihnen bekannt. Aber dass dieses Land auch eines der ältesten Kulturländer ist, davon haben sie noch nichts gehört. Buddhismus? Ach ja, der Dalai Lama. Viel mehr kommt da nicht. Klar, wenn man etwas Zeit hat, kann man im Land herumfahren und sich informieren – aber eigentlich gilt der erste Besuch der "sexy men" doch einem ganz anderen Ziel. Trotzdem entscheiden sich immer mehr Menschen nach ihrem ersten Besuch in diesem Land für ein Leben in Thailand. Warum? Der "sexy man" hat dafür schnelle Antworten parat. Aber Freundlichkeit, Buddhismus, Kultur, Thai-Food oder die Möglichkeit, eine neue Lebensgemeinschaft aufzubauen, verlieren oft schon nach einem Jahr ihren Reiz. Nörgelei macht sich breit, weil hier nichts so ist wie in Europa: Die Freundlichkeit ist nur vorgeschoben, der Buddhismus erstickt im Aberglauben, und das thailändische Essen ist auch viel zu scharf.

Carlos gehört zu jenen, die sich nach mehreren Urlaubs­aufenthalten und intensiver Vorabinformation für dieses Land entschieden haben und es bis heute nicht bereuen.

Er hat die Freundlichkeit der Thais erkannt als das, was es ist: Eine Möglichkeit, friedlich miteinander umzugehen. Er macht es genauso. Wer an Geister glauben will, der soll es, und wem das Essen hier zu scharf ist, kann überall auch europäische Speisen zu sich nehmen.

Hoffnungen und Wünsche

Aber zurück zu den Touristen, die häufig ohne jede Vorkenntnisse in Thailand einfallen. Hier treffen sie dann auf die jungen Frauen und Mädchen, die täglich neu aus dem Isaan nach Pattaya kommen, ebenso voller Hoffnungen und Wünsche. Da trifft sich dann, was zusammenkommen will, aber nicht immer zusammengehört, denn sie wollen Geld und die Touristen Liebe.

Für die hier lebenden Expats sind das Plattitüden, obwohl die meisten von ihnen das anfangs auch durchgemacht haben. Heute belächeln sie die Neulinge, die sich von "Hallo, sexy man" noch anmachen lassen.

Aber Sex ist der wichtigste Trieb für die meisten Menschen. Er treibt viele nach Thailand, wo sie - zumindest zeitweise - die Erfüllung ihrer Sehnsucht finden.

Carlos meint: Jeder Mensch hat das Recht, sein persönliches Glück zu entdecken.

Warum nicht in Pattaya?

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JOHANN MUELLER 28.12.19 05:49
Das Geld & die Ladies !
Tja - dieses Thema ist nicht ganz einfach zu kommentieren, resp. immer zu verstehen. Eigentlich bin ich ein toleranter Mensch, doch was ich wirklich abscheulich finde, sind die alten, z.T. ungepflegten, zahnlosen Herren, sagen wir mal ( Ü 70 ) mit einer Lady ( U 20 ) Jürgen Franke hat sich diesbez. ziemlich klar ausgedrückt. Auch ich unterstütze immer wieder arme Thais im Rollstuhl, doch auch andere.
Über den menschlichen Charakter & Niveau dieser alten HH. ist jede weitere Zeile sinnlos !
Jürgen Franke 27.12.19 19:08
Herr Volkmann, Sie wissen doch, dass ich
im Forum lediglich kommentiere und keine Fragen beantworte. Sie dürfen jedoch davon ausgehen, dass ich sehr gerne in Thailand lebe, mit allen Vorzügen, die ich genieße und Nachteilen, die ich gerne in Kauf nehme. Zu der erwähnten Kategorien Männern zähle ich mich jedoch nicht.
Hans-Dieter Volkmann 27.12.19 15:30
Herr Franke: "Nach wie vor ist Thailand das Ziel" Ja, woher wisse Sie das denn? Haben Sie persönliche Erfahrungen gemacht?
Jürgen Franke 27.12.19 03:35
Nach wie vor ist Thailand das Ziel
für etwas ältere und übergewichtige Männer, die glauben für kleines Geld das zu bekommen, was sie zu Hause nicht mehr erhalten. Bereits am Flughafen werden die großzügigen Herrn in die liebevollen Arme genommen.
Norbert Schettler 26.12.19 17:42
Hart aber korrekt
Ce-eff drückt es ein wenig "vornehmer" aus, Sie, Herr Peters, dagegen knochenhart. Ist aber die Realität und damit muss ein jeder klar kommen. Auch ich bin '78 mit Mitte zwanzig auf meiner Asienreise nach hier gekommen. War vorher in Nepal und Indien, da bekam man schon grosse Augen, wenn man in Bangkok ins Nana ging. Und Pattaya war ein Dorf, die Patong ein Feldweg ohne irgendwelche Mädels. Aber man war jung und gut drauf. Heute, mit Mitte 60, lebe ich mit meiner Frau, die ich damals in Ubon kennengelernt habe, wieder hier im Isaan. Und natürlich mache ich mir meine Gedanken über dieses Land, nur sehe ich das nicht ganz so negativ. Denn beide Seiten, also die alten Herren sowie auch die jungen Damen arrangieren sich mit diesem Leben. Ob sie alle zufrieden sind, das sei mal dahingestellt. Die meisten der hier Lebenden werden wissen, das sie für ihre "Pflege" bezahlen und irgendwo die Familie unterstützen, werden also nicht von der gesamten Bevölkerung verachtet. Und die Touristen in Pattaya oder Patong, lasst sie doch machen was sie wollen, solange sie nicht mit Minderjährigen rummachen. Muss doch jeder selbst wissen ob er sich lächerlich macht.